Kandel
Container am Adamshof: Erster Selbstbedienungsladen „Yobsti“ eröffnet
Früher hat dieser Schiffscontainer Frachtgut über die Weltmeere transportiert. Am Samstag hat er sein zweites Leben begonnen: als Selbstbedienungsladen für Lebensmittel aus der Region. 17 Erzeuger aus der Umgebung verkaufen dort ihre Produkte. Frisch von Feld und Hof, eigenhändig be- und verarbeitet. Vom Salatkopf über Kürbismehl, Nudeln, Milchprodukte, Öle, Brot bis hin zu selbst hergestellten Suppen, Saucen, Kohlrouladen. Auch Traubensaft vom Winzer gibt es und Speiseeis. Über 150 Produkte bietet der erste „Yobsti“ an, der am Samstag auf einem gepachteten Gelände des Adamshofs eröffnet hat.
Zusammengebracht hat die regionalen Erzeuger die Yobst GmbH, die es sich zum Ziel gesetzt hat, mit einer neuen Form der Direktvermarktung Hersteller und Konsumenten nah zueinander zu bringen und so letztlich auch die Lebensmittelversorgung in kleineren Orten zu verbessern. Das junge Mannheimer Unternehmen ist dabei kein Händler, sondern Vermittler, stellt den Erzeugern die Infrastruktur gegen eine Provision zur Verfügung. Sie seien so etwas wie Amazon für Landwirte, formuliert es Andre Tiede, der Geschäftsführer der Yobst GmbH.
Digitale Plattform für den persönlichen Einkauf
Der Vergleich mit der digitalen Einkaufsplattform hat seine Berechtigung. Denn bei „Yobsti“ läuft sehr vieles digital. Das beginnt beim Betreten des Ladens, dessen Tür sich erst nach Eingabe einer Bankkarte öffnet, und endet mit der Bezahlung per Karte. Dazwischen können sich die Kunden aber auch digital über die Herkunft der Produkte informieren: Drückt man unten am Produktschild einen Knopf, erscheint auf einem Monitor über den Regalen ein Kurzfilm über Produzent und Produktion. Damit jeder weiß, woher sein Einkauf stammt. Noch sind nicht alle Videos fertig, noch wird bei dem einen oder anderen Detail nachgebessert werden müssen, weiß Andre Tiede. Manches wird sich eben erst im richtigen Praxistest erweisen.
Neuland betreten auch die Lieferanten. Mit dem klassischen Hofladen oder dem Lebensmittelautomaten am eigenen Hof sind einige vertraut. Aber frische Lebensmittel aus dem Selbstbedienungscontainer – wie das läuft, verfolgen sie alle gespannt. Einer der Lieferanten, der einen Großteil des Gemüses für „Yobsti“ herstellt, ist Bernd Kugelmann. Der Landwirt aus Kandel begleitet den Aufbau des Projektes von Anfang an. Er hat auch die Logistik für alle Anbieter übernommen. Das heißt, er holt im Radius von etwa 50 Kilometern früh morgens frische Ware bei ihnen und Unverkauftes vom Laden auch wieder ab. Wobei am Ende nichts weggeworfen werden soll: Was nicht verkauft wird, landet beispielsweise bei der Tafel. Salat etwa wird nach zwei Tagen abgeholt, kann also noch anderswo konsumiert werden.
Digitales Warensystem
Wann Produkte aus dem Regal genommen werden oder aufgefüllt werden müssen, weiß das digitale Warenwirtschaftssystem, das das Yobst-Team speziell erarbeitet hat. Der Kopf der smarten Hofladen-Plattform.
Landwirt Kugelmann verspricht sich viel von dem Konzept. Auch für den Preis. Denn zwischen Einkaufs- und Endpreis vom Supermarkt lagen auch bei Kugelmanns Gemüse schon Welten – Margen des Handels, die wegfallen und Erzeuger und Kunden zugute kommen können.
Auch Andre Tiede und sein Team hoffen darauf, dass die Idee nun ankommt bei den Kunden. Denn Interessenten für neue Standorte gibt es. Darunter Pfälzer Kommunen, die darin eine Chance sehen, die Nahversorgung für ihre Bürger zu verbessern.
Öffnungszeiten
Der Laden hat sieben Tage die Woche immer von 7 bis 22 Uhr geöffnet. Weitere Informationen auf der Homepage der Yobst GmbH .