Wörth Bus statt Bahn: Erfahrungsbericht eines Pendlers

Weil das Stellwerk umgerüstet wird, stehen die Züge derzeit still. Ersatzbusse fahren auch zum Karlsruher Hauptbahnhof.
Weil das Stellwerk umgerüstet wird, stehen die Züge derzeit still. Ersatzbusse fahren auch zum Karlsruher Hauptbahnhof.

An den Gleis- und Signalanlagen rund um den Bahnhof Wörth wird fleißig gearbeitet. Das mechanische Stellwerk wird elektronisch fit gemacht. Die Züge stehen still. Wie klappt der Schienersatzverkehr (SEV)? Ein Selbstversuch.

Gegen 19.20 Uhr am Montagabend warten etwa 20 Menschen an der Haltestelle am Wörther Bahnhof auf einen Bus. Auf den Gleisen macht sich gerade ein Trupp Arbeiter auf den Weg. Besonderheiten an den Anlagen werden besprochen. Kurz vor 19.30 Uhr kommt – mit leichter Verspätung – ein Bus. Dessen Zielort ist gut auf dem großen Display an der Frontscheibe zu lesen: Lauterbourg. Auf ihn haben viele Fahrgäste gewartet. Nun geht es Schlag auf Schlag. Fast im Minutentakt biegen Busse zum Haltebereich ab. Sie fahren als Ersatz für die Stadtbahn in Richtung Dorschberg und zur Rheinbergstraße nach Knielingen, zum Bahnhof nach Kandel oder zum Hauptbahnhof Karlsruhe.

Fast immer ist der Zielort gut ersichtlich – ansonsten hilft Nachfragen bei den Fahrern, die freundlich Auskunft geben. Bei einem Gespräch zweier Busfahrer ist zu hören, dass sie öfters vor dem Problem stehen, dass Autofahrer im Haltestellenbereich stehen, um beispielsweise jemanden abzuholen. Gerade derzeit, wo hier auch mal drei Busse gleichzeitig Platz finden müssen, ist dies ein Ärgernis.

Durch den Bahnhof wandern

Der Bus zum Karlsruher Hauptbahnhof fährt pünktlich um 19.33 Uhr ab, so wie es auch die App der Deutschen Bahn (DB) anzeigt. Laut dieser – und nach Auskunft auf der Homepage des Karlsruher Verkehrsverbundes – gibt es einen Zwischenhalt: Mühlburg. Etwas überraschend hält der Bus jedoch nicht am Mühlburger Bahnhof, sondern am Entenfang. Positiv für alle, die zum Beispiel in die Innenstadt wollen, denn hier halten viele Straßen- und Stadtbahnlinien. Der Bus ist hier sogar deutlich schneller als die Stadtbahn normalerweise bis zu dieser Station braucht. Dann geht es auf die Südtangente und zum Hauptbahnhof. Im Vergleich zum Regionalexpress (10 Minuten von Wörth bis Karlsruhe) und der Regionalbahn (19 Minuten) braucht der Bus mit einer guten halben Stunde deutlich länger. Gehalten wird am Südausgang. Wer für die Weiterfahrt zu einem Fernbus oder einer hohen Gleisnummer muss, ist im Vorteil. Für andere, die zum Beispiel zu den Straßenbahnen wollen, heißt es erstmal durch den kompletten Bahnhof wandern.

Auch die Fahrt aus der Karlsruher Innenstadt nach Wörth um kurz vor Mitternacht klappt gut. Um 23.55 Uhr fährt die Stadtbahn 51, die sonst bis Germersheim fährt, nun aber an der Rheinbergstraße endet. Ein Bus nimmt dort eine Handvoll Nachtschwärmer auf. Über die Schleife Maximiliansau West und Eisenbahnstraße geht es zum Bahnhof Wörth.

Hinein in den stockenden Verkehr

Deutlich voller ist der Bus am Dienstagmorgen in Richtung Karlsruhe. An der Haltestelle Maximiliansau West stehen um 8.30 Uhr elf Wartende. In den Bus, der Richtung Wörth Badepark fährt, steigt ein Fahrgast ein, die anderen in den Bus Richtung Knielingen. Jeder findet einen Sitzplatz. Hinauf geht es zur Straße über die Rheinbrücke – und hinein in den stockenden Verkehr. Der Zeit-Puffer, den die Fahrplan-Macher eingeplant haben, schwindet. Als dann auch noch die Ampel kurz vor der Haltestelle lange auf Rot steht, stehen die ersten Fahrgäste nervös auf. Doch der Umstieg ist immer noch problemlos möglich. Die Stadtbahn kommt erst von ihrem Abstellgleis gefahren, als alle SEV-Nutzer am Bahnsteig stehen. Noch bevor die Stadtbahn ihre Reise beginnt, biegt der SEV bereits wieder ab, zurück über den Rhein.

Noch bis zum 11. Dezember sollen Busse anstatt Bahnen fahren. Aktuell scheint dies gut zu funktionieren. Auch in den sozialen Medien ist es auffallend ruhig rund um das Thema.

Info

Fahrplanauskunft auf www.kvv.de und www.bahn.de

Infotafel am Bahnhof Wörth.
Infotafel am Bahnhof Wörth.
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