Kreis Germersheim Der olympische Gedanke

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Wer sich ein wenig für Sport interessiert, kommt am Thema „Olympia“ in diesen Tagen nicht vorbei. Sport fasziniert, der olympische besonders. Die Welt, jedenfalls deren sportbegeisterter Teil, schaut nach Brasilien. Leider auch um das leidige Thema „Doping“ weiterzuverfolgen. Die meisten Fans werden das olympische Geschehen im Radio, Fernsehen, Zeitung oder Internet verfolgen. Und einige ganz Glückliche sind sogar live dabei – im Stadion und an der Strecke.

Die Faszination „Olympia live“ erlebte ein Germersheimer Ehepaar vor 32 Jahren bei den Olympischen Spielen 1984 in Los Angeles. Neben dem Schwerpunkt Leichtathletik konnte man gleich zu Beginn Michael Groß gewinnen sehen und machte sich im weiteren Verlauf auf, um einen Germersheimer Spitzensportler fern der Heimat, mit Klatschen und Anfeuerungsrufen zu unterstützen. Georg Agrikola vom Ruderverein Rhenania startete mit Andreas Schmelz im Ruderwettbewerb im Doppelzweier. Agrikola war erfolgreicher Ruderer, hatte national und international mehrfach gute bis sehr gute Platzierungen erzielt. Zusammen mit Partner Schmelz galt er als aussichtsreicher Kandidaten für eine Medaille. So machten sich die Germersheimer zu früher Morgenstunde von L. A. auf zum Austragungsort. Die Regattastrecke befand sich auf dem Lake Casitas. Heiß war es und sonnig und die Zuschauer gut gelaunt. Aber alle Unterstützung, alles Daumendrücken half nicht zum Medaillengewinn: Schmelz und Agrikola ruderten im Olympiafinale auf Platz Vier. Eine gute Leistung, die wohl aber so nicht empfunden wurde. Jedenfalls nahm sich Agrikola vom Regattasport eine Auszeit. Er kehrte 1988 zurück, gewann den deutschen Meistertitel im Doppelzweier, war Mitglied der Crew, die den Meistertitel im Doppelvierer gewann. Bei den Olympischen Spielen in Seoul 1988 belegte der deutsche Doppelvierer Platz Sechs. In den folgenden Jahren belegte Agrikola mehrfach im Einer zweite Plätze hinter Christian Händle und beendete Anfang der 1990er-Jahre seine Kariere. Dass sein vierter Platz auf dem Lake Casitas von manchem „Fan“ nicht gebührend gewürdigt wurde, registrierte unter anderem sein Vater kritisch: „Zählen denn hier nur noch die Ersten?“ – eine berechtigte Frage. Der Name Agrikola war zumindest in Kreisen der Rudersportfreunde gut bekannt. Christel Agrikola, die Schwester von Georg, ruderte ebenfalls für den RV Rhenania Germersheim. Sie nahm 1976 an den olympischen Spielen in Montreal teil, wo erstmals Frauen-Rudern im Programm stand. Wie im Heimatbrief der Stadt Germersheim, 16. Ausgabe vom November 1976 zu lesen ist, wurde Christel Agrikola bei einem Empfang von Bürgermeister Jantzer und Vereinsvertretern geehrt und „als erste Olympiateilnehmerin in der Geschichte der Stadt Germersheim“ gewürdigt. Stichwort „Lake Casitas“ Lake Casitas, der Regatta-Austragungsort, ist ein Stausee im Los Padres National Forest im Ventura County, etwa 85 Kilometer nordwestlich von Los Angeles. Der Bus braucht für die Fahrt etwa 5 Stunden, Preis: 193 Dollar. Die Zug-Reisezeit betrug ebenfalls knapp fünf Stunden, Preis 78 Dollar.

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