Bellheim
Lord soll Ampelmännchen werden
Nächstes Jahr will Bellheim sein 1250. Ortsjubiläum groß feiern. Dazu könnte es ein Schmankerl geben. Die FWG-Fraktion hat im Gemeinderat beantragt, an der einzigen Ampelkreuzung ein neues Ampelmännchen zu etablieren, das den Fußgängern signalisieren soll, wann sie gehen und stehen sollen: einen stilisierten Lord eventuell mit Silbernagel. Andere Kommunen wie Landau (Mädchen mit Dromedar) und Neustadt (Weinprinzessin) hätten es vorgemacht und demonstrierten so ihre Heimatverbundenheit. Darüber hinaus gibt es in Frankenthal ein Strohhutmännchen, in Pirmasens den Landgraf Ludwig und die Speyerer bekommen Anfang Juli, einen Tag vor Beginn des Brezelfestes, ihr Brezelfest-Maskottchen, den Brezelbu als Ampelmännchen.
Die FWG hält das für eine gute Idee und die 1250-Jahrfeier „für eine gute Gelegenheit, unseren Bellheimer Lord zu präsentieren und den Einwohnern und Besuchern von Bellheim dessen Werte zu vermitteln“, heißt es im Antragstext. FWG-Fraktionssprecher Moritz Städtler führte am Donnerstagabend weiter aus, dass der Lord den Bellheimern und ihren Gästen ein Schmunzeln ins Gesicht zaubern könnte. Über einen Kostenvoranschlag verfüge man bis jetzt aber ebenso wenig wie über eine Genehmigung der Brauerei, die die Markenrechte am Lord besitze. Aber darin sehe er kein größeres Problem.
Lord auf Wade tätowiert
Ein Ratsmitglied warf zur Erheiterung seiner Kollegen ein, dass er sich einen Lord hat auf seine Wade tätowieren lassen. Daraufhin marschierte er zu einem interessierten weiblichen Ratsmitglied, um seine Körperverzierung vorzuzeigen.
Daraufhin wurde es schnell wieder ernst. „Ich dachte, die Sache wäre schnell abgehandelt, aber ...“, sagte CDU-Sprecher Thorsten Metz. Wie zuvor seine Ratskollegin von der SPD, Sigrid Weiler, betonte er, dass es sich beim Lord um ein geschütztes Markenzeichen handelt, weshalb man das Einverständnis der Brauerei einholen müsse. Warum das noch nicht geschehen ist, zumal der Antrag vom 10. Mai datiere und Städtler es für kein größeres Problem erachte, könne er nicht nachvollziehen. Darüber hinaus machte er darauf aufmerksam, dass der Landesbetrieb Mobilität (LBM) über die Ampel entscheide und folglich um Erlaubnis gefragt werden müsse. Metz berichtete auch von Fällen, in denen das Land Kommunen, die ein spezielles Ampelmännchen gewünscht hätten, auferlegt habe, bei Unfällen die Haftung zu übernehmen. Zudem würden für die Ampeln ein gehender und ein stehender Lord benötigt. Dieser locke wohl eher weniger ein Schmunzeln ins Gesicht, stehe er doch unter anderem für Ehre und Würde.
Metz verhehlte nicht, dass „seine“ Fraktion in der Lord-Ampelmännchen-Frage gespalten ist, was sich später auch im Abstimmungsverhalten widerspiegelte. Er schlug vor, zunächst die rechtlichen Voraussetzung zu prüfen, mit der Brauerei und dem LBM zu reden und im positiven Fall die Kosten zu ermitteln. So wurde es letztlich dann auch mehrheitlich mit den Stimmen der FWG beschlossen; aus den anderen politischen Lagern kamen mehrere Gegenstimmen und Enthaltungen.
Ex-Lord grollt
Seinem Unwillen über den FWG-Antrag machte Gerhard Schlindwein (CDU) Luft, ein Ex-Lord wie übrigens auch Ortsbürgermeister Paul Gärtner (FWG). „Mir wäre es während meiner Amtszeit als Lord nicht im Traum eingefallen, dass er zum Manga-Männchen wird“, grollte Schlindwein, der 2014/15 das Amt innehatte. Schließlich verkörpere der Lord unter anderem Ehre, Tradition und Eleganz und werde nun so „ins Lächerliche gezogen“.
Der Lord ist eine Symbolfigur, die die Gemeinde, deren Vereine und die Bellheimer Brauerei repräsentiert. Diese braut das Lord-Pils, auf dessen Flaschenetikett sich ein stilisierter Lordkopf befindet. Der Lord wird jedes Jahr im Herbst gekürt. Er besucht zahlreiche Veranstaltungen im Dorf und in der Region, um Werbung für den Ort und die Brauerei zu machen. Nach seiner Amtszeit wird der Lord automatisch Mitglied im Lord-Club, der sich ehrenamtlich engagiert.
