Kreis Germersheim Blutwäsche für neues Leben

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Vollmersweiler

. An ihrem 32. Geburtstag hat Christine Scheib ein ganz besonderes, unbezahlbares Geschenk erhalten: An jenem Tag im Mai 2015 erfuhr die Bankkauffrau, dass sie mit einer Stammzellenspende einem wildfremden Menschen in den USA das höchste Gut, das Leben, erhalten kann. Ein Paket, das ihr der Postbote in Vollmersweiler überreichte, enthielt alle Utensilien für eine genaue Auswertung ihres Blutes, samt Anleitung für ihren Hausarzt, der die Untersuchung durchführte. Und siehe da, die Merkmale passten ideal zu denen eines jungen Blutkrebs-Patienten. Sechs Wochen später lag die kerngesunde Frau aus der Südpfalz in einem Krankenhaus in Köln. Vier Stunden habe die Blutwäsche gedauert, aus der die lebensrettenden Stammzellen gewonnen wurden. Ein Kurier stand bereit, um die Spende schnell auf den Weg zu bringen, denn der Weg in die Vereinigten Staaten ist weit und die Stammzellen, die nicht konservierbar sind, haben eine Lebenszeit von lediglich 72 Stunden. Seit der Transplantation ihrer Stammzellen in den Körper des 22 Jahre jungen Amerikaners hat die Südpfälzerin nun einen genetischen Zwilling in den USA. Dass es ihm gut geht, weiß Scheib aus einer Weihnachtskarte, die sie über die Deutsche Knochenmarkspendendatei DKMS aus Amerika bekommen hat. Darin schreibt die Ehefrau des Patienten, dass dieser genesen sei und das Paar nun hoffnungsfroh auf eine lange gemeinsame Zukunft geheiratet habe. Wenn beide Beteiligte dies wünschen, dürfen sich Spender und Empfänger nach zwei Jahren persönlich begegnen. Für den lebensrettenden Austausch wird das Immunsystem des Patienten komplett heruntergefahren. Mit den Stammzellen übernimmt der Kranke die Blutgruppe des Spenders. Beim Gespräch mit der RHEINPFALZ zeigte sich die lebensfrohe Hobbyschauspielerin glücklich darüber, dass sie mit derart wenig Aufwand einem Todkranken neues Leben habe spenden können. Vier Tage lang habe sie sich vor der Blutwäsche ohne spürbare Nebenwirkungen ein Mittel gespritzt, das die Stammzellproduktion anregt. Auch beim zweitägigen Aufenthalt in der Kölner Klinik sei sie sehr zuvorkommend behandelt worden und habe sich immer gut umsorgt gefühlt. „Ich würde es jederzeit wieder tun“, lautet das Fazit der Privatkundenberaterin in der VR-Bank Filiale Hagenbach. Scheib ist die zweite Spenderin aus dem Hause der südpfälzischen Genossenschaftsbank, bereits 2013 konnte eine Mitarbeiterin einem kleinen Kind mit Stammzellen aus ihrem Blut ein neues Leben spenden. Darüber freute sich beim Pressegespräch auch Christoph Ochs. Der Vorstandsvorsitzende der VR-Bank Südpfalz überreichte der DKMS einen Scheck mit einer Spende und versicherte, dass die VR-Bank auch weiterhin alle noch nicht registrierten Mitarbeiter zur Typisierung motivieren will und, wie bisher, die Kosten von derzeit 40 Euro für jede Untersuchung übernehmen wird. „Wir brauchen solche Partner wie die VR-Bank und die Öffentlichkeit“, erwiderte die Repräsentantin der DKMS, Christina Neumann. Denn alle 16 Minuten erkrankt in Deutschland ein Mensch an Blutkrebs und immer noch findet jeder fünfte von ihnen keinen Spender, obwohl weltweit bereits 6,1 Millionen Menschen (davon 4 Millionen in Deutschland) in der zentralen Kartei registriert sind. Scheib hatte bei einer Typisierungsaktion für einen erkrankten Mann aus Landau im August 2008 fünf Milliliter Blut abgegeben, dessen ausgewertete und gespeicherte Daten nun sieben Jahre später ein Leben retteten. (srs)

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