Kreis Germersheim Dritte Demo für zweite Brücke
Wörth: Gut 500 Menschen demonstrieren für den Bau einer zweiten Rheinbrücke zwischen Wörth und Karlsruhe. Dabei blockieren sie die alte und geben einen Vorgeschmack darauf, was kommen könnte, wenn ab 2018 ohne Ausweichmöglichkeit saniert wird.
Das „Riesenärgernis“ und der „unhaltbaren Zustand“ – sprich die täglichen Staus auf der Rheinbrücke zwischen der Pfalz und Karlsruhe – brachte Jürgen Roth aus Kandel am Sonntag zur Demo nach Maximiliansau. Nach Polizeiangaben machten sich etwa 500 Gleichgesinnte gegen 18 Uhr zu Fuß auf den Weg über die Rheinbrücke. Eine verkehrstüchtige Infrastruktur sei doch immerhin auch ein wirtschaftlicher Faktor, sagt Roth weiter und fragt sich, ob denn schon mal jemand nachgerechnet habe, wie teuer der sinnlose Spritverbrauch die Umwelt komme und wie viel Arbeitszeit verloren gehe, weil die Leute im Stau stehen? Mit etwa 2500 Teilnehmern hatte das Aktionsbündnis für eine zweite Rheinbrücke bei der Anmeldung der Demonstration gerechnet. Dass letztlich deutlich weniger kamen, war wohl dem Wetter geschuldet und wurde von Organisator Steffen Weiß mit Humor genommen: „Bei gutem Wetter kann jeder demonstrieren.“ Die bunt gemischte, sämtliche Generationen umfassende Demonstrantengruppe quittierte mit Jubel und Beifall. Gründe für die Demo zum jetzigen Zeitpunkt sind laut Weiß die Koalitionsverhandlungen nach den Landtagswahlen beiderseits des Rheins sowie das Beratungsverfahren für den Bundesverkehrswegeplan. Zudem benötige man wegen der Umsiedlung der 2006 gesichteten Purpur-Reiher einen gewissen Vorlauf. Selbst wenn in diesem Jahr noch das Planfeststellungsverfahren anlaufen würde, könnte frühestens in fünf Jahren mit der Umsetzung begonnen werden, so Weiß. Nach dem „Rheinbrückenlied“ von Joe Schorlé und der Freigabe durch die Ordnungskräfte zogen die Demonstranten auf die Brücke. „Mein Mann arbeitet in Karlsruhe und ist auf die Brücke angewiesen“, bekräftigte Stephanie Köhler die Forderung nach einer zweiten Rheinbrücke. Die anstehende Sanierung der Brücke werde wohl Staus und Chaos verursachen, so ihre Vermutung. „Die alternativen Verkehrswege über den Rhein bedeuten lange Umwege und verlagern das Problem nur“, so die Erfahrungen von Julia Frankfurter. Sie fährt bereits morgens um 6 Uhr Richtung Karlsruhe, aber selbst da kommt sie nicht immer ohne Staus oder Behinderungen zur Arbeit. Andere hatten eben auch schon die Idee, früher los zu fahren. Die Ungewissheit, wie lange die Fahrt dauern wird, macht den Pendlern das Leben schwer. Aber auch die Einwohner von Maximiliansau und Wörth bekommen die Auswirkungen zu spüren. Der den Staus ausweichende Verkehr verstopft die innerörtlichen Straßen und führt auch dort zu Behinderungen. „Wenn der Rhein nicht wäre, gäbe es schon längst mehrere Straßen“, ist Thomas Kistner überzeugt. Aber Brücken seien eben teurer und daher werde kein Bedarf gesehen. In seiner Ansprache forderte Steffen Weiß Informationen in Bezug auf die anstehende Brückensanierung in zwei Jahren: „Die Bürger wollen wissen, was auf sie zukommt.“ Während der geplanten Sanierung solle es an mindestens zwölf Wochenenden zu Vollsperrungen kommen. „Meine Frau arbeitet im Krankenhaus in Kandel. Da hat sie auch immer mal wieder Rufbereitschaft. Dann im Stau zu stehen oder lange Umwege in Kauf nehmen zu müssen ist ein Unding“, erzählt Siegfried Pfeifer aus der Karlsruher Nordweststadt. „Erst zu reagieren, wenn die Brücke den Geist aufgibt, ist zu spät. Dann geht gar nichts mehr“, ist sich Christian Sucietto sicher. Schon während der Sperrung anlässlich der Demo musste der Verkehr weiträumig über Germersheim oder die A 35 über Frankreich nach Iffezheim umgeleitet werden. Für die Betroffenen ein kleiner Vorgeschmack auf künftige Verhältnisse. Zumindest am Sonntag verliefen sowohl die Demo als auch der Verkehr auf den Umleitungsstrecken störungsfrei. (mele)