Interview RHEINPFALZ Plus Artikel Denise Grauer will Weinkönigin werden

Denise Grauer nimmt an der Wahl zur Pfälzischen Weinkönigin am 2. Oktober in Neustadt teil.
Denise Grauer nimmt an der Wahl zur Pfälzischen Weinkönigin am 2. Oktober in Neustadt teil.

Am 2. Oktober wird im Neustadter Saalbau die 82. Pfälzische Weinkönigin gewählt – aber aus Corona-Gründen ohne Fans und Zuschauer. Als Bewerberin um dieses Amt wird Denise Grauer aus Steinweiler dabei sein. „Leider darf dieses Jahr nur ein sehr kleiner Kreis mit in den Saalbau kommen – dafür wird es in Steinweiler eine „Wahlparty“ geben“.

Der RHEINPFALZ erzählt die 32-Jährige über ihre Beweggründe, sich zur Wahl zu stellen und von der Unterstützung der Steinweilerer Winzervereinigung. Denise Grauer ist eine von fünf Kandidatinnen. Zur gewählten Königin werden danach vier Weinprinzessinnen bei sämtlichen Anlässen die Pfalz und den Pfälzer Wein repräsentieren.

Frau Grauer, was ist ihr Lieblingswein?
Das ist eine schwierige Frage, das wechselt auch häufiger. Generell mag ich aber sehr gerne Riesling, wegen des wahnsinnigen Potenzials, das diese Rebsorte aufweist.

Nach wie vielen Gläschen Riesling reifte der Entschluss, sich als Weinkönigin zu bewerben?
Ich hatte schon immer ein Interesse und eine Vorliebe für Wein. Eigentlich kam die Idee für dieses Ehrenamt bei einer privaten Weinprobe von einem Freund, der meinte, „du bist die perfekte Weinbotschafterin“.

Endlich Prinzessin – erfüllt sich da ein Kindheitswunsch?
(Lacht) Tatsächlich wollte ich als kleines Kind immer Prinzessin werden… Diesem frühen „Berufswunsch“ fiel sogar die Wohnzimmer-Gardine meiner Oma Gisela zum Opfer, aus der sie mir einen Prinzessinnenrock nähte.

Da drängt sich die Frage nach einem Prinzen auf, vor allem aber auch wie steht Ihr Arbeitgeber zu Ihrer Bewerbung als Weinkönigin?
Ich bin sehr glücklich und dankbar, dass ich von meinem Arbeitgeber eine solche Unterstützung erfahre und sich das Ehrenamt als pfälzische Weinhoheit dank Geschäftshandy, Online-Videokonferenzen, Bahncard und mobilem Arbeiten im Homeoffice so gut und flexibel mit meiner Arbeit vereinbaren lässt.

Sie arbeiten in einer großen internationalen Wirtschaftskanzlei in Hamburg. Haben Sie als Rechtsanwältin dort schon ein überzeugendes Plädoyer für den Pfälzer Wein abgeliefert?
Ich denke, unser Wein spricht für sich. Es macht mir aber Freude, mit einer Pfälzer Kiste im Kofferraum die Hamburger Kollegen zu begeistern. Wenn dann am Ende der hartnäckigste Biertrinker fragt, ob vielleicht noch eine Flasche von diesem spritzigen Riesling da sei, ist das doch das schönste Kompliment an unsere Region überhaupt.

Sie sprechen fünf Fremdsprachen (Englisch, Französisch, Italienisch, Spanisch, Russisch) und haben enge Verbindungen nach Italien, wo sie auch studiert und gearbeitet haben. Kann man die Italiener überhaupt für deutsche Lebensart und deutsche Weine gewinnen?
Ja, im Rahmen meines Erststudiums mit Schwerpunkt Übersetzen/Konferenzdolmetschen/Recht, habe ich eine Zeit lang in Italien gelebt und dort auch meinen Abschluss gemacht. Freunde und Kollegen besuche ich immer wieder gerne. Die Italiener sind wie die Pfälzer auch absolute Genussmenschen. Wenn ich dort ankomme, werden meist noch alle möglichen Verwandten eingeladen und ein Pfälzer Aperitivo mit unserem Wein und ein paar Dosen Hausmacher veranstaltet (lacht).

