Kreis Germersheim Briefe ans Christkind:

Kalender, Kalender, Du bist ja schon so dünn. Heute ist bereits wieder Heilig Abend. Viel ist geschehen in den vergangenen zwölf Monaten, Gutes und weniger Schönes. Dennoch oder gerade deswegen ist noch genug Raum für Wünsche – und die erfüllt niemand so zuverlässig wie das Christkind. Das weiß nicht nur jedes Kind, das wissen auch die Prominenten im Kreis Germersheim, die ebenfalls ihre Wünsche formuliert und verschickt haben. Leider gingen auf dem Postweg einige der Briefe der eigentlich anonym bleiben wollenden Promis verloren. Michael Gottschalk hat die Schreiben für Sie gesichtet. Kind Gottes, also nochmal werde ich nicht fürs Amt des Ortsbürgermeisters kandidieren – wobei ich das schon vor meiner Wahl gesagt habe. Zwar hatte ich bei dieser letztendlich Erfolg, aber der Anfang war ganz schön holprig. Erst musste ich mich auf eine Stichwahl einstellen, die dann nicht stattfand, weil sich Wahlhelfer verzählt haben. Dann wollte ich mein Dienstzimmer vom Rathaus der Verbandsgemeinde in eine gemeindeeigene Immobilie verlegen. In die ist zwar ein Laden eingemietet, aber für mich als Unternehmer war das trotzdem eine glasklare Sache: Eigenbedarf, also Kündigung. Doch dann musste ich feststellen, dass in der Politik die Uhren anders ticken, weshalb wir die von mir verstellte wieder zurückgedreht haben. Jesus, war das ein öffentlicher Aufschrei! Ich wünsche Dir und mir nun eine ruhige Zeit Dein Paul G., Ortsbürgermeister von B. Sehr geehrtes Christkind, herzlichen Dank dafür, dass Du Dich bei Deinem Vater, dem Herrn der himmlischen Heerscharen, für meine Bodentruppen eingesetzt und mich bereits vor wenigen Wochen beschert hast. Endlich, nach einer gefühlten Ewigkeit, ist das neue Wohnhaus neben meinem Stabsgebäude fertig geworden. Nun können die Soldaten aus anderen Unterkünften einziehen, die zwar bei weitem nicht so ärmlich sind wie der Stall, in dem Du geboren wurdest, aber dringend sanierungsbedürftig sind, teilweise sogar abgerissen und neu gebaut werden müssen. Ich wünsche mir, dass diese Bauvorhaben schneller über die Bühne gehen als das jüngst vollendete und dass dann auch bald die lang ersehnte neue Kantine in der Kaserne gebaut wird. Wenn das alles möglich wäre, würde ich Dir dort ein Weihnachtsessen spendieren und dazu sogar auf eine Stippvisite von meinem neuen Einsatzort in Potsdam zurückkehren. Viele Grüße und auf einen baldigen gemütlichen Abend mit Dir Dein Dietmar H., Kommandeur in G. Liebes Geburtstagskind, zehn Jahre ist es nun schon her, dass das Standortmarketing eine Fülle von teilweise fantastischen Visionen für dieses Bierdorf veröffentlicht hat. Umgesetzt wurden sie jedoch größtenteils im Nachbardorf jenseits des Gollenbergs, wo richtig die Post abgegangen ist. Das zeigt doch mal wieder, dass der Prophet im eigenen Land nicht gezählt ist. Aber noch ist nicht aller Tage Abend. Noch lässt sich einiges bewegen, neues Gewerbe wäre schön. Noch nicht erfüllt haben sich auch die Visionen eines aus Kostengründen gemeinsamen Schwimmbads der beiden Dörfer sowie eines Golfplatzes auf dem Gollenberg. Könntest Du mir nicht beim Umsetzen der einen oder anderen Idee helfen? Kinder spielen doch gerne. Viele Grüße und feier schön Ein Bürger aus B. Hallo Sohn Gottes, Geschenke erhalten die Freundschaft, heißt es. Aber wir wollen gar nichts geschenkt bekommen. Wir wollen nur die Möglichkeit erhalten unseren Job machen zu dürfen. Doch seit einiger Zeit wird uns das sehr erschwert, manchmal auch verwehrt. Ein Investor ist in unser Unternehmen eingestiegen. Doch statt zu investieren, hat er mehr oder weniger nur Geld aus der Firma gezogen. Der ist daraufhin teilweise dermaßen die Luft weggeblieben, dass nichts mehr produziert werden konnte. Doch damit soll baldmöglichst Schluss sein. Schick doch bitte Leute, die uns etwas unter die Arme greifen! Wir würden auch die Drei aus dem Morgenland nehmen, die Du in gut zwei Wochen erwartest; die machen einen finanzkräftigen, seriösen und weisen Eindruck. Aber bitte keine Inder mehr, mit denen haben wir nämlich gar keine guten Erfahrungen gemacht. Wir hoffen auf Deine Hilfe Die Belegschaft der Firma G. in G. Hochverehrtes Jesuskind! Hallo auch! Wir schreiben Dir gemeinsam, weil wir von Wünschen nach Frieden, Harmonie und einem gemeinsamen Weihnachtsessen aller Gemeinderatsmitglieder unseres Dorfes nach der letzten Ratssitzung des Jahres beseelt sind. – Genau! – Nach den jüngsten Kommunalwahlen dachten wir, dass in unserem preisgekrönten Dorf alles, na ja, so manches wenigstens, besser wird. Zumal ja nun die Partei mit dem großen C im Namen bei uns mitmischt. – Recht hat er! – Aber leider ist dem nicht so. Vielmehr ist da plötzlich von einem vermeintlichen Maulwurf die Rede, der sich auf anderer politischer Gruppierung Terrain getummelt und Haufen aufgeworfen hat. – Korrekt! Aber was heißt hier vermeintlich? – Auf jeden Fall sind wir uns nun einig darüber, dass sich unsere gemeinsam gehegten Wünsche nur ohne die jeweils andere Partei realisieren lassen. – Ich hätt’s nicht treffender formulieren können. Wir wünschen Dir und uns ein frohes Fest im Kreis der Lieben Peter G., Ortsbürgermeister von S., und Bodo L., Beigeordneter von S.