Wörth RHEINPFALZ Plus Artikel Contargo investiert 150 Millionen Euro: Kapazität des Container-Terminals wird verdoppelt

Das Containerterminal verfügt zurzeit über zwei Kräne. Nach dem Ausbau sollen es acht sein.
Das Containerterminal verfügt zurzeit über zwei Kräne. Nach dem Ausbau sollen es acht sein.

Für 150 Millionen Euro soll ab 2028 die Zahl der Züge verdreifacht, die der Schiffe verzweifacht werden. Aber es werden auch mehr Lastwagen fahren.

Mehr Schiffe, mehr Züge, mehr Lastwagen: Die Contargo will ihr Container-Terminal in Wörth ganz neu aufbauen und dabei ausbauen. „Wir sind schnell gewachsen“, schildert Andreas Roer die Situation. Jetzt müssen die Betriebsabläufe den neuen Möglichkeiten und Notwendigkeiten angepasst werden. Der 47-Jährige ist als Managing Director für den Standort zuständig und Nachfolger von Wolfgang Schlegel, der nach über 40 Jahren in den Ruhestand gegangen ist.

„Wir haben mittlerweile eine Fläche von 160.000 Quadratmeter. Davon sind aber nur 48.000 Quadratmeter unter Kran“, sagt Roer. Die Folge: viele Fahrten mit den derzeit sieben übergroßen Container-Staplern. Das wird sich ändern, so der Plan. Das neue Terminal soll über acht Container-Kräne verfügen, bisher sind es zwei. Dafür wird dann nur noch ein Stapler gebraucht, der defekte Container zur Reparatur bringt.

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Heute werden die Lkw noch mit Staplern beladen.
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Künftig Platz für vier statt zwei Schiffe

Vier dieser Kräne werden am Ufer stehen – dort wo die zwei Kräne stehen, über die Contargo Wörth bis jetzt verfügt. Vier Kräne, weil künftig vier statt bisher zwei Schiffe gleichzeitig anlegen können. Dafür wird die Spundwand, an der die Schiffe anlegen, in nördliche Richtung, also flussabwärts, entsprechend verlängert, so Roer: von 320 auf 850 Meter.

Neben dem Kai zieht sich dann ein erster Container-Lagerplatz entlang. Dann folgt Richtung Westen eine dreispurige Straße: Außen können Lastwagen stehenbleiben, um be- oder entladen zu werden, in der Mitte rollt der Verkehr.

In den Container-Schluchten wirkt der Riesenstapler klein.
In den Container-Schluchten wirkt der Riesenstapler klein.

Drei Gleise für 740 Meter lange Züge

Auf der anderen Seite der Straße folgt die zweite Container-Aufstellfläche. Weiter in Richtung Westen, also vom Ufer weg, grenzt sie an drei Bahngleise. Die Gleise sind zwischen 800 und 850 Meter lang. „Auf jedem Gleis kann ein 740 Meter langer Ganzzug stehen“, so Roer. Nach den Gleisen kommt noch einmal eine Straße: Über sie verlassen die Lkws das Betriebsgelände.

„Mitte 2024 wollen wir anfangen“, schildert Roer den Zeitplan. Der erste Schritt wird der Abriss des Verwaltungsgebäudes sein. Es wird an der Kreuzung L540/Dr.-Hans-Mohr-Straße neu gebaut. Die Zufahrt der Lastwagen erfolgt über die Mobilstraße und die Mohr-Straße von Norden. „Ende 2028 wollen wir fertig sein, die Kosten werden aktuell auf 150 Millionen Euro berechnet“, sagt Roer.

Die Kapazität der Container-Lagerplätze steigt von 8700 TEU auf 14.000 TEU. Die Abkürzung TEU steht für „Twenty-Foot Equivalent Unit“ und meint einen 20-Fuß-Standardcontainer. Auf Lkw sind auf unseren Straßen meist 40-Fuß-Container zu sehen. Die Container haben eine Breite von 8 Fuß (2,4 Meter), eine Höhe von 8½ Fuß (2,6 Meter) und sind entweder 20 Fuß (6 Meter) oder 40 Fuß (12,2 Meter) lang.

