Kreis Germersheim Durchhalten für die eigene Zukunft

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Maximiliansau

. Der Umgang mit anderen Kulturen - das sei etwas, das man nicht lernen könne, sondern einfach erleben müsse, sind sich die Austauschschüler einig. Vor allem dem 17-jährigen Jannik Kuntz hat der Aufenthalt in Motta di Livenza, 60 Kilometer von Venedig entfernt, viel gebracht. Er machte ein Praktikum in einer Firma für Sicherheitstechnik und wurde dadurch in seinem Berufswunsch „Fachkraft für Lagerlogistik“ bestärkt. Er wisse jetzt genau, was er wolle und könne sich so auf dem Ausbildungsmarkt besser orientieren. Marina Schumb hingegen weiß nun, was sie nicht möchte. Ihr hat die Arbeit in der Pizzeria zwar gefallen, trotzdem möchte sie zukünftig lieber in anderen Bereichen tätig sein. „Eine Arbeit im Büro wäre schön“, sagt die 16-Jährige. Pizza und das italienische Essen im allgemeinen war für sie auch privat ein Thema: „Eigentlich haben wir den ganzen Tag Pizza gegessen“, sagen die jungen Italien-Praktikanten mit einem Augenzwinkern. Doch neben den kulinarischen Spezialitäten haben sie sich vor allem in die italienische Sprache verliebt. „Die Sprache hat mich fasziniert“, meint Jannik: „Kaum war ich wieder zu Hause, habe ich mich sofort für einen Italienischkurs angemeldet.“ Die meisten Kenntnisse wurden in den Sprachkursen, die bereits in Deutschland als auch in Italien als Vorbereitung statt fanden, erworben. „Ich musste immer bis 21.45 Uhr arbeiten. Da blieb abends nicht mehr viel Zeit zum Büffeln“, sagt Marlene Burret. Doch auch im Alltag, vor allem bei der Arbeit habe man natürlich viel von der Sprache und Kultur mitbekommen. Um noch mehr von Italien zu sehen als nur Arbeitsstelle und Unterkunft, unternahmen die Jugendlichen auch viele Ausflüge. So waren sie zum Beispiel im Badeort Caorle, eine kleine Stadt direkt an der Adriaküste gelegen, oder in Venedig. Zum Abschluss fuhr die Gruppe mit ihren Betreuern nach Florenz und Pisa. Eine Erfahrung, die niemand aus der Gruppe missen möchte. Die 22-jährige Marina Schumb gibt zu, dass sie immer noch unter Fernweh leide und zukünftig sogar ein BA-Studium im Bereich Logistik in Luxembourg anstrebe. Sarah Reidt, Joshua Schatz und Kilian Adolph sammelten ihre Erfahrungen in Dabas, einer ungarischen Stadt 45 Kilometer südlich von Budapest. Joshua und Sarah arbeiteten in einem Friseursalon und durften dort Modellierpuppen frisieren. Für die 18-Jährige hat sich das Praktikum im Friseursalon allemal gelohnt: Sie möchte Friseurin werden. Joshua ist da anderer Meinung: „Beruflich hat mich das nicht wirklich weiter gebracht, aber das Praktikum hat mich persönlich gestärkt. Ich war relativ schüchtern, habe das da drüben aber ganz schnell verlernt.“ Er habe jetzt klare Ziele und Vorstellungen, wie er seine Zukunft gestalten möchte. Mit dem Ungarisch hat es nicht ganz so geklappt wie erwartet, aber man habe sich mit Händen und Füßen trotzdem gut verstehen können, so der 17-jährige Kilian. Er arbeitete als Elektroniker, Informatiker und auf dem Bau. Der 19-jährige Joshua berichtete zudem, dass andere eine Woche vor der Rückreise bereits nach Hause gingen, weil ihnen die ungewohnte Umgebung zu viel wurde. „Wir hatten das Angebot, 11 Tage vor der endgültigen Abreise nach Deutschland zu gehen.“ „Aber wir wollten das bis zum Schluss durchziehen, immerhin ist Ungarn bei Nacht wirklich schön“, wirft Sarah ein. „Ich bin auf meine Teilnehmer sehr stolz“, sagt ihre Betreuerin. Die Ausflüge nach Budapest, an den Plattensee und zu einem Nationalgedenkpark gefielen den Dreien. Die Jugendlichen haben „drüben“, wie sie Ungarn immer nennen, viele neue Freunde gefunden. Zu einigen besteht Kontakt über soziale Netzwerke. „Durch den Austausch verlassen die jungen Erwachsenen ihre häusliche Komfortzone. Auf einmal sind sie in einem anderen Land und auf sich allein gestellt. Das sind Erfahrungen, die sie ihr Leben lang begleiten werden“, sagt Projektleiterin Kirsten Hönicke. Natürlich wissen die Jugendlichen, dass sie durch ihr Auslandspraktikum bessere Chancen bei zukünftigen Arbeitgebern haben werden. Am meisten schätzen sie jedoch die persönlichen Eindrücke. Auch wenn sie dabei oftmals an ihre Grenzen gekommen sind und jeder unterschiedliche Konsequenzen aus seinen Eindrücken zog, sind sich in einem alle einig: Sie würden jederzeit wieder ihre Koffer packen.

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