Kandel RHEINPFALZ Plus Artikel Corona: Neue Arznei verhindert Intensivstation

Eines der Medikamente, die einen schweren Verlauf nach einer Infektion verhindern sollten, ist Sotrovimab.
Eines der Medikamente, die einen schweren Verlauf nach einer Infektion verhindern sollten, ist Sotrovimab.

Eine Patientin im Kandeler Krankenhaus wird mit neuen Medikamenten gegen Covid-19 behandelt. Ein Mediziner erklärt in der RHEINPFALZ, warum das ein bahnbrechender Erfolg ist und wieso es so schwer ist, an das Präparat zu kommen.

Eine neue Phase im Kampf gegen das Coronavirus hat begonnen. Am Donnerstag wurden einer Patientin in der Kandeler Südpfalzklinik sogenannte monoklonale Antikörper verabreicht. Diese Medikamente sollen einen schweren Verlauf und damit den Aufenthalt auf der Intensivstation verhindern. Der Einsatz des Präparats sei wohl einer der ersten in Rheinland-Pfalz, lautet die Einschätzung des Intensivmediziners Michael Königs.

Ziel: Schweren Verlauf verhindern

Antikörper werden vom Körper gebildet, wenn man eine Infektion durchläuft oder sich impfen lässt. Durch die künstliche Zugabe solcher Antikörper könne man Zeit gewinnen, führt Königs aus. So könne man Menschen retten, die zum Beispiel aus medizinischen Gründen nicht geimpft werden können, aber das Risiko für einen schweren Verlauf haben. „Das ist schon bahnbrechend“, sagt Königs. Das Präparat Xevudy kam jetzt bei einer 82-jährigen zum Einsatz. Diese war aufgrund einer anderen Erkrankung in der Klinik, die Coronainfektion wurde bei den routinemäßigen Tests entdeckt. Sie habe noch sehr milde Symptome, allerdings sei ein schwerer Verlauf zu erwarten, sagt Königs.

Die Patientin ist wohl eine der ersten, die in der Region auf diese Weise behandelt wird. In den regelmäßigen Telefonkonferenzen mit anderen Kliniken habe er noch nichts über diesen Einsatz gehört, sagt Königs. Ende vergangenen Jahres kamen verschiedene Medikamente zur Behandlung von Covid-19 auf den Markt. Die Europäische Kommission hat Xevudy (Handelsname Sotrovimab) am 17. Dezember 2021 für Erwachsene und Jugendliche ab 12 Jahren, die keine Sauerstoffbehandlung benötigen und ein erhöhtes Risiko für einen schweren Verlauf der Erkrankung haben, zugelassen. „Sotrovimab ist ein SARS-CoV-2-neutralisierender monoklonaler Antikörper, den das Unternehmen GlaxoSmithKline in Deutschland anbietet“, heißt es auf der Website des Paul-Ehrlich-Instituts. Seit Ende Januar 2022 ist es verfügbar.

Regierungen kaufen in großem Stil

Allerdings ist es für Mediziner gar nicht so einfach, an dieses Medikament zu kommen: Die europäischen Regierungen haben die Chargen zentral aufgekauft. Königs nennt hier eine Größenordnung von 1 Million Stück. Diese werden dann ausschließlich über bestimmte Apotheken weitergegeben, in der Region sitzen diese in Pirmasens und Ludwigshafen. Den Kliniken ist es nicht möglich, das Präparat auf Vorrat zu bestellen – dafür ist das Medikament einfach noch zu knapp. Der Verteilungskampf erinnert an den Beginn der Impfaktionen vor einem Jahr, als noch viel zu wenig Impfstoff zur Verfügung stand.

Aber man kann es „patientenspezifisch“ bestellen, was im Fall der Patientin in Kandel gelungen ist. Ein Taxi hat das Präparat dann von Ludwigshafen zur Klinik in der Südpfalz gebracht. Allerdings ist für den Einsatz von Sotrovimab auch der richtige Zeitpunkt entscheidend: Es muss in den ersten fünf Tagen nach der Infektion gegeben werden. „Wenn man schon einen kräftigen Krankheitsverlauf mit einer hohen Virenproduktion hat, wird das unter Umständen nicht ausreichen, um Menschen vor einem schweren Verlauf zu bewahren“, sagt Königs.

Eine Infusion reicht aus

Das Medikament wird über eine Infusion im Zuge einer stationären Behandlung verabreicht. Dabei reicht eine Dosis aus, um Menschen vor der Intensivstation zu bewahren. Dabei gibt es Nebenwirkungen, die schon bekannt sind: „Die Menschen fühlen sich in den ersten drei Tagen nach der Gabe schlecht, was aber bei der Gabe von Antikörpern nicht unüblich ist“, sagt Königs.

Nun will Königs auch die Hausärzte in der Region auf diese neue Option der Behandlung in den Kliniken in Germersheim und Kandel hinweisen. „So können schwere, tödliche Verläufe verhindert werden.“ Allerdings wird diese Kommunikation etwas dauern: Aufgrund des Datenschutzes dürfen die Praxen nur mit Briefen informiert werden.

In der Zwischenzeit beobachten auch die Mediziner vor Ort mit großem Interesse, wie das neue Medikament wohl wirkt. „Man ist natürlich gespannt“, sagt Königs. Er geht davon aus, dass die 82-Jährige einen „schönen Verlauf“ haben wird. „Hoffentlich wird ihr dann, wenn sie die Klinik verlässt, bewusst sein, was für ein Glück sie gehabt hat.“

Die Patientin wird in der Kandeler Südpfalzklinik behandelt.
Die Patientin wird in der Kandeler Südpfalzklinik behandelt.
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