Neuburg RHEINPFALZ Plus Artikel Digitalisierung bis in die letzte Hütte

Nicht überall im Land ist das Mobilfunknetz gut ausgebaut.
Nicht überall im Land ist das Mobilfunknetz gut ausgebaut.

Wer sich die Grillhütte am Ortsrand von Neuburg so anschaut, der denkt nicht automatisch an Digitalisierung. Aber gerade deshalb sei der Ort ideal für eine Diskussionsrunde zu dem Thema, meinte der rheinland-pfälzische Arbeits- und Digitalisierungsminister Alexander Schweitzer (SPD) am Donnerstagabend. „Digitalisierung ist überall wichtig, auch in einer Grillhütte, auch im Pfälzerwald.“

Er setze sich deshalb für den Breitbandausbau beziehungsweise eine zukunftsfähige Internetversorgung im ganzen Land ein. Zu der Diskussionsrunde, an der auch Michael Englert, Firmengründer von ITK Engineering in Rülzheim und Vorstandsvorsitzender des Technologie-Netzwerks Südpfalz, und Alexander Ott, Schulleiter der Berufsbildenden Schule Germersheim-Wörth, teilnahmen, hatte die Landtagsabgeordnete Katrin Rehak-Nitsche (SPD) eingeladen, in deren Wahlkreis Neuburg liegt. Rund 30 Interessierte waren gekommen, darunter etliche Kommunalpolitiker und Verwaltungsmitarbeiter, aber auch „normale“ Bürger. Entsprechend breit gefächert war die Themenpalette, die angesprochen wurde. Sie reichte vom Breitbandausbau über das 5G-Handynetz, das Online-Zugangsgesetz, das derzeit die Verwaltungen über Gebühr beschäftigt, bis hin zum Fachkräftemangel.

„Die Digitalisierung betrifft alle in der Wertschöpfungskette“, sagte Michael Englert. Also auch Berufszweige, bei denen man es zunächst nicht vermutet, dass die IT in ihrem Alltag eine Rolle spielt. Man brauche deshalb dringend eine vernünftige Infrastruktur, vor allem flächendeckend 5G. Heute komme kein Gerät mehr auf den Markt, das nicht connected sei. Vom Herd über Waschmaschine, Kühlschrank bis hin zur Kaffeemaschine – alle elektronische Geräte sind heute vernetzt. Eine riesige Datenmenge ist so ständig unterwegs.

Lange Genehmigungsverfahren stören

In Neuburg habe der Gemeinderat vor über zwei Jahren dem Bau eines Funkmastes zugestimmt, passiert sei aber noch nichts. „Warum dauert das Genehmigungsverfahren so lange?“, wollte ein Zuhörer von Schweitzer wissen. „Das ist ein typisch deutsches Problem, auch bei der Digitalisierung ist das ein analoger Vorgang“, sagte Schweitzer. Er habe dafür gesorgt, dass solche Genehmigungsverfahren künftig online abgewickelt werden könnten. Alle Verfahrensschritte müssten zwar eingehalten werden, aber Akten müssten nicht mehr von einer Behörde zur nächsten transportiert werden. Ein häufiges Problem seien Bürgerinitiativen, die sich gegen Funkmasten wehrten. Das sei wie bei der Windkraft, jeder sei für die Energiewende, aber keiner wolle die Windräder in seiner Nachbarschaft. Er wünsche sich in solchen Fällen, dass sich auch die schweigende Mehrheit mal zu Wort melde.

Breiten Raum in der Diskussion nahm das Online-Zugangsgesetz (OZG) ein. Das OZG verpflichtet alle Behörden, ihre Verwaltungsleistungen bis Ende 2022 auch elektronisch anzubieten. Hierfür müssen 575 Verwaltungsleistungen auf Bundes-, Länder- und kommunaler Ebene digitalisiert und zugleich eine IT-Infrastruktur geschaffen werden, die den Zugriff auf die Verwaltungsleistungen mit nur wenigen Klicks ermöglicht. „Ganz klar, bis zum Jahresende ist das nicht zu schaffen“, sagte Schweitzer, nachdem von mehreren Teilnehmern die Umsetzbarkeit angezweifelt wurde. „Uns fehlt das Personal, wir suchen händeringend IT-Fachleute“, sagte etwa Hans-Peter Geiger, Beigeordneter der VG Bad Bergzabern und dort zuständig für Umsetzung des OZG.

IT-Fachleute händeringend gesucht

IT-Experten sind gefragt. Mit den Gehältern, die die Unternehmen zahlen, können Verwaltungen nicht mithalten. Man müsse da andere Anreize schaffen, schlug Schweitzer vor: Vereinbarkeit von Familie und Beruf, flexible Arbeitszeiten, Homeoffice oder kurze Anfahrtswege. „Aber vor allem müssen wir junge Leute ausbilden“, sagte Englert. Er warb für den Studiengang Digital Engeneering, den die Hochschule Kaiserslautern ab dem Wintersemester 2022/23 in Germersheim anbietet. Initiiert wurde er vom Technologie-Netzwerk Südpfalz. „Das ist eine Riesenchance für unsere Region“, meinte Englert.

Auch an der BBS Germersheim/Wörth wurde in den vergangenen Jahren kräftig in die digitale Zukunft investiert. Schulleiter Alexander Ott erinnerte an die Smart Factory am Standort Wörth, ein Technologienetzwerk in Kooperation mit zwei elsässischen Schulen. Die Schüler lernen so die digitalisierte Arbeitswelt kennen. Nicht jeder IT-Fachmann müsse studiert haben, sagte Ott

Die Diskussionsteilnehmer (von links): Alexander Ott, Katrin Rehak-Nitsche, Alexander Schweitzer und Michael Englert.
Die Diskussionsteilnehmer (von links): Alexander Ott, Katrin Rehak-Nitsche, Alexander Schweitzer und Michael Englert.
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