Wörth
Daimler-Wasserstofftruck: So lief die Rekordfahrt nach Berlin
Eine Premiere gab es am Montag vor einer Woche: Ein Brennstoffzellen-Lastwagen ist einmal quer durch Deutschland gefahren, als Energieträger diente Flüssigwasserstoff. Start war am Kundencenter des Mercedes-Benz-Lastwagenwerks in Wörth, das Ziel der Ministergarten nahe des Potsdamer Platzes in Berlin. Diese Fahrt hat in den sozialen Medien viele RHEINPFALZ-Leser interessiert.
Auf der 1047 Kilometer langen Strecke waren drei Teams im Einsatz. Dabei bestand eine Crew jeweils aus einem Fahrer und einem Ingenieur, der das Fahrzeug überwachte. Das erste Team übernahm die Strecke Wörth bis Hannover, das zweite Team die Strecke Hannover bis Berlin. „Die dritte Crew übernahm den letzten Streckenabschnitt in Berlin-Mitte und wurde auf der letzten Meile durch Technologievorstand Andreas Gorbach auf dem Fahrersitz ergänzt“, teilt eine Sprecherin des Unternehmens auf Anfrage mit.
Andere Trucker-Fahrer als sonst
Dabei saßen andere Lastwagenfahrer am Steuer, als sonst im Fernverkehr. Da es sich noch um Prototypen handelt, waren die Crews mit Ingenieuren aus dem Team der Vorentwicklung Mercedes-Benz Trucks besetzt. Die Strecke zwischen Start in der Südpfalz und Ziel in der Hauptstadt beträgt auf dem direkten Weg nur zirka 685 Kilometer. Um auf die symbolischen 1000 Kilometer zu kommen wurden deshalb Schlenker über das Ruhrgebiet, Hannover und Hamburg gefahren.
Der GenH2 Truck war mit 40 Tonnen voll beladen. Allerdings befindet sich das Fahrzeug noch in der Vorentwicklungsphase. Deshalb seien zu diesem Zeitpunkt noch keine Kunden und entsprechend auch keine Lieferungen an den Fahrten beteiligt, teilte die Unternehmenssprecherin mit. Der Lastwagen beförderte deshalb „Gewichte in Form von Kiessäcken in Palettenkäfigen, um auf ein Gesamtzuggewicht von 40 Tonnen ausgeladen zu sein.“
Gute Isolierung ist wichtig
Auf besonderes Interesse bei den RHEINPFALZ-Lesern stieß der Energieträger Flüssigwasserstoff. Aktuell werde das Fahrzeug „mobil durch einen mobilen Tankauflieger unseres Partners AirLiquide auf unserem Werksgelände mit flüssigem Wasserstoff betankt“, heißt es dazu vom Unternehmen. Hierfür stehe eine „LH2 Tankstelle mit Dispenser und zwei Tankschläuchen für Füllung und Rückführung zur Verfügung“. Während des Betankungsvorgangs wird minus 253 Grad Celsius tiefkalter Flüssigwasserstoff in zwei jeweils seitlich am Fahrgestell montierte 40 Kilogramm-Tanks gefüllt. „Durch die besonders gute Isolierung der Fahrzeugtanks kann der Wasserstoff für eine ausreichend lange Zeit ohne aktive Kühlung auf Temperatur gehalten werden.“
Der Partner Air Liquide ist eigenen Angaben zufolge ein Weltmarktführer bei Gasen, Technologien und Services für Industrie und Gesundheit. „Mit 64.500 Mitarbeitern in 80 Ländern versorgt Air Liquide mehr als 3,8 Millionen Kunden und Patienten“, heißt es auf Website der Firma.
Fahrt noch deutlich teurer
Und was hat die Fahrt gekostet? Das lässt sich ungefähr berechnen: Wasserstoff wird in Kilo abgerechnet und kostet Stand Freitag an einer H2 Mobility-Tankstelle für Nutzfahrzeuge bei einer Betankung bei 350 bar 12,85 Euro pro Kilogramm. Der GenH2 war mit 80 Kilogramm flüssigem Wasserstoff unterwegs, entsprechend hätte die Fahrt allein mit Blick auf den Energieträger zirka 1025 Euro gekostet. Ein klassischer Verbrenner verbraucht zirka 25 Liter pro 100 Kilometern, bei der Strecke des „Record Run“ wären es also etwa 250 Liter gewesen. Hier lag der Literpreis am Freitag bei 1,79 Euro, das wären ungefähr 475 Euro alleine für die Tankfüllung. Dabei handelt es sich natürlich um Schätzwerte, nicht um exakte Berechnungen.
Wie geht es mit dem GenH2 jetzt weiter? Erste Brennstoffzellen-Lkw sollen in den kommenden Jahren in Kundenhand getestet werden, heißt es dazu vom Unternehmen. Mit der Entwicklung liege Daimler Truck im Zeitplan. Die Serienreife des Mercedes-Benz GenH2 Truck werde für die zweite Hälfte des Jahrzehnts angestrebt.