WÖRTH RHEINPFALZ Plus Artikel Der letzte Bäckermeister im Ort

Bäckermeister Rolf Beyerle.
Bäckermeister Rolf Beyerle.

Bäcker Rolf Beyerle backt auch im Alter von 70 Jahren noch täglich rund 250 Brötchen, am Wochenende gerne mehr. Dazu beliefert er Familien im Stadtgebiet und bringt sogar die RHEINPFALZ mit. Und ab und zu macht selbst er mal Pause.

„Alles frisch aus Meisterhand – in der Bäckerei Beyerle in Wörth“ heißt es auf deren Homepage im Internet – gestellt von Partner Firmen.TV. Der Chef persönlich, der im November 70 Jahre alt wurde, sorgt für frische Backwaren. Bereits in der vierten Generation führt Rolf Beyerle die traditionelle Bäckerei, die vor über 140 Jahren gegründet wurde.

Ende 1879 hatte der Schwiegervater von Theodor Beyerle, Jacob Pfirrmann den Betrieb ins Gewerberegister der damaligen Gemeinde Wörth eintragen lassen. Später übergab er ihn seinem Schwiegersohn. Heute wird er von dessen Urenkel Rolf Beyerle in der vierten Generation seit 1987 geführt. „Nach der Schulzeit lernte ich bei meinem Vater Erich das Bäckerhandwerk“, erinnert sich Beyerle im Gespräch mit der RHEINPFALZ. „Danach arbeitete ich neun Monate in Kniebis bei Freudenstadt, ehe ich 1970 zurück musste, da der Elternbetrieb größere Kundenaufträge wie die Belieferung der Grund- und Hauptschule an Land zog.“ Nach der Bundeswehrzeit (1972 bis 1973) war er wieder mit Vater und Mutter Irma im Betrieb tätig. „1978 legte ich die Meisterprüfung ab, 1987 übernahm ich den elterlichen Betrieb und meine Eltern waren bei mir bis zu ihrem Tod angestellt“, erzählt Beyerle.

Arbeitstag beginnt um 2 Uhr

Unter der Woche backt er täglich rund 250, samstags 300 Brötchen. Dabei verkauft er auch Sesam-, Korn-, Mohn- oder Laugenbrötchen. Dazu kommen jeden Tag verschiedene Brote. „Mein Arbeitstag beginnt um 2 Uhr. Zuerst wird der Ofen angeschmissen. Dann wird der Teig zubereitet, der 15 bis 20 Minuten in den Ofen kommt. Danach wird die Lieferfahrt vorbereitet.“

Etwa 30 Familien in Wörth beliefert der Bäckermeister morgens zwischen 4.30 Uhr und 5.30 Uhr – teilweise täglich – mit Brötchentüten, die vor den Haustüren abgelegt werden. Dann legt er auch die RHEINPFALZ , die im Kasten steckt, dazu. „Um sechs Uhr muss ich wieder zurück sein, da dann das Geschäft geöffnet wird.“ Am Wochenende backt er auch Kuchen, sonst nur auf Bestellung. „Dafür muss ich bereits um 23.30 Uhr aufstehen.“ Bekannt in Wörth ist Beyerles Spezialität, der gefüllte Hefekranz.

Sonst Verpflegung bei Festen

Er sorgt auch immer noch für die Verpflegung bei allen Veranstaltungen der Handballabteilung des TV Wörth, für die er viele Jahre als Spieler, Trainer und Jugendleiter zur Verfügung stand. Auch bei Festen der Wörther Vereine liefert er häufig Backwaren. „Aber da ist im Moment ja auch wegen der Corona-Krise Sendepause. Zudem fallen größere Geburtstagsfeiern und das Zusammensein nach Beerdigungen aus, was die Bilanzen beeinträchtigt“, bedauert er die momentane Situation.

Von 12.30 Uhr bis 15.30 Uhr hält Beyerle seine Mittagsruhe ein. „Da wird auch mal ein Nickerchen gemacht“, grinst er verschmitzt. Danach duftet es bis 18.30 Uhr aus der geöffneten Ladentür wieder nach Gebackenem. Montags und mittwochs hat er nachmittags geschlossen, um eigene Besorgungen zu erledigen. Samstags hilft ihm seine Schwester Edda im Geschäft.

Junge Leute gehen in den Supermarkt

„Immer mehr machen sich die Großmärkte bemerkbar, die überall Bäckereien betreiben. Wenn die Leute einkaufen gehen, nehmen sie auch in diesen ihren Bedarf mit. Das macht uns traditionellen Bäckereien zu schaffen. Zudem werden meine Stammkunden immer älter und die jungen Leute bedienen sich in diesen Märkten“, stellt der Bäckermeister etwas resignierend fest. „Trotzdem möchte ich – solange es einigermaßen geht – mein Geschäft noch weiterführen.

Gerne möchte er sich auch noch seinem großen Hobby, dem Chorgesang beim GV Männerchor widmen, wo er seit einigen Jahren im zweiten Tenor singt. Angefangen hat er 1966 – gleich nach der Schule im ersten Bass. Zudem engagiert er sich als Blutspender, wo er bisher auf etwa 165 Abnahmen kommt, wie er erzählt.

Die Bäckerei Beyerle ist die älteste in Wörth und schon lange Zeit auch die einzige. Daneben gibt es noch zwei Filialen auf dem Dorschberg aus Kandel beziehungsweise im alten Ortsteil aus Schaidt. Letztere hat nur vormittags geöffnet.

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