Wörth RHEINPFALZ Plus Artikel Direkt am Rhein soll ein Gesundheitszentrum entstehen

Rund 13.500 Quadratmeter ist das Areal groß, das die Stadt vom CJD kaufen will.
Rund 13.500 Quadratmeter ist das Areal groß, das die Stadt vom CJD kaufen will.

Maximiliansau soll ein Gesundheitszentrum bekommen. Dafür will die Stadt Wörth den CJD-Komplex in der Rheinstraße erwerben. Dort gibt es reichlich Platz. Nicht nur für Ärzte und Therapeuten.

„Da ist uns ein echter Coup gelungen, denn das Gelände ist von großer strategischer Bedeutung“, sagte Bürgermeister Dennis Nitsche (SPD), als er den Stadtrat über die Pläne der Stadt informierte, die Liegenschaften des CJD Maximiliansau zu kaufen. Nitsche lobte die Verwaltung, die in den vergangenen Monaten tolle Arbeit geleistet habe. Denn die Gespräche mit dem Christlichen Jugenddorfwerk Deutschland (CJD) laufen bereits seit geraumer Zeit. Annähernd 13.500 Quadratmeter groß ist das Gelände in der Nachbarschaft zum Hafen Maximiliansau. Insgesamt sieben Gebäude mit einer Nutzfläche von 12.000 Quadratmetern stehen zum Verkauf. Denn für das CJD ist das Areal inzwischen viel zu groß, einige Gebäude werden schon seit geraumer Zeit nicht mehr genutzt. Hintergrund ist, dass das Geschäftsmodell des CJD, das in den 1990er und Anfang der 2000er Jahre mehrere 100 Schüler dort täglich betreute, so nicht mehr funktioniert. Der Arbeitsmarkt hat sich stark verändert, ebenso die Arbeitsvermittlung.

Aber auch in Zukunft soll es dort Weiterbildungsangebote geben. Allerdings werden dafür deutlich weniger Räume benötigt. Rund 2300 Quadratmeter möchte das CJD von der Stadt, als dem neuen Besitzer, mieten. Ein erster „Ankermieter“ sei damit bereits vorhanden, so Nitsche. Und auch ein zweiter potenzieller Mieter hat bereits sein Interesse bekundet. Und das machte den Stadträten das Projekt besonders schmackhaft.

Der Arzt Aref Nabhan hat erst im Oktober zusammen mit zwei Kollegen am Rathausplatz in Wörth eine Facharztpraxis für Orthopädie eröffnet. Doch die dortigen Räume muss er schnellstmöglich verlassen, weil das Mietverhältnis gekündigt wird. Nabhan war extra in den Stadtrat gekommen, um für sein Vorhaben zu werben. Denn der Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie will auf das CJD-Gelände nicht nur seine Orthopädiepraxis verlegen. „Ich möchte ein medizinisches Gesundheitszentrum dort einrichten. Denn dafür suche ich schon länger nach Räumen“, sagte Nabhan.

Platz für weitere Ärzte

Der 41-Jährige, der 2008 an der Neurochirurgischen Universitätsklinik in Homburg promoviert hat, betreibt bereits seit 2020 ein solches Gesundheitszentrum mit 50 Angestellten im badischen Bühl. „Es gibt in Herxheim ein Gesundheitszentrum und eins in Karlsruhe, aber zwischendrin fehlt so etwas. Der Bedarf ist auf jeden Fall da“, sagte Nabhan. Neben Ärzten gebe es dort Physiotherapeuten, Ergotherapeuten und Reha-Trainer. „Es ist alles unter einem Dach. Nach einer OP muss man nicht lange nach Therapeuten oder Terminen suchen“, so Nabhan. Er könne sich auch vorstellen, dass sich nach der Eröffnung eines medizinischen Gesundheitszentrums weitere Ärzte oder eine Apotheke dort ansiedelten.

