Kandel RHEINPFALZ Plus Artikel Der Griff zum Flügelhorn: Hans Bauer begeistert sich auch mit 87 noch für Musik

Hans Bauer mit seinem Piston. Die übrigen Blasinstrumente iliegen n den Übungsräumen.
Hans Bauer mit seinem Piston. Die übrigen Blasinstrumente iliegen n den Übungsräumen.

Hans Bauer aus Kandel, mit Minfelder Wurzeln, kann ihn nicht lassen – den Griff zu den Instrumenten. Auch mit 87 Jahren ist er noch aktiv.

Aktiver Musiker, Dirigent mehrerer Kapellen, langjähriges Vorstandsmitglied in seinem Heimatverein, und nicht zuletzt Ausbilder in der Kreismusikschule. Gewissermaßen ein Leben für die Blasmusik, die ihn noch immer nicht losgelassen hat. Denn auch im hohen Alter von 87 Jahren besucht er noch regelmäßig die Musikstunden und spielt in zwei Kapellen aktiv mit. Hans Bauer aus Kandel, mit Minfelder Wurzeln und bekannt weit über die Grenzen der Südpfalz hinaus, kann ihn noch immer nicht lassen – den Griff zum Flügelhorn, seinem Instrument, das er heute neben der Trompete noch leidenschaftlich gerne spielt.

Angefangen hatte alles eigentlich im Jahre 1953, als man in seinem Heimatdorf Minfeld gerade dabei war, den Musikverein „Harmonie“ wieder zum Leben zu erwecken. Und Vater Paul Bauer, der selbst die Tuba spielte, ermunterte seinen Sohn, sich doch vom damaligen Dirigenten Eugen Dietenbeck ausbilden zu lassen. Ein Jahr erlernte er das Spielen mit dem S-Horn. Beide waren dabei, als der Musikverein im Gasthaus „Zum Lamm“, das die Großeltern geführt hatten, wieder gegründet wurde. Schon früh hatte er in der Minfelder Volksschule bei seinem Lehrer Erwin Huthmacher Einblick und ein gewisses Verständnis für das Notenlesen bekommen. Und Hans musste als einer der Jüngeren damals auch den Posten des Vereinsdieners übernehmen. Damit verbunden war auch das Einsammeln des Mitgliedsbeitrages bei allen, die den Musikverein wieder unterstützen wollten: 50 Pfennige pro Monat waren hierfür fällig, eingesammelt im Direktinkasso, und zwar monatlich.

Das sollte sich später ändern, aber Hans Bauer zeichnete sich jahrelang im Verein für die Kassengeschäfte verantwortlich, wie er sich heute noch erinnert. Zur Ausbildung als Linierer bei der Firma Just & Söhne fuhr er regelmäßig nach Kandel, und bald fand er den Weg als aktiver Musiker in die Stadtkapelle, die in den 1950er Jahren aus der Banat-Kapelle entstand. Schon 1959 wirkte er dort mit, gilt heute als wohl dienstältestes Mitglied des Klangkörpers, dessen Geschäftsführer er zudem über viele Jahre hinweg war.

Musiker umrahmten Hochzeit musikalisch

Doch die Verbindungen zum Minfelder Musikverein „Harmonie“ pflegte er weiter, war dort immer wieder auch Dirigent der aktiven Kapelle, bildete Musiker aus und leitete jahrelang die Jugendkapelle des Vereins. Heute erinnert er sich an viele schöne Begegnungen, an Konzerte und Musikfeste, die auch sein eigenes Leben bereicherten. Und er erinnert sich an seine Hochzeit mit seiner Frau Gerda und den Besuch der Musiker aus Minfeld, die die kirchliche Trauung vor nunmehr 65 Jahren musikalisch umrahmt hatten. Auf den Musiker und Dirigenten wurde schon bald auch der Musikverein „Freundschaft“ in Kapsweyer aufmerksam. Genauer gesagt, ein Arbeitskollege fragte leise an, lud ihn zu einer Probestunde in die Nachbarschaft ein. Von da an gab es eine 25-jährige harmonische Zusammenarbeit und als Belohnung nicht nur die „Dirigentenehrennadel in Gold“ und den Ehrenbecher der Gemeinde Kapsweyer.

Schon um die Jahrtausendwende wurde Hans Bauer auch mit der Ehrennadel des Landes Rheinland-Pfalz ausgezeichnet, die ihm die frühere Landrätin Theresia Riedmaier überreichte. Für seine (damals schon) 40-jährige Tätigkeit als Musiker und die Ausdauer als Dirigent, nicht nur in Kapsweyer und in Minfeld. Denn auch in Kandel leitete Bauer etwa 20 Jahre lang die Stadtjugendkapelle. Das war schon vor mehr als 30 Jahren, und bis heute hat er sich seine Liebe zur Blasmusik bewahrt. Und unter den vielen Auszeichnungen (einige sollen sogar noch nachgeholt werden, weil man sie schlicht vergessen hat), ist auch die seltene Ehrennadel der Kandeler Bi-Ka-Ge, deren Prunksitzungen Hans Bauer mit seiner „Heuboden-Bigband“ jahrelang begleitet hatte.

Unterlagen sichten für das „Harmonie“-Jubiläum

Zuhause in der Kandeler Saarstraße hat er eigentlich nur das Piston, auch Kornett genannt, mit dem konischen Messingrohr und den drei Pumpventilen. Die übrigen Instrumente werden im Übungsraum aufbewahrt, in den Hans Bauer jede Woche fährt. Im Moment ist Hans Bauer gerade dabei, Unterlagen zu sichten für das große Jubiläum seines Heimatvereins „Harmonie“ in Minfeld, der vor 100 Jahren gegründet worden war. Viele Bilder fallen ihm dabei in die Hände, und Erinnerungen werden wach, auch an Musikerkameraden, die längst verstorben sind. Und musikalische Erinnerungen werden seit Jahren immer wieder geweckt, wenn die Bienwald-Oldies, eine Formation mit rund zwölf Vollblut-Blasmusikern, aufspielen. Sei es bei den Kandeler Märkten oder am Schwanenweiher, aber auch bei vielen anderen Gelegenheiten. Evergreens sind da zu hören, die nicht wenige dahinschmelzen lassen. Das freut die Musikanten, die vom Beifall ihrer Zuhörer leben und ihre Kameradschaft schätzen.

Hans Bauer wird jedenfalls noch einmal zum Taktstock greifen. Wenn der Minfelder Musikverein im November sein Jubiläumskonzert gibt, soll er eine Ouvertüre dirigieren, wie zu hören ist.

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