Wörth Daimler: IG-Metaller gegen Krieg und für höhere Löhne

Südpfälzer Delegierte (von links): Herbert Martin Kälberer, Samira Schütz und Moritz Römmele.
Südpfälzer Delegierte (von links): Herbert Martin Kälberer, Samira Schütz und Moritz Römmele.

Der Gewerkschaftstag der IG Metall tritt nur alle vier Jahre zusammen. Drei Gewerkschaftler aus dem Lastwagenwerk schildern ihre Eindrücke. Es geht auch um die Benzinpreise.

Der IG-Metall-Bezirk Landau ist noch neu und er ist klein. „Aber am Ende des Gewerkschaftstags Ende Oktober in Frankfurt kannte ihn jeder dort“, sagt Moritz Römmele (40), Leiter des IG-Metall-Vertrauenskörpers im Lastwagenwerk Wörth und damit der Vertreter der IG-Metall-Mitglieder im Werk. Über eine Drittel der Delegierten waren Frauen – darunter die Industriemechanikerin Samira Schütz (26), Mitglied der Jugendvertretung bei Daimler Truck.

Guerilla-Aktion unterbricht Scholz-Rede

„Unsere Aktion während der Rede von Olaf Scholz war eine Guerilla-Aktion, die nicht richtig abgesprochen war“, erzählt Schütz von einem Moment, wo das Räderwerk des Gewerkschaftages für einige Augenblicke ins Stocken geriet. „100 Milliarden für die Jugend“ stand auf dem Banner, das junge Delegierte aus immerhin 6 von 7 Bezirken dem Kanzler entgegen hielten – eine Anspielung auf das Sondervermögen für die Rüstung. Die Aktion fand genug Beifall, dass Scholz wegen des Applauses für die jungen Menschen seine Rede unterbrechen musste.

„Ich bin eine Frau, aber nicht blöd“

Trotz des Beifalls auch für Aktionen gegen Rassismus und für eine Ausbildungsumlage machte Schütz die Erfahrung, dass die IG Metall trotz der ersten weiblichen Vorsitzenden in Sachen „Gleichberechtigung“ wie alle noch nicht am Ende des Weges angekommen ist: „Das ist keine Mathematik. Wenn ich mit älteren Kollegen diskutiert habe, dachte ich mir schon manchmal: Mensch, ich bin eine Frau, aber nicht blöd.“

„Arbeiter schießen nicht auf Arbeiter“

Das Thema „Krieg und Frieden“ lag auch Römmele am Herzen. Er wandte sich gegen einen Antrag des IG-Metall-Vorstands, der wollte, dass die Gewerkschaft in einem Punkt von ihrer pazifistischen Tradition abrückt. Jetzt sollten Waffenlieferungen unter bestimmten Umständen als legitim gelten. Damit werde aber ein Krieg befeuert, bei dem die Gefahr droht, dass er sich zum Dritten Weltkrieg ausweitet, argumentiert Römmele. Außerdem müssten immer die Arbeiter und die Angestellten an die Front. „Oligarchen-Kinder sind dort nicht“, so Römmele. Für ihn lautet deshalb die Lehre schon aus dem Ersten Weltkrieg: „Arbeiter schießen nicht auf Arbeiter!“ Diese Auffassung hat sich wieder durchgesetzt.

Für Pfälzer 380 Euro weniger

Gleich von drei Highlights berichtet Kälberer. Zunächst ging es um Geld, um viel Geld. Durchschnittlich 380 Euro weniger als in Baden-Württemberg bekommt laut Tarif ein Metallarbeiter in der Pfalz. Das wird in der Ecklohngruppe festgelegt, in der sich der klassische Facharbeiter befindet. Alle anderen Löhne auf in der Tabelle werden davon abgeleitet. Im Lastwagenwerk Wörth gilt übrigens der badische Ecklohn. „Bei jeder prozentualen Tariferhöhung wird die Schere zwischen den verschiedenen Ecklöhnen weiter“, so Kälberer. Deshalb wurde der IG-Metall-Vorstand vor vier Jahren beauftragt, ein praktikables Konzept zu entwickeln, was man dagegen machen könne. „Die Antwort folgte erst am nächsten Tag, der Vorstand war dabei sehr einsilbig“, sagt Kälberer und macht dabei überhaupt nicht den Eindruck, dass er sich entmutigen lässt.

Frauen gut vertreten

Als zweites Highlight feiert Kälberer die Wahl von Christine Benner zur Vorsitzenden. Er arbeite seit Jahren in verschiedenen Gremien mit ihr eng zusammen. Kälberer ist im Betriebsrat Entgeltkommissionsvorsitzender und auf Bundesebene Mitglied der Großen Tarifkommission der IG Metall. Benner sei mit 96,4 Prozent der Stimmen gewählt worden, freut er sich. Zum Vergleich: Ihr Vorgänger erhielt vor vier Jahren 71 Prozent. Kälberer sieht aber die Frauen nicht nur an der Spitze der Gewerkschaft gut vertreten: Im Lastwagenwerk Wörth liege der Frauenanteil bei den Beschäftigten bei 13 Prozent, bei den IG-Metall-Mitgliedern aber schon bei rund 20 Prozent – eine Wert, der dem Bundesdurchschnitt entspricht. Beim Gewerkschaftstag waren etwa ein Drittel der Delegierten Frauen, im Vorstand seien es 40 Prozent.

„Gegen Abzocke durch die Benzinpreis-Mafia“

„Toll war aber auch, wie wir fast den Kongress gedreht haben“, sagt Kälberer. Der Bezirk Landau hatte beantragt, die Einführung des österreichischen Modells für den Benzinpreis zu fordern. Dort dürfen die Benzinpreise nur einmal am Tag erhöht werden, und zwar um 12 Uhr mittags. In Deutschland hingegen müssen auch Schichtarbeiter damit leben, dass die Preise immer dann hoch sind, wenn sie zur Arbeit fahren müssen: von 5 bis 9 Uhr und dann noch mal von 13.30 bis 15 Uhr. Die Antragskommission empfahl die Ablehnung des Pfälzer Antrags, weil das ein Eingriff in den Markt sei, berichtet Kälberer. Das Ergebnis war knapp: 40 Prozent der Delegierten stimmten dafür und „gegen Abzocke durch die Benzinpreis-Mafia“, so Kälberer.

Ein Wochenende auf den Ponyhof ist im übrigen ein Gewerkschaftstag sicher nicht. Denn einmal dauert er von Samstag bis Donnerstag, und dann wird oft bis 21 Uhr oder länger im Plenum diskutiert und abgestimmt.

Delegierte stimmen ab; rechts Moritz Römmele und Herbert Martin Kälberer.
Delegierte stimmen ab; rechts Moritz Römmele und Herbert Martin Kälberer.
„Vielfalt macht uns stark“: Die Wörther Delegierten beteiligen sich an einer Aktion gegen den Rechtsruck.
»Vielfalt macht uns stark«: Die Wörther Delegierten beteiligen sich an einer Aktion gegen den Rechtsruck.
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