Blick von einem Kran: bis zu fünf leer oder vier volle Container werden aufeinander gestellt.
Blick von einem Kran: bis zu fünf leer oder vier volle Container werden aufeinander gestellt.

Verschiebung Richtung Bahn

Der sogenannte „Modal Split“, die Verteilung der Container auf die Verkehrsträger, soll sich in Wörth nach dem Ausbau in Richtung Bahn verschieben. „Derzeit kommen 70 Prozent der Container mit dem Schiff an oder werden mit dem Schiff abtransportiert. Der Anteil der Bahn liegt zurzeit bei 30 Prozent“, sagt Roer. Bis 2045 sollen Schiff und Bahn gleichauf liegen, der „Modal Split“ wäre dann 50:50.

Damit steigt die Anzahl der Züge, die das Contargo-Terminal ansteuern: „Wir haben aktuell 12 Züge in der Woche, später werden es 36 in der Woche sein“, sagt Roer. Eine Verdreifachung also. Verdoppeln wird sich die Zahl der Lastwagen, die die Container bringen oder holen: von durchschnittlich 500 auf 1000 am Tag.

Zusätzliche Belastung für Anwohner

Der Zuwachs an Lastwagen-Fahrten bedeutet eine zusätzliche Belastung für die Anwohner vor allem entlang der B9. „Bis zum Bau der 2. Rheinbrücke wird es unerfreulich“, sagt der Wörther Bürgermeister Dennis Nitsche (SPD): „Danach wird es besser.“ Das habe eine Verkehrsstudie des Landesbetriebs Mobilität (LBM) gezeigt.

Nitsche erinnert an eine weitere Studie: Sie untersuchte die Möglichkeit, entlang der Fernstraßen im Wörther Stadtgebiet (B9, B10, A65) Lärmschutzwände mit Photovoltaik-Beplankung zu bauen. Der Kostenpunkt: insgesamt rund 11 Millionen Euro, so die Schätzung im Herbst 2022. „Da werden wir diskutieren müssen, ob die Stadt das aus eigenen Mitteln zahlt“, sagt Nitsche. Zumindest für dieses Jahr sehe es finanziell ganz gut aus.

Grundsätzlich begrüßt Nitsche die Pläne von Contargo, die bereits in städtischen Gremien vorgestellt wurden. Das sei Teil der Umstellung des Verkehrs Richtung Klimaneutralität. „Es fehlt nur noch, dass die Schiffe mit Wasserstoff fahren“, meint Nitsche. Aber das sei alles im Werden.

Während Umbau wird weiter gearbeitet

Während des Umbaus wird das Container-Terminal weiter arbeiten. Auf den ersten Schritt – Neubau und Abriss des Verwaltungsgebäudes – folgt als nächster der Ausbau der Anlegestelle Richtung Norden. Dort werden dann auch die ersten beiden neuen Kräne die Arbeit übernehmen, wenn die beiden alten abgerissen werden. Und so wird es schrittweise weiter gehen.

Die alten Kräne müssen weichen, weil sie nicht ferngelenkt werden können. Die neuen Kräne sollen zwar auch noch eigene Steuerstände bekommen, so Roer. Sie sind aber vorbereitet für den halbautomatischen Betrieb: Dann steuert der Mensch nur noch die letzten Meter des Be- und Entladungsvorgangs – ein Kranführer kann so über Bildschirme vom Büro aus mit mehreren Kränen arbeiten.

Weniger Arbeitsplätze wird das Container-Terminal aber deshalb nicht anbieten, erwartet Roer: „Wir haben derzeit 91 Mitarbeiter und stellen weiter ein.“

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