Kandel / Wörth
Eichenholz aus Bienwald für Dubai-Appartements
„Wir machen aus dem Stamm hochwertiges Furnier“, sagt Richard Weis von der Firma Mehling & Wiesmann – Sägewerk-Holzgroßhandlung-Furnierwerk. Er meint damit eine Eiche aus dem Bienwald, die das Unternehmen mit Sitz in Lohr/Main ersteigert hat. Der Baum ist ein wahres Prachtexemplar: Über zehn Meter ist er lang und hat einen Durchmesser von 86 Zentimetern.
Zwischen 230 und 250 Jahre schätzt Frank Müsel vom Forstamt Bienwald das Alter der Eiche ein. Sie stammt aus einem Bestand im Revier Scheibenhardt, nahe der französischen Grenze. „Jeder Baum hat eine natürliche Lebenserwartung und wir müssen den Bestand verjüngen, damit die kleineren Bäume eine Chance haben“, erklärt Müsel. Waldwirtschaft ist ein komplexes Thema, welcher Baum wann gefällt – oder geerntet wird, wie die Forstleute lieber sagen – ist eine Wissenschaft für sich. Klar ist: „Mehrere Generationen von Forstleuten waren mit der Aufzucht und Pflege des Baums beschäftigt.“
Müsel gibt einen Einblick in das Verkaufsprozedere. Aus mehreren Forstämtern werden die Baumstämme an Sammelplätzen gelagert. Die Bienwaldeiche lag zwischen Wörth und Kandel am Waldrand. Dort konnten Interessenten das Holz anschauen und über eine Internetplattform Gebote abgeben. So hohe Preise wie für die Eiche sind laut Müsel keine Seltenheit. „Das ist extrem hochwertiges Holz“, sagt er.
Genauso sieht das auch Richard Weis. Das traditionsreiche Furnierwerk sei noch eins von gerade einmal drei in ganz Deutschland, sagt er gegenüber der RHEINPFALZ. Das Unternehmen bezieht schon seit Jahren Qualitätsholz aus dem Pfälzerwald. Und was wird nun aus der Bienwald-Eiche? Das Holz wird für die Verkleidung von Konferenzräumen, im Schiffsausbau oder auch für Wohnungen in Dubai verwendet, nennt Weis einige Beispiele. Alles qualitativ sehr hochwertig, versteht sich.
Was wurde versteigert?
Die jährlich Versteigerung der Bäume, die offiziell Wertholzsubmission heißt, der Landesforsten Rheinland-Pfalz war am 27. Januar. Laut Meldung wurden aus acht Forstämtern 1305 Festmeter (fm) Eiche, 95 fm Schwarznuss, 21 fm Esskastanie, 18 fm Esche und zwei fm übriges Laubholz angeboten. Interessierte Käuferinnen und Käufer konnten die Stämme auf sechs Lagerplätzen anschauen und dann ihr Gebot abgeben. 28 Gebote aus den Bereichen Furnier, Fass- und Sägeholz wurden abgegeben. Die Gebotsabgabe passierte erstmals auf der digitalen Verkaufsplattform. Laut Landesforsten-Mitteilung erzielte das Eichenholz insgesamt 17 Prozent weniger Erlöse als im Vorjahr, wurde aber komplett verkauft.
