Kreis Germersheim Ein Bahnhof für den „Feind“

Mit dem Jahresende ist es auch für den Chronisten an der Zeit, einige öffentlich unerwähnte Ottersheimer Geschehnisse „runden Datums“ aus der Vergangenheit in Erinnerung zu rufen.
Vor genau 125 Jahren kaufte sich Georg Gensheimer als erster Ottersheimer ein Fahrrad und stellte es seinen staunenden Mitbürgern vor. Vier Jahre später besaß Anna Böhm das erste Damenfahrrad. Ottersheim zählte in diesem Jahr 1890 1008 Einwohner, heute sind es knapp 2000. Über das erste Kriegsjahr 1940 im Zweiten Weltkrieg schrieb Jean Benz vor 75 Jahren nieder, was damals die Presse nicht berichten durfte: Vom Bahnhof Hochstadt wurde eine Feldbahn gebaut, die durch den Wald an die Knittelsheimer Mühle über den Gollenberg nach Herxheim an die Front führte. Bei der Knittelsheimer Mühle gab es zeitweise ein großes Munitionslager, das mit Stacheldraht und spanischen Reitern geschützt war. Beim Bahnhof Hochstadt war ein großes Arbeitslager mit Westwallarbeitern belegt. Am Jagdhäuschen im Wald wurden im Sommer des Jahres 1940 eine große Anzahl Baracken auf Betonfundamenten errichtet und breite Straßen angelegt. Ottersheim bekam sogar einen „Bahnhof“. Auf dem Schwalbenberg in der südlichen Gemarkung des Bärendorfes wurde des Nachts ein solcher vorgetäuscht, um die feindlichen Flugzeuge zu irritieren. Inzwischen sind es nun schon 50 Jahre her, seit die bald danach verstorbenen Paula und Eduard Kreiner als ersten Aussiedlerhof den Rosenhof bezogen. Ebenso wurde 1965 mit dem Kauf zweier Tabakeinnähemaschinen das zeitraubende Tabakeinlesen ersetzt. Vor 25 Jahren wurde die Schwesternstation aufgelöst. Zuvor waren die beiden über viele Jahre in Ottersheim tätigen Schwestern Vitalis und Hildegard verstorben. Die verbliebene Schwester Viatrix wurde der Schwesternstation Bellheim zugeordnet, wo sie nun den 80. Geburtstag feiern konnte. Die in diesem Jahr vorgesehene Verwirklichung des Naherholungsgebietes „Bärensee“ erwies sich als zu teuer und wurde danach in einem Rekultivierungsplan einer einfacheren Lösung zugeführt. Im Jahr 1990 wurde der Kindergarten gründlichst erneuert und teilweise umgebaut. Ebenso gab damals auf Initiative von Pfarrer Alex Fuhrmann den ersten Bruder-Konrad-Ritt, der seitdem jedes Jahr stattfindet. (fn)