STEINWEILER
Diesmal keine Weihnachtsbäume aus Gemeindewald
Wer wollte, der durfte seinen Weihnachtsbaum auch selbst fällen. In der Begleitung von Ehepartnern und Kindern war dies stets eine bemerkenswerte Aktion für die ganze Familie. Je nach Wetterlage musste man sich aber auch ausrüsten, und der Baum war auch mit einem Fuhrwerk sicher nach Hause zu bringen.
Dass es im Steinweilerer Gemeindewald gewissermaßen eine „Christbaumabteilung“ gab, kam übrigens nicht von ungefähr, wie Ortsbürgermeister Michael Detzel berichtet. Zur Verkehrssicherung an der Autobahn mussten im „Alteghäg“ nämlich schon 2005 Bäume gefällt werden. Es handelte sich um hochwachsende Eichen und Buchen, die nahe an der Autobahn, eine Gefährdung für die Verkehrsteilnehmer darstellten. An ihrer Stelle wurden, auf Anraten des damaligen Revierleiters Hartmut Frohnweiler, Tannen gesetzt. Vor allem Blaufichten, Douglasien und die beliebten Nordmanntannen. Und ab 2010 begann der Verkauf der Weihnachtsbäume.
Glühwein nach getaner Arbeit
Die Nachfrage übertraf alle Erwartungen. So wurden in den Jahren 2013, 2014 und 2015 jeweils mehrere Hundert Bäume gefällt, vor allem Nordmanntannen. Das „Event“ im Wald von Steinweiler musste gut gesteuert werden, die Wege waren auszuschildern und schon lange vor dem Starttermin gab es viele Anfragen beim Ortsbürgermeister. So kam auch ein Mann aus Bayern, der unbedingt einen Weihnachtsbaum aus seiner Heimatgemeinde in seiner Wohnstube stehen haben wollte. Viele Kunden erwarteten sogar Glühwein oder heiße Würstchen nach getaner Arbeit.
Zuvor aber wurde das schönste Stück akribisch ausgesucht; manche suchten stundenlang, so Detzel, der sich auch an „artistische Szenen“ beim Einnetzen durch die Landjugend erinnerte. Nicht selten wurde der Baum mit vereinten Kräften durch das zu bersten drohende Einnetzgerät gedrückt. Unterstützt wurde die Sache stets durch die Landjugend, aber auch die Gemeindearbeiter Harald Kehr und Frank Gräbner halfen fleißig mit, ebenso die Beigeordneten Manfred Lieber, Matthias Ditscher und das Ratsmitglied Markus Marz.
Ziel war immer schwarze Null
Trotz allem wurde der Weihnachtsbaumverkauf nicht zum „lukrativen Geschäft“ für die Gemeinde, sagt Detzel. Ziel sei immer eine „schwarze Null oder darüber“ gewesen, um die Unterhaltungskosten zu decken. Letztes Jahr gab es „nur noch“ Blautannen. Nordmanntannen waren vergriffen. Detzel hatte schon vorher mitteilen lassen, dass man „nicht mit den allerhöchsten Erwartungen“ ins „Altgehäg“ kommen sollte.
Nun, dieses Jahr, ist bekanntlich vieles anders, vieles, was man lange gewöhnt war, muss ausfallen. So auch das Abenteuer „Weihnachtsbaum“ im Gemeindewald von Steinweiler. Doch ausnahmsweise hängt dies nicht mit der Corona-Pandemie zusammen, die ansonsten für fast alle Einschränkungen ursächlich ist. Dies bestätigt uns auch Revierleiter Bernd Müller vom Forstamt in Kandel, der den Gemeindewald Steinweiler seit vielen Jahren betreut. Auf der Fläche von etwa einem halben Hektar nahe der A 65 stehen zwar noch viele Tannen, doch diese sind schon viel zu groß für die Verwendung im Wohnzimmer. Gefragt sind hier Bäume zwischen 1,50 und zwei Metern. Und in den letzten Jahren seien viele auch dazu übergegangen, einfach die Spitzen abzusägen, den restlichen Stamm aber stehen zu lassen, was sich auch nicht als so prickelnd erwies, wie Müller sagt.
Vor Jahren schon wurden sehr viele Tannen nachgepflanzt. Diese sind Müller zufolge aber nicht so schnell gewachsen, wie man gehofft hatte. Die trockenen Sommer seien nicht gerade „Wachstumsbeschleuniger für die Bäume“ gewesen, verdeutlicht Detzel. So müsse man sich noch etwas in Geduld üben, vielleicht werde es in zwei Jahren wieder etwas mit der Christbaum-Aktion.