Kandel Bluttat: Warum wurde Erntehelfer niedergestochen?

Noch in der Tatnacht wurde ein 34-jähriger Erntehelfer von der Polizei festgesetzt.
Noch in der Tatnacht wurde ein 34-jähriger Erntehelfer von der Polizei festgesetzt.

Mit drei Stichen in den Rücken wurde ein Erntehelfer vergangenen Oktober auf einem Bauernhof in Kandel niedergestreckt. Jetzt steht der mutmaßliche Täter vor Gericht.

Es schweben viele Fragezeichen über dem Tatgeschehen in der Nacht des 25. Oktober vergangenen Jahres. Sie endete mit einer Bluttat, die einem rumänischen Erntehelfer fast das Leben gekostet hätte. Warum auf ihn eingestochen wurde, scheint noch immer schleierhaft. Auf der Anklagebank sitzt ein Landsmann des Opfers, der mit ihm auch eine Containerwohnung auf dem Bauernhof in Kandel teilte, wo beide als Saisonarbeiter arbeiteten. Wenn der Angeklagte der Schuldige ist, fehlt dem Gericht noch ein Motiv. Oder, der Erntehelfer wurde grundlos niedergestochen.

Es war ein schöner Tag

Wie der 34-jährige Angeklagte in seiner Einlassung schildert, haben die Arbeiter an diesem Tag einen Lohnvorschuss erhalten, davon Essen und Alkohol besorgt. Am Abend haben sie zu viert eine kleine Party gefeiert, getrunken und getanzt. Die vier, das sind die vier Bewohner der Containerwohnung – der Angeklagte, das Opfer und deren beide Partnerinnen. Alle sind sie rumänische Erntehelfer. Die vier seien den ganzen Tag beieinander gewesen, hätten gemeinsam eingekauft und einen angenehmen Abend zusammen verbracht. Nur einmal sei es zwischen den Männern mal lauter geworden, als beide schon reichlich Alkohol getrunken hatten. Doch das sei nicht der Rede wert gewesen.

Später gingen die Männer noch gemeinsam zur Tankstelle, um Nachschub zu holen. Der Geschädigte war nach Mitternacht reichlich alkoholisiert, legte sich bei seiner Partnerin ins Bett. Mehrmals ging er nach draußen, wohl, um sich zu übergeben. Auf dem Rückweg von der Toilette kam dann der Angriff. Die Frauen wurden von lauten Schreien geweckt: „Maria, Maria, ich sterbe“, soll der Mann gerufen und dabei laut seinen Zimmergenossen der Tat bezichtigt haben. Der wiederum war in den hinteren Teil des Hofes gerannt. Die Tatwaffe wurde wenige Meter vom Opfer entfernt gefunden.

Kein ernsthafter Streit

Der Angeklagte stammt aus ärmlichen Verhältnissen in Rumänien. Er hat seit mehreren Jahren in verschiedenen Jobs in Deutschland gearbeitet, schickte einen Teil des Lohns zur Familie nach Hause. Die Fragen von Richterin Claudia Kurtze, die ihn über zwei Stunden zu seinem Leben und der Tatnacht befragt, beantwortet er so gut es geht mit Hilfe einer Dolmetscherin. Von einem ernsten Streit oder auch nur einer Abneigung zwischen ihm und dem Geschädigten will er nichts wissen. Auch andere Erntehelfer sowie die beiden Frauen scheinen bei den Ermittlern nichts in dieser Richtung verlautbart zu haben.

Alkohol deutlich zu riechen

Zur Tat an sich äußert sich der Mann konfus. Er sagt nicht: „Ich war es nicht.“ Sondern: „Ich kann mich daran nicht erinnern.“ Warum er sich vor der Polizei versteckte, kann er nicht erklären. Im Zeugenstand saßen auch die Polizisten, die zur Tatnacht im Einsatz waren. Am Einsatzort angekommen, sah die Polizistin eine Gruppe von 20 Erntehelfern, die um das laut schreiende Opfer herumstanden. Der Mann lag in einer großen Blutlache, rief: „Er wollte mich umbringen, er hat mir ein Messer in den Rücken gehauen.“ Glücklicher Zufall war es, dass einer der Beamten aus Rumänien stammt und sich so mit den Anwesenden verständigen konnte. „Plötzlich schrien alle laut: Da ist er, da ist er!“, erinnert sich einer der Beamten. Der Tatverdächtige sei in der Dunkelheit in einiger Entfernung zu sehen gewesen. Die Verstärkung konnte den Mann dann festsetzen. Weil die Ermittlungen vor Ort andauerten, habe er dann 70 Minuten auf der Rückbank des Streifenwagens gesessen. „Er war ruhig, kalt, wortkarg. Er habe nichts gemacht. Von einer schlimmeren Alkoholisierung war nichts spürbar, man konnte den Alkohol aber riechen“, so ein Polizist.

Opfer wurde notoperiert

Das Opfer wurde in die Asklepiosklinik in Kandel verbracht, wo er notoperiert werden musste. Sein Zustand blieb stabil, er war aber acht Tage nicht ansprechbar. Laut dem Leitenden Ermittler hat der Geschädigte kaum Angaben zur Tat an sich machen können – vermutlich aufgrund seines starken Alkoholkonsums, der für Erinnerungslücken gesorgt hatte. Das Opfer ist wieder in Rumänien, wo es aufgrund einer Infektion erneut ins Krankenhaus musste. Der Erntehelfer könne aufgrund der Verletzungen nicht arbeiten, die Familie leide unter den finanziellen Belastungen des Vorfalls.

Für das Verfahren sind acht Folgetermine angesetzt. Wie Oberstaatsanwalt Thomas Spielbauer erklärt, ist dies dem Umstand geschuldet, dass viele der Zeugen aus Rumänien anreisen sollen. Wie viele davon tatsächlich nach Landau kommen werden, bleibt abzuwarten. Der Staat habe hier keine echte Handhabe.

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