Wörth RHEINPFALZ Plus Artikel Der Countdown im Impfzentrum läuft

Bleibt auch im Stand-by-Betrieb erhalten: Das Lager des Impfzentrums.
Bleibt auch im Stand-by-Betrieb erhalten: Das Lager des Impfzentrums.

Nach neun Monaten schließt das Impfzentrum Wörth zum Monatsende und geht in den Stand-by-Betrieb. Zeit für eine Bilanz und einen Ausblick darauf, was vielleicht noch kommt.

Noch bis 30. September um Punkt 12 Uhr werden Menschen im Impfzentrum im Hafengebiet gegen eine Infektion mit dem Coronavirus geimpft. Egal, ob sie schon einen Termin haben, oder sich spontan für den Piks entscheiden. Danach schließen sich die Türen. Anders als bei den meisten Impfzentren im Land aber noch nicht endgültig: Die Halle in Wörth gehört zu den Einrichtungen im Land, die in einen Dornröschen-Schlaf sinken, den sogenannten Stand-by-Betrieb. Dieser wiederum soll am 31. Dezember 2021 enden, dann wird auch das Impfzentrum in Wörth komplett geschlossen.

Das ist zumindest derzeit der Plan. Doch wie schnell sich Pläne und Vorgaben ändern können, haben alle Verantwortlichen in den vergangenen Monaten immer wieder erlebt. So zum Beispiel am 15. März, als äußerst kurzfristig die Vorgaben für die Impfung mit Astrazeneca verändert wurden. „Wir mussten immer schnell reagieren. Ärzte und Verwaltungsleute haben einiges abbekommen“, sagt Impfkoordinator Deubig. Doch er hadert nicht, aus dem Katastrophenschutz weiß er: Es geht um „Leben in der Lage“, darum, neue Vorgaben verständlich zu erklären. Dabei habe auch das Bürgertelefon viel abfangen können.

Die Warnung der Amtsärztin

Was also genau nach dem 31. Dezember 2021 kommt, ob das Impfzentrum vielleicht wieder hochgefahren werden muss – das kann auch Amtsärztin Dr. Anette Georgens noch nicht genau sagen. Die jetzige vierte Welle sei eine Welle der Ungeimpften und der Jungen, sagt sie. Eine Erkenntnis aus der Zeit mit der hoch ansteckenden Delta-Variante: Wer frisch geimpft ist, der ist kurzzeitig etwas gefährdeter, eine Infektion mit dem Corona-Virus zu bekommen. Das habe man in den vergangenen Monaten immer wieder beobachten können, sagte Georgens. Deshalb warnt die Amtsärztin: Man sollte sich nicht direkt nach der Impfung ins Getümmel stürzen und alle Vorsicht fahren lassen. Denn der Impfschutz müsse sich erst aufbauen und dabei sei das Immunsystem eben nun mal beschäftigt. Falls es nach einer Impfung zu einer Infektion komme, seien die Verläufe aber in jedem Fall leichter. Es gehe nicht darum, dass man nicht mehr erkranken könne. „Ziel ist es, dass ich nicht sehr krank werde.“

Die Kosten für den Betrieb des Impfzentrums lagen etwa bei 7,5 Millionen Euro, sagte Landrat Fritz Brechtel bei einem Termin vor Ort. Etwa 4,3 Millionen Euro seien auf das Personal entfallen, so habe der Einsatz der Apotheker 1,5 Millionen Euro gekostet. Bei den Sachkosten von 3,2 Millionen Euro schlägt die Hallenmiete mit 1,27 Millionen Euro zu Buche. Für den Kreis war das Impfzentrum grundsätzlich „haushaltsneutral“, formulierte Brechtel, da Bund und Land für die Kosten aufkommen. Allerdings habe es einen beträchtlichen Zusatzaufwand und Personaleinsatz für die Kreisverwaltung gegeben.

Innerhalb von vier Wochen aus dem Boden gestampft

So musste es zum Beispiel bei der Organisation zu Beginn schnell gehen: Am 15. November 2020 erteilte das Land den Auftrag, am 15. Dezember 2020 war das Impfzentrum betriebsbereit. Am 7. Januar wurde schließlich die erste Spritze gesetzt. Bis Donnerstag, 25. September, gab es im Impfzentrum 107.585 Impfungen, davon 55.289 Erstimpfungen und 52.296 Zweitimpfungen. Überwiegend wurde der Impfstoff von Biontech verimpft, nämlich bei etwas über 100.000 Spritzen.

Insgesamt waren 42 Ärzte, 30 Apotheker und zwölf Pharmazeutisch-technische Assistenten sowie 69 Medizinische Fachangestellte im Einsatz. Für Verwaltungsaufgaben, wie beispielsweise den Check-in wurden insgesamt 46 Personen eingestellt. Direkt aus der Kreisverwaltung kamen die drei Impfkoordinatoren sowie bei kurzfristigem Bedarf weitere Mitarbeitende. DRK und THW stellten zusätzlich ehrenamtliche Helfer. Allein für die Sanitätsdienste waren monatlich bis zu 34 Ehrenamtliche der DRK-Ortsvereine im Wechsel eingesetzt, 28 Helfende des THW haben über 5.555 Stunden dort erbracht, teilte die Kreisverwaltung mit. Mit einem Abschiedsfest wolle man sich bei den Helfern bedanken, kündigte Landrat Brechtel an.

Laut der aktuellen Impfdokumentation des Landes sind 61,53 Prozent der Bevölkerung im Landkreis Germersheim über zwölf Jahre vollständig geimpft, 64,22 Prozent der Kreisbevölkerung über zwölf Jahre haben zumindest die Erstimpfung erhalten.

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