HAGENBACH RHEINPFALZ Plus Artikel „Corona-Steinschlange“ am Hagenbacher Hessbach wächst immer weiter

Initiatorin Mariella Neumann betrachtet die „Corona-Steinschlange“, die mittlerweile mehr als 500 Teile umfasst.
Initiatorin Mariella Neumann betrachtet die »Corona-Steinschlange«, die mittlerweile mehr als 500 Teile umfasst.

Was an Ostern ganz klein angefangen hat, ist mittlerweile zu einem prächtigen Tier geworden: Am Hagenbacher Hessbach sonnt sich eine „Corona-Steinschlange“, die mittlerweile mehr als 500 Teile umfasst – Tendenz steigend.

Ein sonniger Mittag am Hessbach. Immer wieder pilgern Menschen – oft Eltern mit ihren Kindern – durch den langen Parkstreifen am Tennisplatz. Auf einmal bleiben sie stehen und staunen. Und zwar über jene steinerne Schlange, die in Hagenbach seit Tagen in aller Munde ist.

An Ostern ging es klein los: Mit einem grünen Kopf, gelben Augen und wenigen bunt bemalten Steinen. „Wir bleiben zu Hause“, steht auf die ersten Schlangen-Teile verteilt. „Bleibt gesund“. Und dann folgen Namen: Maximilian. Lena. Sören. Svenja. Jörn. Die Initiatoren, eine „Gemeinschaft Hagenbach“, erklären auf einem handgeschriebenen Schild, was das zu bedeuten hat. „Als Zeichen des Zusammenhalts in dieser besonderen Zeit“ könne jeder seine bunt bemalten Steine dieser Schlange hinzufügen – vermerkt mit Namen, „damit jeder sehen kann, wer die Schlange hat wachsen lassen“.

Aus WhatsApp-Gruppe wird „Gemeinschaft Hagenbach“

Beim Besuch der RHEINPFALZ umfasst die Schlange rund 500 Steine – Tendenz stark steigend. Das Tier schwingt sich am Rand einer Wiese. Zwischendrin taucht unter den vielen Steine-Absendern wieder der Name „Gemeinschaft Hagenbach“ auf. Jedoch: Es gibt keinen Verein mit einem solchen Namen. Vielmehr ist es eine WhatsApp-Gruppe, die kürzlich im Zuge der Corona-Krise entstand.

„Die Gruppe ist gewachsen von Mama zu Mama“, sagt Initiatorin Mariella Neumann. „Ich wollte eine Gemeinschaft gründen und den Zusammenhalt fördern“, erzählt sie angesichts der seit Wochen anhaltenden vielen Einschränkungen. Also nahm sie 15 Bekannte – darunter etliche Mütter aus dem Kindergarten „Regenbogen“ – in eine WhatsApp-Gruppe auf und räumte ihnen die Möglichkeit ein, weitere Mitglieder aufzunehmen. Das war Ende März. Mittlerweile ist die Gruppe auf fast 40 Teilnehmerinnen angewachsen, alle aus Hagenbach.

Initiatorin Mariella Neumann stammt aus Peru

Mariella Neumann ist selbst Mutter von zwei Kindern. Mit ihrem Ehemann Sergej zog sie vor zwei Jahren von Karlsruhe nach Hagenbach. Zu Sohn Rodrigo (vier Jahre) ist Tochter Alina (ein Jahr) hinzugekommen. „Ich mag alles, was mit Menschen zu tun hat“, erzählt die 35-jährige Sozialpädagogin in Elternzeit. „Das liegt an meinen Wurzeln.“ Denn Mariella stammt aus Peru. Dort leben die Menschen in Großfamilien zusammen, sagt sie – eine besondere Form von Gemeinschaft. „Zumindest zu meiner Zeit war das so.“ Vor 18 Jahren ging sie nach Deutschland. Ihr Vater lebt seit 30 Jahren hier – lange in Landau, jetzt in Frankweiler. Ihre Mutter ist in Peru geblieben.

Als es vor Wochen hieß, man solle wegen Corona und des Ansteckungsrisikos Abstand voneinander halten, nahm die „Gemeinschaft Hagenbach“ Fahrt auf. „Die Kinder sind zuhause und können keine Freunde treffen“, sagt Neumann. Also riefen die Mütter Aktionen ins Leben. Zunächst malten sie eifrig Regenbögen an Türen und Fenster, auch um zu sagen: „Du bist nicht allein“. Dann bastelten sie für das Seniorenzentrum Hagenbach, um den Bewohnern zu Ostern eine Freude zu bereiten.

Auch in anderen Orten gibt es Steinschlangen

Die „Steinschlange“ ist die dritte Aktion. Vielerorts in Deutschland entstehen derzeit solche Gebilde. Eine Mutter hatte die Idee in Augsburg aufgeschnappt, eine andere im benachbarten Neuburg. In Lustadt ist auch eine solche Aktion geplant. „Vielleicht kann man die auch Richtung Hagenbach legen“, hieß es zunächst im Mütter-Chat. „Es läuft vieles im Austausch“, sagt Neumann. Dabei bemerkenswert: Die Mütter kennen sich untereinander größtenteils (noch) gar nicht, denn sie kommunizieren ausschließlich per WhatsApp. Teilweise kennen sie nicht einmal Namen, sondern nur Handynummern voneinander. „Irgendwann hat mich jemand hinzugefügt“, erzählt Sabrina Schäfer, die an jenem Nachmittag zufällig auch am Hessbach ist – und über die RHEINPFALZ Mariella Neumann kennenlernt: „Es ist meine Hoffnung, dass das später mal ein echter Treff wird“, sagt diese.

Corona und die Krise werden eines Tages Vergangenheit sein, die „Corona-Steinschlange“ könnte aber dauerhaft bleiben: An die Stadt sei diese Idee herangetragen worden, bestätigt Bürgermeister Christian Hutter (CDU) auf Anfrage. Dies müsse nun besprochen werden. „Ich sehe das Vorhaben als ein positives Projekt von Kindern für Kinder aus Hagenbach“, fügt er hinzu.

Die „Gemeinschaft Hagenbach“ enstand aus einer Chat-Gruppe heraus.
Die »Gemeinschaft Hagenbach« enstand aus einer Chat-Gruppe heraus.
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