Als Bewerberin für das Amt haben Sie keinen klassischen Lebenslauf – macht es nicht etwas einsam, wenn man ohne Weingut im Rücken antritt?
Zweifelsohne habe ich nicht die typische Weinhoheiten-Biografie. Ich stehe aber gerne für einen modernen Typ Frau mit solider Ausbildung und schon etwas Lebenserfahrung, wodurch ich vielleicht andere fachliche Aspekte und moderne Impulse in das Amt miteinbringen kann. Ich bin glücklich und dankbar für die großartige Unterstützung der Ortsgemeinde und der Steinweilerer Winzervereinigung. Die meisten unserer Winzer, die mich seit frühster Kindheit kennen, sind nicht nur für mich engagierte Lehrer, sondern auch zuverlässige Ansprechpartner und Teamkollegen für ein kommendes Amtsjahr rund um unseren Pfälzer Wein.

Das heißt, wir werden Sie als unabhängige, moderne Frau bei Auftritten nie im Dirndl auf der Kutsche sehen?
(Zwinkert) „Nie“ ist ein großes Wort und ich liebe meine Dirndl. Abgesehen davon leben wir in einer Zeit, die ständigem Wandel unterworfen ist. Ich sehe große Chancen und Zukunftspotenzial für das Amt der Weinkönigin, wenn wir einen Weg finden, einerseits Traditionen zu bewahren aber andererseits dabei mit der Zeit zu gehen. Für das Amt und mich in meinem Selbstverständnis bedeutet das konkret, dass ich mich freue, wenn wir Menschen gerade auch durch Fachkompetenz und mit Inhalten überzeugen und gewinnen können.

Nicht zuletzt bringt dieses Amt Ihnen Publicity – wäre das ein Sprungbrett für eine politische Karriere? Schließlich war Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner 1995 deutsche Weinkönigin.
Ich liebe meinen derzeitigen Beruf und könnte mir zukünftig auch sehr gut vorstellen, mich im Wein- und Agrarrecht zu engagieren. Aber jetzt freue ich mich einfach auf dieses Ehrenamt; und diesem Entschluss lagen keine politischen oder sonstigen Ambitionen zugrunde. Aber natürlich weiß man nie, was die Zukunft noch bringt.

Was sind Ihre Hobbys, Ihre Lebensphilosophie, Ihre Kraftquelle?
Ich finde den Satz „Your life is not your destiny, but your choice“ (Dein Leben ist nicht dein Schicksal, sondern deine Entscheidung) ganz treffend. Die Umstände, sind nur Umstände, und wir können selbst entscheiden, was wir daraus machen und wie wir uns fühlen wollen. Um den Kopf frei zu bekommen, gehe ich sehr viel Laufen, am liebsten durch die Weinberge oder um die Alster. Ansonsten treffe ich mich nach Feierabend oder am Wochenende einfach gerne mit meinen Freundinnen auf ein Glas Wein oder um was zu unternehmen.

Sind Sie aufgeregt und nervös? Wird das eine ernste angespannte Wahl oder ein heiterer Wettbewerb?
Ich freue mich einfach total. Die Mädels sind super, und ich verstehe uns fünf (Kandidatinnen) als ein Team für die Pfalz. Wir teilen dasselbe Hobby und dieselbe Leidenschaft.

Die Wahl wird vom Sender RNF direkt übertragen – ebenso Live-Schaltungen aus den Herkunftsorten der Kandidatinnen Freinsheim, Friedelsheim, Neustadt-Königsbach, Steinweiler und Weisenheim am Sand).

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