Kandel RHEINPFALZ Plus Artikel Das Mädchen aus Kandel und der fesche junge Mann aus dem Osten

Feiern Diamantene Hochzeit: Ruth und Eckhard Adler.
Feiern Diamantene Hochzeit: Ruth und Eckhard Adler.

Ruth und Eckard Adler waren die ersten Pächter der Aral-Tankstelle in der Kandeler Rheinstraße. Sogar der Vergaser einer Pistenraupe aus der zweiten Heimat in Süddeutschland wurde dort repariert. Jetzt kann das Ehepaar die diamantene Hochzeit feiern.

Es war schon ein ganz großer Zufall, dass sich die beiden jungen Leute trafen. Damals, Ende der 1950er Jahre. Sie, Ruth, das Mädchen aus Kandel mit dem Familiennamen Poß, und er, Eckhard, der im weit entfernten Görlitz an der Lausitzer Neiße zur Welt kam. Aus dieser zufälligen Begegnung in einem Kandeler Lokal sollte die große Liebe werden, fürs ganze Leben. Ruth und Eckard Adler, weit über die Grenzen der Bienwaldstadt hinaus bekannt, dürfen am 28. Oktober das Fest der „Diamantenen Hochzeit“ feiern.

Vor 60 Jahren gaben sie sich das „Ja-Wort“. Vor dem Standesbeamten Oskar Böhm zunächst und anschließend in der St. Georgs-Kirche bei Pfarrer Cherdron (dem Vater des späteren Kirchenpräsidenten). Beiden ist der Tag noch heute in bester Erinnerung. Auf dem Hochzeitsbild trägt Eckard Adler eine neue Uniform. Er erfüllte gerade seine Wehrpflicht. „Für einen neuen Hochzeitsanzug hatte ich damals kein Geld“, bemerkt er heute. Eckard Adler wurde gegen Ende des ersten Kriegsjahres 1940 geboren. Da war sein Vater bereits an der Front und wurde 1943 über Stalingrad von russischer Artillerie abgeschossen. Schon 1947 wurde die Familie aus dem polnisch besetzten Teil von Görlitz vertrieben. Im westlichen Teil der Stadt besuchte er die Grundschule und absolvierte eine Lehre aus Kfz-Elektriker. Nun sollte er sich, weil er ja zwischenzeitlich in einem DDR-Jugendheim untergebracht war, zum Dienst in der Nationalen Volksarmee melden, was er aber ganz und gar nicht wollte.

Über Umwege in die Südpfalz gekommen

So wagte er die Flucht und kam schließlich über Umwege nach Karlsruhe, wo er seine berufliche Ausbildung abschließen konnte. Nach einigen Jahren bei der Feuerwehrgerätefabrik Carl Metz besuchte Adler die Meisterschule. Als er 1965 den Meisterbrief in der Tasche hatte, stand für ihn fest, dass er den Schritt in die Selbstständigkeit wagen möchte. Seine Frau, die zwischenzeitlich Sohn Martin und Tochter Vera zur Welt gebracht hatte, war bereit, ihn dabei zu unterstützen und stimmte dem Schritt zu.

Die Adlers übernahmen als erste Pächter die Aral-Tankstelle am Ende der Rheinstraße und gründeten schließlich 1969 den „Autoelektrik-Meisterbetrieb mit Reifendienst und Reparaturen“ gleich nebenan. Und hatten damit Erfolg. „Frag mal den Adler“, hieß es damals bei so manchen heiklen Fragen um die Autoelektrik, der „Bosch-Dienst Adler“(mit einem 25 Jahresvertrag ausgestattet) war gefragt. Noch 1981 erfolgte eine aufwändige Erweiterung des Betriebes, den man 1993 zunächst aus gesundheitlichen Gründen vermietete. „Die Jahre der Selbstständigkeit waren schon anstrengend“, räumt Ruth Adler heute ein. Und ihr Mann sei stets derjenige gewesen, der alles 100-prozentig erledigt haben wollte. Mit viel weniger habe er sich selten zufrieden gegeben. Nur wenig Zeit blieb für Urlaub und Freizeit.

Zweite Heimat im Allgäu gefunden

Mit einer Ausnahme: Ihre „zweite Heimat“, wenn man es so nennen darf, sei Nesselwang im Allgäu gewesen. Mit den Wirtsleuten dort waren sie gut befreundet und man half gerne mit, wenn etwas zu tun war. So einmal, als der Vergaser an der Pistenraupe streikte. Kurzerhand wurde der ausgebaut, mit nach Kandel genommen, repariert und wieder nach Nesselwang gebracht. Erst 1993, nach der Wende, fuhr das Ehepaar wieder nach Görlitz, in die Heimatstadt von Eckhard. „Dort taten mir bald die Füße weh“, berichtet Ruth, „denn mein Mann wollte mir alle Sehenswürdigkeiten dieser schönen Stadt zeigen“. Gefragt, warum er nicht wieder nach Görlitz ziehen wolle, antwortete er einmal schmunzelnd: „Hier in Kandel habe ich es auch schön, jetzt, wo die Rheinstraße so toll ausgebaut wurde“.

Eckhard Adler singt seit 1978 bereits im Volkschor Kandel, ist Mitglied im Alpenverein und war dabei, als man in Kandel 1995 einen Boxclub ins Leben rief. Urkunden und Auszeichnungen belegen sein vielfältiges ehrenamtliches Engagement. Ruth und Eckhard sind auch begeisterte Tänzer, haben sogar das Deutsche Tanzsportabzeichen erworben. Das Tanzen in Landau und später in Wörth, immer bei der gleichen Tanzlehrerin, machte beiden sehr viel Spaß. Aber in den jungen Jahren fehlte ihnen für weitere Verpflichtungen im Tanzsport einfach die Zeit.

Im Ruhestand ein gefragter Autor

Später, als der Betrieb aufgegeben wurde, nutzte Eckhard die nun gewonnene Freizeit für ein anderes Talent, das über Jahrzehnte gewissermaßen in ihm „geschlummert“ hatte und nicht gepflegt wurde. Waren es zuerst so kleine Verse, die er seiner Kandeler Freundin und späteren Frau widmete, und an die sie heute noch gerne denkt. Jetzt aber wollte er aus seiner Neigung zum Schreiben mehr machen, belegte Kurse und begann ein Fernstudium. Gedichte und Kurzgeschichten aus seiner Feder folgten, und die trug er mit seiner Frau im Rahmen des Kulturprogrammes der Stadt Kandel über die Dauer von 16 Jahren immer wieder vor.

Lesungen mit Eckhard Adler fanden in der Stadtbücherei, dem evangelischen Gemeindezentrum, in der Stadthalle, bei Vereinen, im Altersheim und an vielen Seniorennachmittagen vor allem der katholischen Pfarrgemeinde statt. Adlers Geschichten, vor allem die zur Advents- und Weihnachtszeit, fanden aufmerksame Leser (auch in „Marktplatz regional“, im Geschäftsanzeiger oder im Wochenblatt) und dankbare Zuhörer. Ein „Weihnachtsbüchlein“ mit dem Titel „Engel unter uns“ erschien 1999 im Eigenverlag, das „Ganzjahresbüchlein“, erschienen 2010, trägt den Titel „Lyrische Stunden“.

Ruth und Eckhard Adler feiern im kleinen Kreis ihre Diamantene Hochzeit und wünschen sich noch eine segensreiche Zeit. Ihr Lebensmotto hat Eckhard selbst einmal so formuliert: „Vertrauen ist der goldene Schlüssel zum Ja im Menschen“.

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