Kreis Germersheim Eigene Autos in den Windkanal geschickt
KANDEL. „Ich könnte mir vorstellen einen technischen Beruf zu lernen“, sagt Chiara Schönlaub (8b) bei der Abschlussveranstaltung zum achtwöchigen Projekt „Design, Aerodynamik und Produktionstechnik“ an der Realschule Plus in Kandel. Im Zuge des Wahlpflichtfaches Technik und Naturwissenschaft (TuN) war das Thema als Pilotprojekt zusammen mit der Ausbildung des Daimler-Werkes in Wörth umgesetzt worden. „Ich bin glücklich, dass wir so eine Kooperation haben“, sagt Schulleiterin Cornelia Geiser.
Unter dem Dach von Genius, der „jungen Wissens Community“ – einer Bildungsinitiative von Daimler – werden konzernweit Bildungsaktivitäten für Kinder und Jugendliche gebündelt, um Begeisterung für Naturwissenschaft und Technik zu wecken, erklärt „Ausbildungsbotschafterin“ Ute Gabriel vom Daimlerwerk Wörth. Angesprochen werden vor allem Mädchen, die in den technischen Disziplinen noch immer unterrepräsentiert seien, sagt Gabriel. „So gehen die Mädchen sehr strukturiert an die Aufgaben heran und sind begeistert, wenn sie erleben, was Technik in der Praxis heißt. Dabei entdecken sie auch in diesem Bereich ihre Stärken.“ Das Genius-Programm gibt es in Baden-Württemberg seit fünf Jahren, seit 2015 auch in Rheinland-Pfalz. Von Anfang an hatte es in Karlsruhe am Helmholtz Gymnasium Lehrer Helmut Graf aus Wörth begleitet und viele Bausteine mitgestaltet. Inzwischen ist Graf in Pension und hatte sofort seine Unterstützung beim erstmaligen Praxisprojekt in Kandel zugesagt. Erst wurden über acht Wochen die theoretischen Grundlagen vermittelt, dann hat der zuständige Lehrer Peter Eck mit Schülern der 8. Klasse innerhalb von drei Stunden den Praxisteil durchgeführt. Unterrichtsbausteine und Material kamen von Genius. Nun wurde von vier Gruppen jeweils ein Styroporschneider selbst gebaut. Mit dessen Hilfe wurden drei kleine Automodelle in unterschiedlichen Designs sowie ein funktionstüchtiger Miniaturwindkanal hergestellt. Bei abschließenden Tests wurden die unterschiedlichen Strömungsverhältnisse in Abhängigkeit von der Fahrzeugform mithilfe von Trockeneis – bereitgestellt von der Firma Wisag in Hagenbach – bei minus 70 Grad sichtbar gemacht. Dabei erzeugte das Trockeneis Dampf, der mit einem Strohhalm in den Windkanal geblasen wurde und die Luftströmung um das Auto herum anzeigte „Das war ein spannendes Projekt, das mir viel Spaß bereitet hat und bei dem ich viel dazu gelernt habe“, sagt Chiara Schönlaub (8b). „Sehr beeindruckend“, findet Tabea Jäger (8c), der das Thema „Aerodynamik“ vorher unbekannt war, das Projekt. „Wir haben uns Autoformen angesehen, konnten selbst Autos zeichnen, unser eigenes Wunschauto entwerfen und Vor- und Nachteile kennenlernen – einfach interessant.“ Sie wird bald ein Praktikum bei der EnBW in Karlsruhe als Industriemechanikerin absolvieren, bei den Stadtwerken als Feinwerkmechanikerin und dann noch bei einem Hörakustiker reinschauen. Für Sebastian Knöll (8b) waren die Konstruktions- und Autoformen sowie der praktische Teil des Projektes sehr anschaulich. Ihn hat der Unterschied zwischen der Reihenfertigung mit einer Person und in einer Inselfertigung mit einer Gruppe fasziniert: „Es war sehr aufschlussreich, weil man die Vorteile des Gruppenverhaltens erkannte und aus der Theorie für die Praxis lernen konnte.“ Er absolviert demnächst bei Daimler ein zweiwöchiges Praktikum als Werkzeugmechaniker und ein einwöchiges als Industriedesigner beim KIT in Karlsruhe. Das Ziel, den Nachwuchs für die Berufsbilder Facharbeiter und Ingenieur zu begeistern, wurde offensichtlich erreicht. (jopa)