Wasserstoff-Lkw RHEINPFALZ Plus Artikel Rekordfahrt: Lastwagen von Daimler-Truck legt über 1000 Kilometer mit Wasserstoff zurück

Startsignal für eine historische Fahrt: Die rheinland-pfälzische Wirtschaftsstaatssekretärin Petra Dick-Walther und Entwicklungs
Startsignal für eine historische Fahrt: Die rheinland-pfälzische Wirtschaftsstaatssekretärin Petra Dick-Walther und Entwicklungschef Rainer Müller-Finkeldei am Lastwagenwerk Wörth.

Über 1000 Kilometer Strecke mit 80 Kilogramm flüssigen Wasserstoff hat der Mercedes-Benz GenH2 zurückgelegt. Die Fahrt des Prototyps ist ein weiterer Schritt auf dem Weg zur Dekarbonisierung des Fernverkehrs.

GER LH 201. Mit diesem Kennzeichen war der Mercedes-Benz GenH2, ein Brennstoffzellen-Lastwagen, von Montagnachmittag bis Dienstagmorgen quer durch Deutschland unterwegs. Das Besondere: Über 1000 Kilometer konnten zurückgelegt werden, ohne dass ein Tankstopp notwendig war. Ermöglicht wurde dies durch den Einsatz von Flüssigwasserstoff. Start war am Kundencenter des Mercedes-Benz-Lastwagenwerks in Wörth, das Ziel der Ministergarten nahe dem Potsdamer Platz in Berlin. Und das Medieninteresse war groß: Journalisten aus Frankreich, China, Japan, den USA und Brasilien verfolgten die Abreise, Reden wurden simultan auf japanisch übersetzt, fast jeder Quadratzentimeter des Lastwagens akribisch von Handykameras abgefilmt.

Als „Record Run“, als ein Meilenstein wurde die Fahrt des Prototyps von allen Rednern bezeichnet. Der Knackpunkt ist die Reichweite, die schließlich bei 1047 Kilometern lag. Damit ist der Truck fast genauso einsetzbar wie ein Diesellastwagen, sagte Rainer Müller-Finkeldei, Leiter Mercedes-Benz Trucks Produktentwicklung. Um die realen Bedingungen im Fernverkehr abzubilden, war der Truck mit 40 Tonnen voll ausgeladen.

Am Montag waren am Entwicklungszentrum in Wörth 80 Kilogramm Wasserstoff getankt worden, diese befanden sich in zwei seitlich am Fahrgestell montierten Tanks von je 40 Kilogramm. Der von Air Liquide gelieferte Wasserstoff ist erneuerbaren Ursprungs, da er aus Biomethan mit Herkunftsnachweis hergestellt wurde, heißt es in einer Mitteilung von Daimler Truck. Flüssiger Wasserstoff verfügt über eine höhere Energiedichte als gasförmiger Wasserstoff, ist aber bei der Lagerung anspruchsvoll. Um eine Temperatur von minus 253 Grad ohne aktive Kühlung zu halten, ist bei den Tanks eine besondere Isolierung notwendig. Der TÜV Rheinland hatte die Wegstreckenzähler abgelesen, die Wiegekarte geprüft, beide Tanks wurden verplombt. Eine Ankunftsinspektion in Berlin sollte sicherstellen, dass unterwegs nichts zugetankt wurde.

Von einer Entwicklung mit Sieben-Meilen-Stiefeln sprach vor der Abfahrt die rheinland-pfälzische Wirtschaftsstaatssekretärin Petra Dick-Walther. Um dieses Lob zu verstehen hilft ein Blick in die Historie: Im September 2020 hatte Martin Daum, Vorstandsvorsitzender der Daimler Truck AG in Berlin erstmals ein Konzeptmodell des GenH2 Truck präsentiert. 2021 wurde der GenH2 in Wörth auf die Teststrecke des Entwicklungs- und Versuchszentrums geschickt. Dort habe er „unzählige Stunden auf dem Rundkurs“ verbracht, sagte Müller-Finkeldei. Nach dem Erhalt der Straßenzulassung konnte der Truck ab Herbst 2021 unter realen Verhältnissen getestet werden, dabei wurden über den Brennerpass die Alpen überquert. Ein Durchbruch sei 2022 gelungen, als man gezeigt haben, „dass Flüssigwasserstoff in einem Lkw funktioniert“, so Müller-Finkeldei.

Der Antrieb erfolgte über ein Brennstoffzellensystem von Cellcentric. Das Joint Venture der Daimler Truck AG und der Volvo Group AB wurde am 1. März 2021 gegründet. Geschäftsführer ist Matthias Jurytko, der vorher als Standortleiter des Lastwagenwerks Wörth tätig war. In Weilheim soll bis 2026 eine Fabrik für die Serienproduktion von Brennstoffzellensystemen stehen.

Zum weiteren Zeitplan sagte Entwicklungschef Müller-Finkeldei, dass man die Serienreife des Trucks für die zweite Hälfte des Jahrzehnts anstrebe. „Wir könnten ihn heute auch noch nicht verkaufen, weil es noch keine Tankgelegenheit gibt“, sagte er. Doch in der Zukunft werde der Truck „wie selbstverständlich vom Band laufen“. Ziel für die Serienproduktion sei es, dass innerhalb von 15 Minuten an einer Säule gezapft werden könne. Staatssekretärin Petra Dick-Walther kündigte an, dass drei Tankstellen in Rheinland-Pfalz entstehen sollen.

Einer der beiden Tanks, die mit je 40 Kilogramm flüssigem Wasserstoff befüllt waren und verplombt wurden.
Einer der beiden Tanks, die mit je 40 Kilogramm flüssigem Wasserstoff befüllt waren und verplombt wurden.
Der Prototyp in der Frontalansicht.
Der Prototyp in der Frontalansicht.
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