Doch auch dann stünde noch reichlich ungenutzter Platz zur Verfügung. Nitsche informierte, dass auch die Wohnbau Wörth und die Ökumenische Sozialstation Hagenbach-Kandel-Wörth Interesse an Räumen in dem in zentraler Lage zwischen Wörth und Maximiliansau gelegenen Standort geäußert hätten. Gleichwohl blieben dann noch große Fläche ungenutzt. „Es ist klar, dass wir zügig ein Nutzungskonzept erarbeiten müssten, sollten wir das Areal erwerben“, betonte Nitsche.

Steuernachzahlungen drohen

Aber zunächst muss der Kauf unter Dach und Fach gebracht werden. Und da kommt die 2000 gegründete Grundstücksverwaltungsgesellschaft (GVG), eine 100-prozentige Tochter der Stadt, ins Spiel. Die GVG Wörth GmbH soll das CJD-Gelände kaufen und anschließend vermieten oder verpachten. Der angespannte Haushalt der Stadt würde so nicht belastet. Der Bestand an liquiden Mitteln bei der GVG beträgt rund 9,75 Millionen Euro. Es gibt aber noch einen Knackpunkt. Die GVG war 2001 von wesentlichen Ertragssteuerpflichten befreit worden. Durch den Kauf und Wiederverkauf des ehemaligen Raffinerie-Geländes sind jedoch hohe Gewinne erzielt worden, die ohne Steuerbefreiung hätten versteuert werden müssen. Die Steuerbefreiung lautet auf „Wirtschaftsförderung“. Dies sei laut Nitsche auch die Tätigkeit gewesen, der die GVG von Anfang an nachgegangen sei, „obwohl der Gesellschaftszweck weiter gefasst ist“.

Mit Kauf und Vermietung des CJD-Geländes entfalle der Grund für die Steuerbefreiung, weshalb die Gewinne nachträglich versteuert werden müssten. Nitsche sprach von rund 4,8 Millionen Euro an Steuernachzahlung. Das verbleibende Eigenkapital von 5 Millionen Euro werde für den Kauf des CJD-Geländes nicht reichen. Die GVG müsse Kredite aufnehmen. Eine konkrete Kaufsumme nannte der Bürgermeister nicht. „Klar ist, dass die GVG Gewinne erwirtschaften muss“, sagte Nitsche. Durch die Erstvermietung an das CJD und Orthopädiepraxis sei vom ersten Tag an mit Rückflüssen in Höhe von rund 360.000 Euro pro Jahr zu rechnen.

Große Zustimmung im Stadtrat

Bei den Stadträten stießen die Pläne fast einhellig auf Zustimmung, lediglich Martin Frech (CDU) und Annette Heilmann (SPD) enthielten sich der Stimme. Das Geld werde gut investiert, meinte Jürgen Weber (CDU). Er sprach von einem Schlüsselgrundstück und der großen Chance, es weiterzuentwickeln. „Wie wichtig es ist, das Thema Gesundheit aktiv anzugehen, sieht man beim Blick auf die täglichen Schlangen in den Arztpraxen“, meinte Weber. Auch Mario Daum (SPD) hob das große Entwicklungspotenzial des Geländes hervor. „Wir stecken den Rahmen für ein Gesamtkonzept ab, wir müssen festlegen, was wir dort wollen“, sagte Daum. Im südlichen Teil des Geländes könne er sich durchaus Werkstätten für Handwerker vorstellen. Das Grundstück eigne sich als Gesundheitsstandort, sagte Steffen Weiß (FWG). Es sei aber auch wichtig, das CJD dort als Mieter zu halten. „Die GVG wird sich ändern. Es ist das perfekte Projekte, um die GVG weiterzuentwickeln“, betonte Weiß. Auch die Grünen seien mit dem Vorhaben einverstanden, sagte Ursula Radwan. „Wir haben gesehen, will toll sich das Gesundheitszentrum auf dem Dorschberg entwickelt hat, möglicherweise sehen wir in Maximiliansau dasselbe. Die Lage ist auf jeden Fall günstig“, so Radwan.

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