Kandel
Digital oder mit Karte: So wird das Parken künftig geregelt
Wer sein Auto künftig in der Kandeler Innenstadt abstellen möchte, der muss unter Umständen nicht nur die Parkscheibe auslegen, sondern auch ein Parkticket lösen. Zumindest auf dem Marktplatz und den angrenzenden Parkflächen, aber auch auf dem Parkplatz der Sparkasse. Mit einem einstimmigen Beschluss bekräftigte der Stadtrat am Donnerstagabend die Absicht, den Parkraum in der Innenstadt künftig zu bewirtschaften.
Nachdem die RHEINPFALZ Anfang August berichtet hatte, dass das Parken künftig Geld kosten wird, habe es sehr viele Rückfragen und Anregungen gegeben, so Stadtbürgermeister Michael Gaudier (CDU). Tagelang sei das Büro im Rathaus besucht worden, vor allem von Anliegern der betroffenen Flächen. Manches sei auch falsch verstanden worden. So vor allem die Zahlungsmöglichkeiten an den beiden Parkscheinautomaten, die für rund 10.000 Euro, so Beigeordneter Jürgen Bauer, angeschafft werden sollen.
Gebühr gilt nur für die App
Betreut werden diese von der Firma Easy Park. Je ein Automat wird am Marktplatz und an der Sparkasse aufgestellt. Parkscheine können hier mit allen üblichen Kartensystemen (Kreditkarten, Bankkarten, EC-Karten) gelöst werden. Außerdem, und das sei nur als zusätzliches Angebot zu verstehen, mit einer App des Anbieters, die sich jeder kostenfrei auf sein Smartphone laden könne. Die App biete den Vorteil, dass man die Parkzeit verlängern könne, wenn abzusehen sei, dass man länger als geplant unterwegs sei.
Die App sei keinesfalls, wie viele Kritiker befürchteten, erforderlich. Und niemand müsse ein Handy besitzen oder mitbringen. Diejenigen aber, die sich der modernen Technik bedienen möchten, können deren Vorteile nutzen. Allerdings nicht ganz umsonst. Denn für sie, und nur für sie, fällt eine Servicegebühr an. Sie beträgt 15 Prozent, mindestens aber 0,55 Euro und wird zusammen mit der Parkgebühr vom Konto abgebucht. Wer also mit der App zahlen möchte, ein Ticket für eine halbe Stunde zum Preis von 0,50 Euro löst, dem werden 1,05 Euro abgebucht. Vorteilhaft könne für App-Nutzer die monatliche Servicegebühr in Höhe von derzeit 2,99 Euro sein. Diese gilt für alle Abbuchungen.
Automat nimmt keine Münzen
Wer mit Karte bezahlt muss nur den Betrag begleichen, für den er ein Ticket gelöst hat. Auf diese Unterscheidung hat Jean-Pierre Braxxeler von der Firma Arrive, zu der auch EasyPark gehört, hingewiesen. Nur das Zusatzangebot durch die App werde mit weiteren Kosten belegt, nicht die Kartenzahlung, beruhigt Braxxeler in einem Telefongespräch mit der RHEINPFALZ. Parkscheinautomaten mit Münzen gehörten jedoch der Vergangenheit an. Sie kosten zu viel, seien zu unsicher und müssten immer wieder kontrolliert werden, so die Argumente.
An den beiden Parkscheinautomaten gibt es eine Brötchentaste (kostenfreies Parken für 15 Minuten), die halbe Stunde kostet 50 Cent und ein Tagesticket (ab drei Stunden) ist für drei Euro zu bekommen. Außerdem wird ein Monatsticket für 30 Euro angeboten – auf beiden Parkplätzen, aber nur für jeweils 25 Stellplätze. Niemandem werde ein bestimmter Parkplatz zugewiesen.
Nicht nur die Parkgebühren für Marktplatz und Parkplatz bei der Sparkasse wurden jetzt beschlossen. Die Verwaltung überprüfte auch die Auswirkungen der Parkraumbewirtschaftung auf die umliegenden Straßen. Da man damit rechnen müsse, dass Autofahrer sich Ausweichparkplätze suchen, sollen in mehreren Straßen die Parkzeiten begrenzt werden. Parkflächen sind teilweise bereits eingezeichnet oder sollen noch markiert werden. Bisher noch nicht regulierte Parkflächen in der Goethe-, Schiller-, Scheffel- und Uhlandstraße werden künftig als Parkflächen ausgewiesen und das gesamte Gebiet einschließlich der Zeppelinstraße zur Halteverbotszone zusammengefasst. Zu befürchten sei hier ein Wegfall von 30 Parkplätzen. Bisher konnten in diesem Bereich rund 140 Fahrzeuge parken.
Problembereich bei Asklepios-Klinik
Mit der Parkraumbewirtschaftung verfolgt Kandel das Ziel, künftig verstärkt mit umweltfreundlichen Verkehrsmitteln anzureisen, vor allem mit Bus und Bahn. Auch sollen private Parkflächen stärker genutzt werden, die Autos in die eigenen Höfe und Garagen geparkt werden. Immer wieder wurde auch auf die Tatsache hingewiesen, dass auf dem Marktplatz etwa 40 Autos dauerhaft abgestellt werden. Ein Problembereich ist zudem die Umgebung der Asklepios-Klinik, die im Augenblick erweitert wird. Hier mussten schon mehrere Autos abgeschleppt werden, weil sie Hofeinfahrten zustellten. Das Klinikgelände wird durch die Firma Park & Control bewirtschaftet. Wer hier parkt, muss die Parkscheibe auslegen und kann bis zu drei Stunden gratis parken.
Künftig will man das gesamte Gelände um die Klinik herum zu einer Parkraumbewirtschaftungszone ausweisen und eine Parkscheibenregelung einführen. Danach kann von Montag bis Freitag von 8 bis 18 Uhr höchstens drei Stunden lang geparkt werden, mit Parkscheibe. Dieselben Zeiten gelten auf und rund um den Marktplatz oder bei der Sparkasse. Nur braucht man hier eben ein Parkticket aus dem Automaten.