Wochen-Spitze CDUler dagegen: Schwarzer Lord soll rot-grün leuchten
Speyer bekommt es, Mainz hat es schon, Landau auch und viele andere Kommunen in der Republik haben es ebenfalls. Was? Ein spezielles Ampelmännchen oder -frauchen mit lokalem Bezug. Nun will auch Bellheim eins haben, den Lord. Er soll auf der Fußgängerampel an der Ampelkreuzung in der Hauptstraße Einmündung Rülzheimer Straße rot und grün leuchten. Doch als die FWG im Gemeinderat den Antrag einbrachte, gab es überraschend viele Bedenken und Kritik – von anderer Seite.
Aber warum? Liegt es wirklich daran, wie ein CDU-Ratsmitglied und Ex-Lord es zum Ausdruck brachte, dass der Jahr für Jahr gekürte Lord, als Repräsentant von Gemeinde, Vereinswelt und Brauerei, die ein gleichnamiges Pils braut, ins Lächerliche gezogen wird? Ist das Risiko, bei Unfällen an der dann vom Standard abweichenden Ampel in die Haftung genommen zu werden, so groß? Laut Landesbetrieb Mobilität (LBM) nicht, wenn gewisse Voraussetzungen erfüllt sind. Unbeantwortet sind auch noch die Fragen, ob die Brauerei, die die Markenrechte am Lord besitzt, und der LBM, der über die Ampel verfügt, letztlich ihr Einverständnis geben.
Verschnupft?
Bei näherem Hinschauen springt einem noch eine weitere Möglichkeit für die geäußerten Vorbehalte ins Auge: Im kommenden Jahr sind Kommunalwahlen. Könnte es also sein, dass da eine oder andere Partei über den potenziellen Erfolg des sympathischen Antrags der FWG verschnupft ist? Und dass sie nicht selbst zuerst auf die Idee gekommen ist?
Bereits vor der Abstimmung über das Thema im Rat vermittelte das textil-politische Farbenspiel an diesem Abend im großen Sitzungszimmer des Rathauses einen Eindruck davon, was kommen sollte. So trug etwa ein Mitglied der FWG-Fraktion, die den Antrag geschlossen unterstützte, eine grüne Bluse – symbolisiert das Gehen. Eine Vertreterin der SPD, die sich in der Ratsdebatte kritisch äußerte und letztlich auch gegen den Antrag stimmte, trug ein rotes Sommerkleid – steht für Stop! Stehen!
Fehlende Ampelfarben
Dass der CDU-Vertreter etwas gegen einen rot und grün leuchtenden Ampel-Lord hat, ist, durch die Politbrille betrachtet, aus naheliegenden Gründen verständlich. Die Bellheimer Identifikationsfigur tritt bei offiziellen Anlässen mit schwarzem Frack, weißem Hemd, schwarzem Zylinder, schwarzer Fliege – dazu passende schwarze Schuhe und Socken verstehen sich von selbst – und Silbernagel auf. Letzterer ist eine Reminiszenz an den Brauereigründer, der diesen Namen ebenso trug wie seine Brauerei, nämlich Karl Silbernagel. Dass dieses von Schwarz – leider keine Ampelfarbe – geprägte elegante Erscheinungsbild des Lords dem CDU-Mann gefällt und er es so im Bewusstsein der Menschen/des Wahlvolks bewahren möchte, steht außer Frage. Wenn nun allerdings der Hintergrund des roten und grünen Ampelmännchens wie vom LBM gefordert schwarz sein muss ...
Und dass sich die FDP bei dem Tagesordnungspunkt verbal zurückhielt? Nun, das könnte auch diesem Umstand geschuldet gewesen sein: Auf Fußgängerampeln gibt es keine gelben Leuchten. Aber wie gesagt, das ist alles reine Spekulation.