Kreis Germersheim RHEINPFALZ Plus Artikel Der Deich hält

Noch schnell ein Foto für das Familienalbum. Das Durchgangsverbot interessiert die Menschen nicht.
Noch schnell ein Foto für das Familienalbum. Das Durchgangsverbot interessiert die Menschen nicht.

Hunderte Schaulustige aus der näheren und weiteren Region kommen seit Freitag an den Rheinhauptdeich, um sich das Hochwasserspektakel anzusehen. Beim Übersteigen der Absperrungen und Betreten des Dammes bringen sie nicht nur sich, sondern auch andere in Gefahr. Die Verwaltungen schauen hilflos zu.

Eltern stehen da mit ihrem zwei- bis dreijährigen Kind und ziehen diesem die nasse Kleidung aus. Auch die Haare scheinen nass zu sein – ob vom Regen oder vom Wasser des Rheins ist nicht bekannt. Wahrscheinlich hat die vierköpfige Familie kurz zuvor einen Ausflug über den Hochwasserdeich unternommen und das Kind ist ausgerutscht und vermutlich ins Hochwasser gefallen. Das war Montag Nachmittag. Seit Freitag wird der Deich im Bereich Unkenfunk von Hunderten Schaulustigen heimgesucht, um das Hochwasserspektakel zu sehen. Alle laufen auf dem Deich entlang.

Dabei weisen Landrat Fritz Brechtel (CDU) als oberster Katastrophenschützer und Kreisfeuerwehrinspekteur Mike Schönlaub darauf hin, dass jeder Schritt auf den Deichkronen ein „Tritt gegen die Festigkeit der Anlage“ ist. „Es wird dringend darum gebeten, während des Hochwassers die Hochwassergebiete weiträumig zu meiden und vor allen Dingen keine Deichanlagen zu betreten. “ Dies zeigt, dass die Gefahrenlage hoch ist. Der Rheinpegel bei Maxau soll bis Freitag wieder ansteigen.

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Sickerwasser tritt aus

In Leimersheim hält der Sommerdeich das Wasser von der Gaststätte „Rheinschänke“ fern. „Dort haben wir abgesperrt, so dass Autos bis zum Parkplatz fahren können“, sagt Bürgermeister Matthias Schardt. Der Deich hält. An nur wenigen Stellen trete klares Sickerwasser ohne Sediment aus, was kein Problem darstelle. Aus Vorsicht seien von der Feuerwehr am Sonntag zwei Paletten Sandsäcke gefüllt worden.

Das Austreten von klarem Sickerwasser ist laut dem Hinweis für Wasserwehren des Landes für einen Deich kein Problem, da „jeder Deich im Hochwasserfall mehr oder minder durchsickert wird“. Die Menge des Sickerwassers gebe Fachleuten Hinweise auf den inneren Aufbau eines Dammbauwerks, und die Austrittsstelle lasse Rückschlüsse auf die Lage der Sickerlinie und somit auf die Standsicherheit zu. Trete allerdings trübes Sickerwasser aus, sei das ein Hinweis darauf, dass Bodenmaterial ausgewaschen werde, was „zumindest als gefährlich einzustufen sei“.

Dass Menschen sich das Rheinhochwasser anschauen, ist für Schardt natürlich. Deshalb gebe es ja die Möglichkeit mit dem Parkplatz bei der Rheinschänke. Doch seien am Wochenende Spaziergänger auf den Sommerdeich gestiegen und schauten zu, wie „ihre Kinder versuchten, Treibholz aus dem Rhein zu angeln“. Für Schardt „unverantwortlich“ und „sehr gefährlich“. Deshalb sei der Deich nun mit einem Bauzaun abgesperrt worden.

Eindeutige Schilder

„Furchtbar. Ganz viel“, sagt der Wörther Bürgermeister Dennis Nitsche (SPD) auf die Fragen nach dem Hochwassertourismus: „Aber ich kann es menschlich verstehen.“ Schöne wäre allerdings, wenn sich die Menschen an die Beschilderungen halten würden. Die seien ja eindeutig. Dennoch würden sich immer wieder Menschen in gefährliche Bereiche begeben. Mitarbeiter des Ordnungsamts seien vor Ort und würden bei Verstößen Ermahnungen aussprechen, Bußgelder wurden noch keine verhängt. Bei den meisten reiche dies auch, so Nitsche.

Ein Haftungsproblem für die Kommune gebe es nicht, so lange die Beschilderung stimme. „Da greift die Eigenverantwortung der Bürger“, sagt Nitsche. Man könne schließlich auch nicht den Hochwasserbereich rund um die Uhr bewachen, zumal sich vieles im offenen Gelände abspiele.

Autos mit Kennzeichen aus Ludwigshafen und Karlsruhe sind auch an den Hochwasser-Hotspots in der Verbandsgemeinde Hagenbach aufgetaucht. Allerdings schauen auch Bürger der betroffenen Anliegergemeinden, wo das Hochwasser steht, so Verbandsbürgermeister Reinhard Scherrer (SPD): „Und das ist auch in Ordnung.“ Problematisch sei es aber, wenn Leute auf der überfluteten Straße von Neuburg nach Berg laufen. Dort treiben sie die Rehe, die flüchten wollen, wieder ins Wasser zurück. „Und dann kommen noch Beschwerden, wenn sie ein ertrunkenes Tier sehen“, ärgert sich Scherrer. Auch könne die Gefahr durch starke Strömungen kaum überschätzt werden. Ein Kind sei schnell von den Beinen gerissen. Wenn es dann in eine Walze treibe, die über einer Vertiefung im Boden steht, sei es unter Umständen nicht mehr zu retten. Hagenbach werde jetzt neue Schilder anschaffen, auf denen ausdrücklich darauf hingewiesen wird, dass die Durchfahrt beziehungsweise der Durchgang auch für Radfahrer beziehungsweise Fußgänger verboten ist.

Die Dämme sind von alledem aber unberührt. Im Bereich Wörth gibt es noch nicht einmal harmlose Sickerstellen, so die Auskunft der Feuerwehr: „Die Dämme sind gut gepflegt!“ Ebenso im Bereich Germersheim, bestätigt der Germersheimer Wehrleiter Andreas Magin. Es gibt „keine Problemstellen“.

Keine Handhabe

Mehrmals seien Mitarbeiter der Stadt am Wochenende in Germersheim entlang des Hauptdeichs unterwegs gewesen. Auch seien Schaulustige, die sich trotz Schild und Absperrung auf der Rheinseite des Deichs befanden, auf die „Gefährlichkeit ihres Tuns angesprochen“ worden, sagt Bürgermeister Marcus Schaile (CDU). Es seien Menschen mit Gummistiefeln in fast 20 Zentimeter tiefem Wasser gestanden. Die Stadt könne nur wegen falschen Parkens Ordnungswidrigkeiten ausstellen, „mehr nicht. Es fehlt uns die gesetzliche Grundlage“, sagt Schaile. Die Rheindeichsatzung des Landes sehe keine Strafen für das Betreten des Deichs vor. Wenn der Kreis den Katastrophenschutz ausrufe, sehe dies anders aus. Der Kreis selbst weist darauf hin, dass das Betreten des aufgeweichten Deichs diesen beschädigen und dieser so instabil werden könne. „Im schlimmsten Fall kann der Deich brechen“, heißt es seitens des Kreises. Die Gefahrenabwehr obliege den örtlichen Ordnungsbehörden und der Polizei.

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Ein Spaziergänger mit Hund ist auf dem vom Regen durchweichten Deich bei Germersheim unterwegs. Autos haben am Fuß des Dammes ihre Spuren hinterlassen.
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