Kreis Germersheim Ein einfacher Weg zum Halbstundentakt

Mehr Zugverbindungen in der Südpfalz – ohne Mehrkosten. Herbert Jäger glaubt, dass das möglich ist. Der Jockgrimer engagiert sich beim Fahrgastverband „Pro Bahn“ und hat ausgerechnet, dass durch einige Optimierungen der Fahrpläne eine Verbindung im Halbstundentakt zwischen Germersheim und Karlsruhe an allen sieben Wochentagen möglich wäre. Am Freitag hat der Zug-Fan sein Konzept im Jockgrimer Bürgerhaus vorgestellt. Die Bahnlinie zwischen Germersheim und Wörth als Teil der Verbindung von Mannheim über Ludwigshafen und Speyer nach Karlsruhe sei Dank der Modernisierungen der jüngeren Zeit optimal ausgebaut, stellt Jäger fest. Allein fehle es bislang an Zügen und somit auch an Nutzern, bedauert er. Das Potenzial sei indes gewaltig: Im Einzugsbereich der Strecke zwischen Wörth und Germersheim lebten rund 70.000 Menschen. Etwa 20.000 davon könnten einen der 12 Haltepunkte binnen 10 Minuten zu Fuß erreichen. Rechne man noch Buszubringer, Park und Ride sowie Bike und Ride hinzu, vervielfache sich die Anzahl potenzieller Bahnkunden. Warum fahren all diese Menschen dann noch nicht mit der Bahn? Das derzeitige Angebot sei nicht attraktiv genug, meint Jäger. „Wir haben die qualitativ und quantitativ schlechteste Bedienung im Personenverkehr innerhalb des gesamten KVV.“ So verkehre zwischen Germersheim und Wörth je Richtung stündlich nur ein kleiner Stadtbahnwagen, zwei Züge gebe es lediglich Montag bis Freitag zwischen 6 und 8 Uhr morgens sowie von 12 bis 19 Uhr am Nachmittag. In dünner besiedelten Regionen in der Nachbarschaft – etwa entlang der Strecke Landau und Karlsruhe – stünden dreimal so viele Fahrgastplätze zur Verfügung, kritisiert Jäger. In der Folge führen auch erheblich mehr Menschen auf dieser Strecke als auf der nach Germersheim. Um die Stadtbahn wie ursprünglich geplant im Halbstundentakt über den Karlsruher Hauptbahnhof in die Innenstadt verkehren zu lassen, seien mindestens zehn Stadtbahnwagen notwendig, meint Jäger. Zur Verfügung stehen bislang drei. Dass der chronisch klamme Kreis Germersheim und die kaum solventeren Gemeinden zusätzliche sieben anschaffen, kann bei einem Stückpreis von fünf Millionen Euro als utopisch gelten. Jäger hat deshalb einen anderen Lösungsvorschlag erarbeitet, den er für weitgehend kostenneutral hält: „Die Rhein-Neckar-S-Bahn wird von Germersheim über Wörth nach Karlsruhe im Stundentakt verlängert. Die Stadtbahn S 5 aus dem Pfinztal wird stündlich ab Knielingen nach Germersheim verlängert. Beide Linien ergänzen sich zum Halbstundentakt.“ Da mit diesem Konzept die Karlsruher Innenstadt ohne Umsteigen erreicht werde, könne man mit Fahrgastzahlen wie auf der belebteren Strecke von Karlsruhe nach Landau rechnen, ist Jäger überzeugt. Das Problem: Um die von Jäger vorgeschlagene Lösung umzusetzen, müssten sich die Deutsche Bahn als Betreiberin der Rhein-Neckar-S-Bahn und die konkurrierende Stadtbahnbetreiberin Albtal-Verkehrs-Gesellschaft auf diese verständigen. „Die Politiker sind jetzt gefordert, sich für die Bahn zu entscheiden“, verlangt Jäger. (fex)