Kandel RHEINPFALZ Plus Artikel Ein Blick hinter die Türen der Essensmacher

Auch auf dem Bauernhof Kehrt suchen die Besucher am Wochenende schatten vor der Sonne.
Auch auf dem Bauernhof Kehrt suchen die Besucher am Wochenende schatten vor der Sonne.

Der Tag der offenen Höfe und Tore ist wörtlich zu nehmen. Besucher nutzten die Chance, sich auf den Bauern- und Winzerhöfen der Nachbarschaft umzusehen. Gäste und Gastgeber haben alle das gleiche Problem.

Bei mehr als frühsommerlichen Temperaturen wurde anlässlich 50 Jahre Verbandsgemeinde zum Tag der offenen Tore und Höfe geladen. Die Veranstaltung wurde ein schöner Erfolg, auch wenn es mancherorts verhalten begann und die allgemeinen Preissteigerungen auch an den regionalen Erzeugern nicht vorübergehen.

Es ist Mittagszeit. Die Sonne steht hoch und brennt tief. Geduldig weist Rentner Karl-Heinz Rödel die Autos auf die geräumigen Parkflächen des Minderslachener Bauernhofs Kerth. Für das Einparken seines Wagens bekommt jeder Fahrzeuglenker ein Lob, als habe dieser gerade mit verbundenen Augen erfolgreich einen Schulbus auf Parkdeck 11 B04 des Frankfurter Flughafens abstellen können. Mehr als 160 Autos bekäme er hier bestimmt unter, sagt Rödel. Doch noch ist wenig los. Rödel vermisst die Omnibusse, die sonst zu solchen Veranstaltungen zwischen den Höfen verkehrten. Viele hätten dann die Parkplätze der Kerths genutzt, um von hier aus ihre Rundtour zu starten. Auf dem rund 150 Meter Fußweg entfernten Hof ist dann aber doch schon einiges los.

Weniger Fleisch, dafür gute Qualität

Die offene Tür wird hier wörtlich genommen und so können sich die Besucher alles anschauen. Oder die Hofprodukte gleich verzehren, was für die meisten Gäste offenbar weitaus attraktiver erscheint. So wie für die Familien Schwind und Seringer aus Minfeld und Kandel. Auf ihren Tellern liegen Spätzle, Salat sowie Rinder oder Schweinerollbraten. „Wir essen lieber ein Stückel Fleisch weniger, aber dafür ein Gutes“, sagt Christa Schwind. Und erhält von Tochter Petra Seringer vehemente Unterstützung. Wie überall werden auch die Kerths die Preise für ihre Produkte aufschlagen müssen. Der Krieg, die Energie, der Dünger. „Aber nicht so sehr wie der Handel, weil wir zum Beispiel unser Futter selbst produzieren“, sagt Martina Kerth, die mit ihrem Mann Norbert den Hof führt. Kerth ist optimistisch, dass die Kunden ihren Direkterzeugern treu bleiben werden.

Auch eine Ortschaft weiter trifft man auf guten Mut. Auch das Weingut Kehrt präsentiert sich, seine Weine und das sich gerade im Aufbau befindende Projekt des Windener Storchenwanderwegs. Man habe 26 Storchennester in Winden, schwärmt der Gemeinderat Frank Ebersoldt: „Diese Attraktion müssen wir doch nutzen, um für das Thema Umwelt zu sensibilisieren!“ Er freut sich, dass in diesen Wochen wieder Leben in die Gemeinde komme. Schon am kommenden Wochenende sei schließlich Weinfest. Auch Andreas Kehrt lächelt. Die Veranstaltung nutze man, um nach zwei Jahren Pandemie „wieder reinzukommen und zu schauen, ob alles funktioniert“. Auch er hat die Preise anheben müssen, „aber es hat noch keiner etwas gesagt. Und dabei wird es wohl auch bleiben. Jeder weiß doch, dass alles teurer wird, sodass ich bei allen den gesunden Menschenverstand voraussetze, dass auch wir anheben müssen“.

Besucher suchen Schatten unter Schirmen

Noch ist wenig los, doch werden in den kommenden Stunden noch ausreichend kommen. So wie auf den Hof des Weingutes Heintz in Minfeld, das eine entspannte Fahrradstreckenlänge von Winden entfernt liegt. Aber auch hier knallt die Sonne und schmiegen sich die Menschen an Hauswände und unter Sonnenschirme, um nicht am nächsten Tag nicht mit am Strand eingeschlafenen Mallorca-Urlaubern verwechselt zu werden.

Familie Heid aus Scheibenhardt hat mit ihren drei Kindern Schutz im Schatten gesucht und lässt es sich dort schmecken. Sie liebten ihre Südpfälzer Heimat, seien in der Region viel unterwegs und schätzten die zahlreichen lokalen Erzeuger. Dennoch werde man künftig wohl sparen müssen, sagt Mutter Annette: „Erst heute Morgen hatten wir es davon, dass der Einkaufswagen vor ein paar Monaten noch rund 80 Euro gekostet hat, während es mittlerweile 120 Euro sind.“ Künftig werde man wohl nicht mehr so oft essen gehen können und sich auch hinsichtlich Urlaub einschränken müssen. Auch Sohn Tim hat wahrhaft Gewichtiges zum Ernst der Situation beizutragen: „Wir müssen sogar das Licht ausmachen, wenn wir nicht im Raum sind.“ Dann schiebt er ein Lächeln hinterher. Denn über der Verbandsgemeinde scheint die Sonne und gilt das Versprechen der Eltern, dass man anschließend noch ein Eis essen gehen werde.

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