Wörth
Briefwahl: Fast wie im Wahllokal
Der persönliche Gang an die Urne am Wahlsonntag verliert auch in der Südpfalz immer mehr an Bedeutung, die Briefwahl boomt. Bis zum vergangenen Mittwoch hatten bei der Stadt Wörth 5053 der 13.036 Wahlberechtigten Briefwahl beantragt, was einem Anteil von 39 Prozent entspricht. Fast exakt das gleiche Verhältnis gibt es in der Verbandsgemeinde Kandel (4855 von 12.222). Das entspricht dem Bundestrend. Bei der letzten Bundestagswahl lag die Briefwahlquote deutschlandweit bei 47 Prozent, bis 2005 war sie mit unter 20 Prozent deutlich geringer.
Tobias Simon hat als Geschäftsführender Beamter der Stadt Wörth schon zahlreiche Wahlen mitorganisiert. Er meint: „Früher mussten die Wähler ja noch einen triftigen Grund wie Krankheit oder berufliche Abwesenheit nennen, wenn sie nicht persönlich erscheinen konnten. Das fiel dann irgendwann weg.“ Den zweiten „Popularitätsschub“ bekam die Briefwahl durch die Bundestagswahl 2021 wegen Corona. Die Wählenden wurden explizit gebeten, persönliche Kontakte durch Präsenzwahl möglichst zu vermeiden.
Hoher Arbeitsaufwand
Wegen der kurzen Vorbereitungszeit ist der Arbeitsaufwand besonders hoch. Meist drei von zehn Mitarbeitenden sitzen im eigens eingerichteten Wahlbüro im Untergeschoss des Wörther Rathauses, bewältigen die komplette Administration zusätzlich zum eigentlichen Aufgabengebiet. Sämtliche Wahlscheine mit Briefwahlunterlagen wurden einkuvertiert, verschickt und später in der EDV erfasst. Ulrike Gottschang feiert in diesem Jahr ihr 40-jähriges Dienstjubiläum. Sie zeichnet für Amtsblatt, Jugendarbeit und Vereinsförderung verantwortlich. Die Zusatzaufgabe „Wahlen“ bezeichnet sie als „positiven Stress, weil das ganze Team sehr motiviert an die Sache herangeht“.
Das temporäre Wahlbüro ist auch direkt über die Mozartstraße zu den üblichen Öffnungszeiten im Rathaus erreichbar. Über 600 Wählerinnen und Wähler holten bis Mittwoch ihre Briefwahlunterlagen persönlich ab. Fast alle füllten den Stimmzettel gleich vor Ort in drei eigens aufgestellten Wahlkabinen aus und warfen sie gleich in die Urne, die nach Schließung im Vier-Augen-Prinzip im Tresor eingeschlossen wird. Dieser zusätzliche Service wird einhellig begrüßt, viele Menschen kommen auch aus den Stadtteilen.
Flexibler und einfach
Die Maximiliansauerin Doris Schult sagt: „Ich nutze diese Möglichkeit gerne, man ist flexibler und es ist einfach erledigt.“ Ein ebenfalls aus „Pfortz“ stammender Rentner holt die Unterlagen für seine gehbehinderte Ehefrau ab, wählt gleich selbst. Er möchte ebenso anonym bleiben wie ein 84-jähriger Pensionär aus Schaidt („Ich verzehl gern mit Ihne, awwer mein Name muss nit ubedingt in de Zeitung steh.“). Der sehr rüstige Schaidter verband seinen Wahlgang mit weiteren Besorgungen, die er in Wörth zu erledigen hatte.
Simon klärt auf: „Diese Option muss eingeräumt werden, das schreibt das Wahlgesetz ausdrücklich vor.“ Eine freiwillige Serviceleistung war die zusätzliche Öffnung am 15. Februar, einem Samstagvormittag. Simon zeigt sich positiv überrascht über die Resonanz, über 30 Wahlberechtigte nutzten das Angebot.