Wörth RHEINPFALZ Plus Artikel Sparkurs in Milliardenhöhe bei Daimler Truck: Sorgen nach Versammlung

Vor der Betriebsversammlung bei Daimler Truck in Wörth haben Mitarbeiter demonstriert.
Vor der Betriebsversammlung bei Daimler Truck in Wörth haben Mitarbeiter demonstriert.

Der Sparkurs bei Daimler Truck sorgt für Unruhe unter den Beschäftigten. Umfangreiche Maßnahmen wurden angekündigt. Eine Betriebsversammlung konnte die Sorgen nicht mindern.

Arbeitsplätze sollen abgebaut, Kosten durch den verstärkten Einsatz von Leiharbeitern reduziert, möglicherweise Abteilungen ausgelagert werden – derartige Maßnahmen hat der Vorstand angekündigt. Vom Sparkurs sollen alle Unternehmensbereiche betroffen sein, entsprechend besorgt zeigt sich die Belegschaft. Gewerkschaft und Betriebsrat halten derzeit bei Sondierungsverhandlungen dagegen. Bei der Betriebsversammlung im Lastwagenwerk Wörth ist das Interesse nun so groß, dass die Veranstaltung auf Leinwänden nach draußen übertragen wird.

Der Kontext: Eine Milliarde Euro will Daimler Truck in seiner Lastwagen-Sparte in Europa bis 2030 bei den jährlich wiederkehrenden Kosten einsparen. Die Nachricht vom Programm Cost Down Europe hatte Ende Januar auch die Belegschaft im Lastwagenwerk Wörth aufgeschreckt. Entsprechend groß war das Interesse an einer Betriebsversammlung Anfang Februar. Und groß war auch die Enttäuschung bei vielen Beschäftigten nach der Veranstaltung: Die Vertreter des Vorstands äußerten sich weder in Wörth noch an anderen Standorten konkret zu Auswirkungen vor Ort.

Stattdessen wurde auf die bevorstehende Präsentation der Zahlen Anfang März verwiesen. Diese liegen inzwischen vor. Ihnen zufolge hat Mercedes-Benz Trucks im vergangenen Jahr 126.477 Fahrzeuge verkauft, 2023 waren es noch 158.511. Der Absatz batterieelektrischer Fahrzeuge ist von 3443 Fahrzeugen im Vorjahr auf 4035 gestiegen.

Einschnitte, um wettbewerbsfähig zu bleiben

Nun stand am Dienstag wieder eine Betriebsversammlung an. Zuvor hatte der Daimler-Vorstand die Belegschaft über von Unternehmensseite geplante Maßnahmen informiert. In den Papier, das der RHEINPFALZ vorliegt, wird auch mit Blick auf die besseren Wirtschaftszahlen von Mitbewerbern auf die Notwendigkeit der Kostensenkung verwiesen. Kleinere Anpassungen der bestehenden Strukturen reichten aber nicht mehr aus, um die neuen Herausforderungen zu überwinden, heißt es in dem Papier. Man habe ein Maßnahmenpaket entwickelt, um die Standorte wettbewerbsfähig aufzustellen.

Dabei geht es ausdrücklich auch um die Reduzierung der Personalkosten. Dazu gehörten Einschnitte beim Thema Vergütung und bei der Ergebnisbeteiligung, heißt es. Es ist von einem verstärkten Einsatz von Zeitarbeitskräften die Rede und davon, dass ein Abbau von Arbeitsplätzen unausweichlich sei. Dieser soll durch sozialverträgliche Maßnahmen wie Altersteilzeit, natürliche Fluktuation und ein Abfindungsprogramm erreicht werden.

Arbeitgeber und Arbeitnehmervertretung liegen auseinander

Eine Nachfrage bei beiden Seiten zeigt, dass man noch durchaus weit auseinander liegt. Ein Unternehmenssprecher sagt auf Anfrage der RHEINPFALZ: Es werde nicht beabsichtigt, den Zukunftsvertrag 2030 in Frage zu stellen. In diesem Vertrag sind unter anderem Arbeitsplatzgarantien festgeschrieben. Aber er merkt auch an: „Es ist entscheidend, dass wir erhebliche Fortschritte bei der Reduzierung unserer Kostenbasis erzielen und so unsere finanzielle Position stärken.“

Tarifverträge gelten und müssen eingehalten werden, entgegnet Marc Tinger, Erster Bevollmächtigter der IG Metall Landau, nach der Veranstaltung gegenüber der RHEINPFALZ. „Da gibt es von Seiten der IG Metall einen klaren Stopp.“ Urlaubsgeld und Weihnachtsgeld seien zum Beispiel nicht verhandelbar. Auch den geplanten verstärkten Einsatz von Leiharbeitern sieht der Gewerkschaftsmann nicht unkritisch: Das Unternehmen versuche, ein Maximum an Flexibilisierung zu bekommen. Doch als Gewerkschaft begreife man sie als Teil der Belegschaft und wünsche jedem eine Festanstellung.

Probleme am historisch gewachsenen Standort

Auch zu den einzelnen Standorten gibt es im Vorstandspapier Aussagen. Im Werk Wörth werden derzeit Verbrenner und E-Fahrzeuge parallel produziert. 2021 startete die Serienproduktion des eActros 300/400, 2022 folgte der eEconic. Im Dezember 2024 kam der Serienstart des eActros 600 für den Fernverkehr. Nach anfänglicher Elektrifizierung im Future Truck Center laufen die batterieelektrischen Fahrzeuge nun neben den Verbrennern vom Band.

Konkret steht in dem Papier: Die Komplexität des Produktionsprogramms habe im Zuge der technologischen Transformation deutlich zugenommen und werde in den nächsten Jahren deutlich steigen. Dies sei mit den Gegebenheiten des historisch gewachsenen Standorts Wörth kaum noch wirtschaftlich darstellbar, heißt es in der Information. Die Einführung neuer Produkte und Technologien werde immer schwieriger und sei in der Regel mit hohen Investitionen verbunden. Daher sei eine Neuausrichtung nötig, die die Stärken des Standorts Wörth zum Tragen bringe, effizienter auf die Anforderungen von Märkten und Kunden zu reagieren. Dies beinhalte auch eine gezielte Reduzierung von Produktionsvolumen und Montageaktivitäten in ausgewählten Gewerken, heißt es in dem Vorstandspapier.

Der Fahrzeugbau stecke in einer großen Transformation, es gebe einen scharfen Wettbewerb, bestätigt der Erste Bevollmächtigte Tinger. Der Gewerkschaft sei jedoch wichtig, „dass die Menschen mitgenommen werden und Zukunftsperspektiven für sich und ihre Familien in der Region haben.“ Am Standort Wörth sind derzeit zirka 10.000 Frauen und Männer beschäftigt.

Vor der Betriebsversammlung hatte es im Lastwagenwerk eine kleine Demonstration gegeben. „Investieren statt kaputt sparen“ und „dieses Land braucht sichere Arbeitsplätze“ hieß es auf den Schildern.

In Wörth werden auf den drei Montagelinien Verbrenner neben E-Fahrzeugen produziert.
In Wörth werden auf den drei Montagelinien Verbrenner neben E-Fahrzeugen produziert.
x