Wörth RHEINPFALZ Plus Artikel Der Zustand des Wörther Hallenbades ist „niederschmetternd“

Horizontalbänder an der Außenfassade des Wörther Hallenbades hängen deutlich sichtbar durch.
Horizontalbänder an der Außenfassade des Wörther Hallenbades hängen deutlich sichtbar durch.

Schon seit längerer Zeit gibt es Pläne, das in die Jahre gekommene Hallenbad mittelfristig zu schließen und durch einen Neubau am Badepark zu ersetzen. Womit wohl niemand gerechnet hat: Der Zustand des Gebäudes ist derart marode, dass die Türen womöglich gar nicht mehr geöffnet werden können.

Die Frage, wie die Bäderlandschaft in Wörth in Zukunft aussehen soll, ist keine neue. Bereits Ende 2016 wurde beschlossen, ein Kombibad am Badepark zu konzipieren. Damit wären die Tage des Standortes Hallenbad gezählt. Die Entscheidung darüber, ob dieser Plan umgesetzt wird oder nicht, soll noch in diesem Jahr fallen. Eine gewichtige Rolle spielen dabei natürlich die Kosten. Kann und will sich die mittlerweile klamme Stadt Wörth einen Neubau überhaupt leisten? Soll nicht doch das Hallenbad modernisiert und damit attraktiver gemacht werden?

Um das auf einer möglichst fundierten Basis klären zu können, müssen beide Varianten mit einem halbwegs belastbaren Geldbetrag versehen werden. Das Kombibad ist bereits mit einem solchen Preisschild versehen, Bürgermeister Dennis Nitsche (SPD) schätzte im März dieses Jahres, dass es „in Richtung 25 Millionen Euro“ geht. Jedenfalls liegen zwei Architektenentwürfe vor, die derzeit auf Kosten und Wirtschaftlichkeit geprüft werden. Voraussichtlich im September wird man dann wissen, ob die genannte Summe realistisch ist.

Gutachten fördert gravierende Schäden zutage

Wie viel Geld eine umfassende Modernisierung des Hallenbades verschlingen würde, das war bislang eher vage. Nitsche sprach von „Investitionen in Millionenhöhe“, einen genauen Betrag gab es nicht. Ein Gutachten zum Zustand des Gebäudes und seiner Ausstattung sollte mehr Klarheit bringen. Nitsche fasst dessen Ergebnis kurz und knapp zusammen: „Es ist niederschmetternd.“ Während es bislang um die mittelfristige Perspektive des Standortes ging, so steht nun die Frage im Raum, ob dort überhaupt noch einmal geschwommen und sauniert werden kann. Die Mängelliste ist jedenfalls lang.

Am deutlichsten sichtbar sind die Schäden im Außenbereich, wo die Fassade abplatzt. Weil dort mit herabfallenden Betonteilen gerechnet werden muss, wurden bereits Bauzäune aufgestellt, um einzelne Bereiche unzugänglich zu machen. Auch die Horizontalbänder an der Gebäudehülle bereiten Sorgen, denn sie hängen durch. Bestenfalls können diese ersatzlos entfernt werden. Sollte sich jedoch herausstellen, dass die Bauteile eine tragende Funktion haben, wäre eine Instandsetzung nötig.

Von außen nicht erkennbar ist der Schaden am Flachdach über dem Saunabereich, das an mindestens einer Stelle undicht ist. Das Dämmmaterial ist dadurch mit Wasser vollgesogen und wesentlich schwerer geworden. Geklärt werden muss noch, ob die Dachkonstruktion diese höhere Last tragen kann. Auch die Schwimmhalle ist nicht frei von gravierenden Mängeln. So sind die Ketten, an denen die Lichtbänder über dem Becken befestigt sind, rostig. Zur Verstärkung wurden dort Angelschnüre benutzt, die wohl kaum als Bauteile zulässig sind. Spätestens im Brandfall, möglicherweise auch schon durch das Chlor, dem sie dauerhaft ausgesetzt sind, reißen die dünnen Kunststoffseile.

Kein Bereich im Gebäude ist ohne Mangel

Weitere große Probleme gibt es bei den elektronischen Anlagen, dort vor allem in Sachen Brandschutz: Ein entsprechendes aktuelles Gutachten liegt nicht vor, eine Brandmeldeanlage ist nicht vorhanden, die Notbeleuchtung funktioniert teilweise nicht, Pläne zu Fluchtwegen stimmen nicht mit der Beschilderung vor Ort überein. Unter dem Strich gibt es laut der Untersuchung keinen Bereich im Hallenbad, der hinsichtlich der Elektrotechnik ohne Mangel ist.

All diese Schäden, die in vielen Fällen sofort behoben werden müssen, summieren zu einer siebenstelligen Summe. Im Werk- und Bäderausschuss sprach der Erste Beigeordnete Rolf Hammel (SPD) von einer „Sofortinvestition von zirka 1,2 Millionen Euro, um im September aufmachen zu können“. Unabhängig von den Kosten ist zudem nicht klar, ob die Arbeiten bis dahin überhaupt machbar sind. Hammel sagt in Bezug auf eine Öffnung des Hallenbades eindeutig: „Ich würde es nicht unterschreiben.“ Wie es jetzt weitergehen soll, wird in einer gemeinsamen Sondersitzung von Stadtrat und Werk- und Bäderausschuss am 29. Juni besprochen.

Es ist nicht ausgeschlossen, dass im Wörther Hallenbad überhaupt nicht mehr geschwommen werden kann.
Es ist nicht ausgeschlossen, dass im Wörther Hallenbad überhaupt nicht mehr geschwommen werden kann.
Das Flachdach über dem Saunabereich ist undicht.
Das Flachdach über dem Saunabereich ist undicht.
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