Kreis Germersheim Die Trinktemperatur muss stimmen
KANDEL/WUTÖSCHINGEN: Kandeler Gerd Arnold entwickelt aus Liebe zum Wein ein Weinthermometer zum Aufkleben. Moselwinzer nutzen bereits die Erfindung des Pfälzers, mit der der Wein in genau der richtigen Trinktemperatur ins Glas kommen soll.
Was einen richtigen Pfälzer ausmacht, ist nicht zuletzt seine unverbrüchliche Liebe zur Heimat und zum Wein. Gerd Arnold, vor 35 Jahren für seinen Beruf in die baden-württembergische Gemeinde Wutöschingen, Landkreis Waldshut, acht Kilometer von der Schweizer Grenze entfernt, „ausgewandert“, hat aus gutem Grund immer noch ein Feriendomizil in Kandel, wo er ursprünglich herstammt. Er kommt auch mit 71 Jahren noch regelmäßig her, unter anderem wegen der Kartoffeln und des Pfälzer Weins. Und den kann er jetzt stets wohltemperiert genießen: Er hat ein exaktes Weinthermometer zum Aufkleben erfunden – seine Temperaturmessfolie Vinotherm hält ein europaweites Patent. „Ich bin zwar schon lange Exil-Pfälzer, aber meine Wurzeln sind hier und mein Herz schlägt immer noch in Kandel“, stellt der pensionierte Maschinenbautechniker und Messtechnikexperte klar. Sein eigenes Unternehmen, vor ein paar Jahren an zwei leitende Angestellte übergeben, hatte viele Kunden am Hochrhein und in der Schweiz. So kam es dazu, dass er wegzog. Geblieben ist sein Faible für ein heimisches Erzeugnis: „Wein ist mein Hobby, ich bin neugierig auf Neues in Sachen Wein, habe schon viele Urlaube in Weingegenden in Italien, Frankreich und Spanien verbracht und dort auch weintechnisch wie kulinarisch einiges entdeckt. Doch immer wieder hat mich sowohl im Inland als auch im Ausland gestört, dass der Wein, ob auf dem Weingut oder im Lokal mit der falschen Trinktemperatur serviert wird.“ „Der Rotwein zu kalt, der Weißwein zu warm, das kann so nicht bleiben“, dachte sich der rührige Kandeler, der nach einem Sommer „Probe-Ruhestand“ im Wohnwagen auf dem Campingplatz in Lauterbourg die Hände noch nicht in den Schoß legen wollte. „Beruflich komme ich aus der Messtechnik, deshalb lag es nahe, eine Temperaturmessfolie zu entwickeln. Ich habe über fünf, sechs Jahre getüftelt für das Prinzip: Winzige Flüssigkristalle verändern ihre Farbe, denn jeder Temperatur ist ein eigenes Kristall zugeordnet. Wenn eine Temperatur grün angezeigt wird, ist das die aktuelle Temperatur in der Flasche: ein Messsystem, das für alle Getränke von Sekt bis zu schwerem Rotwein passt.“ Die selbstklebende Temperaturfolie namens Vinotherm – ein schmaler, flacher Streifen mit zehn Temperaturbereichen von 6 bis 24 Grad Celsius – kann vom Winzer oder der Genossenschaft beim Etikettieren gleich mit aufgeklebt werden. Man kann sie aber auch mit einem Handgriff selbst zu Hause auf die Flasche kleben. Und selbstverständlich zeigt sie auch die Temperatur von anderen Getränken als Wein an. „Der gestanzte und im Spezialdruck hergestellte Vinotherm-Streifen ist zu je 3000 Stück auf einer Rolle aufgerollt und kann einfach in der Etikettierstraße für die Flaschen mitlaufen. Über unseren Webshop können aber auch Privatpersonen Kleinmengen ab 25 Stück für den Hausgebrauch oder zum Verschenken kaufen.“ Die Winzergenossenschaft Moselland hat bereits eine Einstiegsserie auf 20.000 ihrer Flaschen laufen lassen, „ohne jegliche Probleme“, wie Gerd Arnold betont. „Wichtig war mir, dass Vinotherm ein Pfennigartikel wird, der sich leicht aufkleben und genauso leicht wie das Etikett wieder entfernen lässt.“ Um Vinotherm zu vermarkten, macht sich der Erfinder, der von seinem Sohn Philipp, einem Physiker, tatkräftig unterstützt wird, keinerlei Druck: „Ich möchte Vinotherm in Ruhe und mit Freude anbieten. Die Nachfrage 2016 war schon sehr hoch, und die Absatzkurve wird Jahr für Jahr nach oben gehen, davon bin ich überzeugt.“ Er setzt auf seine Website mit Webshop, den sein Sohn betreut, besucht große Weinmessen, Weinproben und Weingüter und ist selbst sein bester Botschafter. „Bis in etwa fünf Jahren werden wir damit Gewinn erwirtschaften.“ Doch weil ein Tüftler immer ein Tüftler bleibt, arbeitet Gerd Arnold neben dem Weinthermometer schon an neuen Projekten: „Sich drucklos mit spannenden Fragen beschäftigen zu können, das ist wunderbar. Jeden Tag könnte ich etwas erfinden, doch verzetteln will ich mich nicht.“ Herzensprojekte sind seine beiden Restaurants, eines mit Schwarzwalds höchstgelegener Weinstube am Schluchsee, wo regelmäßig Weinproben stattfinden und ein anderes in seinem Zweitheimatort Wutöschingen, wo er Mitsing-Abende veranstaltet und dazu Gitarre spielt. Seiner Passion fürs Singen aus reiner Lebensfreude ist auch seine neueste Erfindung geschuldet: ein praktisches Notenpult für Dirigenten und Chorleiter mit eingebautem Klavier; einen Prototyp gibt es bereits. INFO www.vinotherm.de