Kreis Germersheim Die ersten doppelten Kandler
Gestern wurde gefeiert. Die Bürgerbewegung „Wir sind Kandel“ wollte mit dem Familienfest am 1. Mai Bürger ansprechen, die nicht unbedingt auf eine Demonstration gehen wollen. Bei dieser Gelegenheit wurde auch zum ersten Mal der „doppelte Kandler“ vorgestellt: Ein aus Holz geschnittener Scherenschnitt als Doppelgänger von Kandeler Bürgern, soll bunt angemalt in Kandel aufgestellt werden. Damit sollen sich die Kandler so zu sagen verdoppeln und Präsenz zeigen.
An der Organisation des Familienfestes an der Grillhütte mit beteiligt war Janice Rößler. Die Kandlerin möchte aktiv daran beteiligt sein, dafür zu sorgen, „dass in Kandel keine Nazis mehr rumlaufen“. Am Morgen des Festes sieht sie dem Tag entspannt entgegen, macht sich nur ein wenig Sorgen um das Wetter. Die Sonne will noch nicht so recht raus kommen und zu früher Stunde sind noch nicht all zu viele Besucher eingetroffen. Jutta Wegmann ist mit im Boot des Teams, das bevorstehende Informationsveranstaltungen plant. Unter anderem sollen Informationen über „rechte Strippenzieher“ geteilt werden. Das Bündnis ist mittlerweile mutiger geworden, die Angst, dass Veranstaltungen gestört werden, nicht mehr so groß. Ambesajr Desbele aus Eritrea, der jetzt in Steinweiler lebt, kam schon morgens zum Fest um zu helfen. Er ist sich sicher, dass Gott sich an diesem Tag ganz bestimmt unter den Festbesuchern aufhält. Der erste Punkt auf dem Programm ist ein kleiner Friedengottesdienst mit Pfarrerin Mirjam Dembeck und Pfarrer Thomas Jäger. Pfarrer Jäger unterstreicht, dass Menschen wie eine Familie sind und sich gegenseitig helfen sollten. Und damit auch alle Menschen beim Familienfest gut versorgt sind, werden die Kuchen, gebacken von den Landfrauen oder gesponsert von Zille Bäck, schon gekühlt. Grillgemüse, Bratwurst und die Pommes brutzeln schon. Kinder dürfen sich am Ausmalen versuchen, Schleuderbälle können gebastelt werden und das Dosenwerfen wird schon aufgebaut. Auch Norbert Tervooren ist dabei und findet es wichtig, dass nicht nur Gegendemonstrationen veranstaltet werden, sondern dass „Wir sind Kandel“ auch eigene Events organisiert. Das Ziel ist für ihn, die Demonstranten aus dem rechten Spektrum – die es seit dem Mord an einer 15-jährigen immer wieder in die Stadt zieht – zu vertreiben, denn „die Kandler Bürger wollen sich nicht von selbst ernannten Pseudo-Politikern missbrauchen lassen, die Kandel als Bühne für ihr Retro-Gedankengut benutzen.“ Die nächste Demo mit Kundgebung ist am Samstag, 5. Mai, am Saubrunnen.