Rheinzabern RHEINPFALZ Plus Artikel Der Dubbebecher ist ein Renner

Die schwestern Martina Schnorr (li.) und Andrea Weigel in der Töpferei, in der noch einige Aufträge abzuarbeiten sind.
Die schwestern Martina Schnorr (li.) und Andrea Weigel in der Töpferei, in der noch einige Aufträge abzuarbeiten sind.

Auf den ersten Blick deutet in der Werkstatt der Töpferei Schnorr nichts darauf hin, dass der dazugehörende Laden im Dezember schließen wird. Derzeit gibt es viele Überstunden.

Andrea Weigel, Keramikmeisterin- und Gestalterin, sitzt an der Drehscheibe und formt aus Ton einen hohen Keramikbecher, ihre Schwester, die Keramikerin Martina Schnorr, bemalt an einem großen Werktisch Schalen und Becher mit Schnorr-typischen Ornamenten. Auf Rollwagen und Regalen stehen Unmengen an Rohlingen bereit, um in den eigenen Brennöfen zu langlebigem Geschirr und Dekorationen gebrannt zu werden. Beim genauen Hinsehen sind die Töpferwaren, die schon so gut wie fertig sind, alle mit kleinen Zetteln versehen, auf denen die Namen der Kunden stehen, die Gartenstecker oder ganze Geschirrsets kurz vor Torschluss bestellt haben.

„Seit im Frühjahr bekannt wurde, dass wir unsere Töpferei im Dezember schließen werden, wurden wir mit Bestellungen beinahe überschüttet“ erzählt Andrea Weigel und zeigt auf den Ordner, der dick mit Bestellzetteln gefüllt ist. „So wie es aussieht, haben wir damit noch bis Ende März zu tun, um alles abzuarbeiten“, ergänzt Martina Schnorr. Um die Weihnachtsbestellungen alle erfüllen zu können, müssen die beiden sogar Überstunden einlegen.

Mit Sonderziegel gestartet

Beide Kunsthandwerkerinnen arbeiten seit 44 Jahren in dem Familienunternehmen, das ihr Vater Marin Schnorr im Jahr 1969 als Einmannbetrieb gegründet hat. Er startete mit dem Herstellen von Sonderziegelformen, also speziellen Ziegeln, wie solche mit Entlüftungsrohren, für alle gängigen Ziegelformen auf dem Markt. Sein Erfindergeist und seine Ideen ließen den Betrieb ständig wachsen. Seine beiden Töchter fanden Gefallen am Werkstoff Ton und erlernten beide das Töpferhandwerk. Als Andrea 1978 20 Jahre alt war, wurde die Töpferei, ergänzend zur Ziegelproduktion, ebenfalls in Hatzenbühl gegründet. Die Waren wurden direkt vor Ort über ein eigenes Ladengeschäft verkauft. 1985 zog das Unternehmen nach Rheinzabern in die Industriestraße um, 1993 wurde der Betrieb in die Neupotzer Straße, das Gelände wurde davor von der Firma erworben, verlegt. Firmengründer Marin Schnorr hatte bereits 1989 die Geschäfte an seinen Schwiegersohn Berthold Weigel und an seine beiden Töchter Andrea Weigel und Martina Schnorr, sie ist Jahrgang 1963, übertragen.

Marin Schnorr und seine Töchter waren schon immer an der Geschichte der römischen Terra-Sigillata interessiert, die vor rund 2000 Jahren in großem Stil in Rheinzabern produziert wurde. Die Tonexperten forschten und tüftelten solange, bis es gelang, die besondere römische Keramik endlich wieder, nahezu täuschend echt, herstellen zu können, was zu einem wichtigen Geschäftszweig der Töpferei wurde. „Wir arbeiteten dabei eng mit Archäologen und Wissenschaftlern des historischen Museums in Speyer und mit dem hiesigen Terra-Sigillata-Museum zusammen.“ Die Schwester engagieren sich dazu aktiv im Museumsverein.

„Ein typischer Schnorr-Stil“

Zweiter Schwerpunkt in der Töpferwerkstatt war die „moderne Keramik“, bei der wir oft auf die Wünsche unserer Kunden eingegangen sind und auf Bestellung arbeiteten“, so Andrea Weigel. Und Martina ergänzt: „Es war schon ein tolles Gefühl, dass wir nach den Anfangsjahren genau wussten, was unsere Kunden wollen und jede Bestellung wie gewünscht umsetzen konnten.“ Es entstand der typische „Schnorr-Stil, und manchmal mussten wir sogar zaubern, um Wünsche erfüllen zu können“. Dabei legten die Schwestern extrem Wert auf eine hohe Qualität und auf Nachhaltigkeit, die über den ganzen Erdball verteilt Freunde fand. Ein richtiger Renner wurde in den letzten Jahren ihr „Dubbebecher“, von dem die Gemeinde Dörrenbach jetzt noch einmal 50 Stück für ihren Weihnachtsmarkt auf Vorrat geordert hat.

„Unser Laden zog gerade in den Sommermonaten viel Lauf-Kundschaft an, die mit dem Fahrrad in Leimersheim von der Rheinfähre kam und einen am Laden vorbeiführenden Radwanderweg entlangfuhr“, erinnert sich Schnorr. Mit hörbarer Wehmut in der Stimme, weil im Dezember eine Ära zu Ende gehe, wie die Kunden immer wieder betonen. Andrea Weigel dazu und zu den Gründen fürs Aufhören: „Mein Mann und ich haben jetzt das Rentenalter erreicht, es ist Zeit, aufzuhören, irgendwann ist es einfach gut.“ Ihr mache die Arbeit immer noch Spaß, sie falle ihr nach wie vor leicht, deshalb habe die Energiekrise letztendlich den Ausschlag gegeben, die schon länger gehegten Pläne jetzt umzusetzen.

Es fehlen Mitarbeiter

Die fünf Jahre jüngere Martina Schnorr hört ebenfalls in der Töpferei auf, wechselt in den Ziegeleibetrieb, arbeitet und leitet ihn. Es sei kaum noch möglich, neue Mitarbeiter zubekommen, deshalb sattle sie um. Zum Glück werde sie jedoch ab dem nächsten Frühjahr von einer neuen Mitarbeiterin, die als Geschäftsführerin mit einsteigt, unterstützt. „Es ist für uns schon ein komisches Gefühl, wenn wir bei immer mehr Werkstücken denken, dass es wohl das letzte Mal ist, dass wir diese Form drehen, bemalen und brennen, die Regale des Ladengeschäfts immer leerer werden, bald der letzte Kunde kommt und geht.“

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