Rülzheim
Die Liebe verbindet sie schon länger als die 60- jährige Ehe
„Wir haben es nie bereut, nach Deutschland ausgewandert zu sein.“ Das beteuern Hacer und Basri Sen (beide 78), die am Montag in Rülzheim ihre diamantene Hochzeit feiern.
Beide Jubilare sind in der Türkei geboren. Basri ist das dritte von zehn Kindern, vier Mädchen und sechs Jungen. Mit seiner ersten Ehefrau, von der er sich hat scheiden lassen, hatte Basris Vater ein Kind, mit der zweiten neun. Seine Eltern waren Landwirte in einem kleinen Dorf. Nach Abschluss der fünfjährigen Schulzeit half er seinen Eltern bei deren Landwirtschaft mit. Sein Bruder war in den 1960er Jahren als Gastarbeiter nach Deutschland gekommen und hat bei Mercedes-Benz in Wörth gearbeitet. In den folgenden Jahren versuchte er immer wieder, seinen Bruder Basri zu überreden, auch nach Deutschland zu kommen. Doch erst im Jahr 1969, mit 25 Jahren, konnte sich dieser dazu durchringen, seinem Bruder zu folgen. Er zog ebenfalls nach Jockgrim, wo er bei einer Hoch- und Tiefbau-Firma als Baggerfahrer arbeitete, die in ganz Deutschland Strommaste erstellte. „Wenn wir an einem Strommast vorbeifahren, sagt er oft, den habe er auch gebaut“, sagt sein Sohn Sercan beim Besuch der RHEINPFALZ. Nach der Wende arbeitete Basri für diese Firma zehn Jahre lang im Osten Deutschlands. 2006 folgte er mit seiner Familie, die ihm ein Jahr nach seinem Umzug nach Deutschland hierher gefolgt war, seinem Sohn Cerkan nach Rülzheim. Dorthin hatte dieser sein mit Stefan Jantzer geführtes Autohaus von Rheinzabern verlegt. Seitdem wohnt die Familie im Hubenweg 19.
Seit 63 Jahren zusammen
Hacer Sen ist das dritte von vier Kindern, drei Mädchen und ein Junge. Sie stammt aus demselben Dorf wie ihr Ehemann Basri, wurde im gleichen Jahr wie er geboren und ging auch mit ihm zusammen in die gleiche Schule. Sie kennen sich also schon seit ihrer Kindheit. Auch ihre Eltern waren Landwirte, denen sie nach Abschluss der fünfjährigen Schulzeit half. „Wir sind zusammen aufgewachsen, unsere Liebe hat sich im Laufe der Jahre halt so entwickelt“, sagt Basri. Seit die beiden 15 Jahre alt waren, sind sie zusammen. Am 5. Dezember 1962 wurde geheiratet. In den folgenden Jahren bekamen sie sechs Kinder. Die beiden ältesten Söhne, 1963 und 1968 geboren, kamen noch in der Türkei zur Welt, die anderen in Deutschland: 1972, 1974 und 1975 drei Mädchen und 1971 ein weiterer Junge.
Gearbeitet hat Hacer in Deutschland nicht. „Mit sechs Kindern hatte sie genug zu tun“, so Basri. Während er gesundheitlich noch topfit ist, hat seine Frau Probleme mit der Wirbelsäule, weshalb sie auch kaum noch aus dem Haus kommt. Ihren Haushalt versorgt sie aber immer noch selbst. Ehemann Basri hält sich mit Gartenarbeit fit und hilft seinem Sohn auch in dessen Autohaus.
Kaum noch Heimweh
Die türkische Kultur wird auch heute noch in der Familie Sen sehr hochgehalten. Große Familienfeste, um die sich Hacer gerne kümmert, gehören beispielsweise dazu. Während die Kinder zweisprachig aufgewachsen sind, Ehemann Basri auch gut deutsch spricht, hat Hacer hier etwas Probleme. Sie versteht zwar alles, aber sprechen kann sie die deutsche Sprache nicht so gut. Heimweh in die alte Heimat verspüren beide kaum noch. Allerdings haben sie immer noch regen Kontakt zu den in der Türkei lebenden Verwandten, die sie regelmäßig, oft für mehrere Monate, besuchen.
Beide sind immer noch türkische Staatsbürger. Basri meinte jedoch vor einigen Monaten, dass er eigentlich auch die deutsche Staatsbürgerschaft beantragen könnte, so lange wie er schon hier lebt – immerhin 52 Jahre. Beide hätten nie den Wunsch gehabt, in die Türkei zurückzukehren, betonen sie. Wenngleich Hacer zugibt, dass ihr die Entscheidung, ihrem Mann nach Deutschland zu folgen, anfangs recht schwergefallen ist.
Ihr Ehejubiläum wird am kommenden Wochenende in der Ende vergangenen Jahres eröffneten Skylounge von Sohn Sercan mit 80 Gästen groß gefeiert.