Kreis Germersheim „Das muss doch alles schneller gehen“

91-76034199.jpg

Der Einstieg in die Diskussion ging schnell, Flüchtlingsthemen und -fragen brennen den Menschen auf den Nägeln. Das erlebte Bundestagsabgeordneter Thomas Gebhart (CDU) einen Tag vor Weihnachten im Wohnzimmer der Familie Hirsch in Hatzenbühl. Wie soll das mit der Integration der Flüchtlinge klappen? Wie viele kommen noch? Wie kann man die Zahl begrenzen? Warum dauert alles so lange?

Gebhart

erfährt bei seiner Aktion „Politik direkt“ ein Bombardement von Fragen, wie sie derzeit überall in Deutschland gestellt – aber offensichtlich nirgends zufrieden stellend beantwortet werden. „Wir stehen vor einer riesigen Herausforderung“, versucht der Abgeordnete zu Beginn des Gesprächs die Dimension klar zu machen. „Einwanderung in Deutschland ist nicht neu. Aber wir hatten noch nie so viele auf einmal“, begründet Gebhart das, was auch im Hause Hirsch als schleppende Bürokratie empfunden wird. Es geht alles zu langsam. Die Registrierung. Die Asylentscheidung. Die Abschiebung. „Das muss doch alles schneller gehen, damit die Leute auch schneller wissen, woran sie sind“, kritisiert Maria Gruber. Sie ist bei Familie Hirsch zu Gast, sitzt zusammen mit Gerhard Trauth, Rudi Wünstel, Annemarie, Sandra, Thorsten und Karl Hirsch in der Runde am Wohnzimmertisch. Die anderen nicken, die Bürokratie ist wohl ein Problem, außerdem wird sie in jedem Bundesland anders gehandhabt, was die Rückführung abgelehnter Asylbewerber angeht. Thomas Gebhart gerät ein bisschen in Verteidigungshaltung. Nicht als CDU-Mann, man ist hier durchaus CDU-nah, wie Gesprächsteilnehmer sagen. Aber mit der Flüchtlingspolitik der Regierung doch nicht hundertprozentig einverstanden. Gebhart müht sich, ruhig und sachlich die Linie der Regierung, der Kanzlerin, ins Wohnzimmer zu bringen. Er macht auf die vielen Fronten aufmerksam, an denen Angela Merkel mit ihrer Flüchtlingspolitik kämpft. In Europa beispielsweise, wo in vielen Ländern nur wenig Bereitschaft besteht, mehr oder überhaupt Flüchtlinge aufzunehmen. Oder in der Türkei. In Arabien. In Russland. „Die Ursachen des Flüchtlingsproblems haben viele Mitspieler und jeder verfolgt seine eigene Interessen.“ Dass er als überzeugter Europäer von Europa enttäuscht ist, daraus macht Gebhart keinen Hehl. „Es steht sehr, sehr schlecht um Europa.“ Wie lange es dauert, in der Flüchtlingsproblematik eine einheitliche Linie zu finden, ob es überhaupt eine geben wird, darauf weiß der Abgeordnete keine Antwort. „Ich kann nur sagen, dass hinter den Kulissen sehr hart an der Problemlösung gearbeitet wird.“ Warum die Menschen hier nicht gut zu sprechen sind auf die Politik, erklärt Thorsten Hirsch an einem Beispiel. Angehende Lehrer hätten schon Schwierigkeiten, eine Stelle zu finden, um ihre Ausbildung zu beenden. In den Sommerferien würden junge Lehrer entlassen und später wieder für ein Schuljahr eingestellt, damit Geld gespart wird. „Und jetzt werden plötzlich Tausende Lehrer für die Integration der Flüchtlinge eingestellt“, sagt Hirsch. „Da stimmt doch was nicht. Lehrermangel gab es vorher schon, da hat sich niemand drum gekümmert.“ Gebhart stimmt zu, da sei vieles versäumt worden. Deshalb sei es aber erst recht notwendig, Lehrer einzustellen, damit die Integration der Zuwanderer gelingen kann. Derweil wirft Sandra Hirsch die Frage auf, wer das alles bezahlen soll. Der Abgeordnete verweist auf einen „zum Glück stabilen Bundeshaushalt in guter Wirtschaftslage“. Rudi Wünstel wundert sich ein wenig über die Frage. Die Milliarden für Griechenland und die Bankenrettung, „die wir wohl nie wiedersehen werden“, habe man klaglos zur Kenntnis genommen. Für die Flüchtlinge werde viel weniger Geld ausgegeben. „Und das kommt auch noch unserer Wirtschaft zugute, weil es die Menschen hier ausgeben.“ Einfach die Grenzen zu schließen, Zäune zu bauen, kommt für die meisten der Tischrunde nicht infrage. „Wir müssen humanitäre Hilfe leisten“, stellt Gerhard Trauth klar. Aber die Befürchtung schwingt mit, dass Verwaltungen und Ehrenamtliche vom großen Engagement bald ermüdet und überfordert sein könnten. Karl Hirsch ist wieder bei seiner Eingangsfrage. „Wie verhindern wir, dass wieder Parallelgesellschaften entstehen?“ „Durch schnellstmögliche Integration“, sagt Gebhart. Nur den Weg dahin, den Plan, kann er nicht genau skizzieren. Es gibt zu viele Baustellen. Gebhart wirbt um Geduld. Aber genau nach einem nachvollziehbaren Plan der Politik sehnen sich die Menschen in Deutschland. Nicht nur im Wohnzimmer von Familie Hirsch in Hatzenbühl.

x