Kreis Germersheim Bloß keine gelbe Weste tragen

Die „Depp’ uff de Gass“ mussten lernen, dass man samstags besser kein gelbes Leibchen trägt.
Die »Depp’ uff de Gass« mussten lernen, dass man samstags besser kein gelbes Leibchen trägt.

Regelmäßig zogen 2018 rechte Demonstranten durch die Stadt, großes Polizeiaufgebot, Gegenaktionen und Verstimmungen zwischen Kandeler Verbandsgemeinde und Kreisverwaltung inklusive. Entsprechend fällt das Programm der Bienwald-Karnevalgesellschaft (BiKaGe) bei den Prunksitzungen aus – die Demos samt ihrer Nebenwirkungen sind neben dem Kampagnen-Motto („De Pharao un’s Krokodil“) ein zweiter roter Faden des Abends. Das Fazit: Kandel hat genug von zugereisten Demonstranten und zeigt das auf der Bühne. Das Publikum ist begeistert.

Narren-Till (Tobias Knittel) hält seinen Narrenspiegel diesmal in Richtung Germersheim und damit der Kreisverwaltung vor. „Das hat man auch bei den Demos geseh’n, genehmigt von Leuten weit weg vom Gescheh’n“, erinnert er an Unstimmigkeiten in Sachen Streckenführung und Genehmigungen. Bei der Kreisverwaltung wisse man wohl nicht, wie die Hauptstraße verläuft, „der Christkindelmarkt war nachhaltig gestört“. Seine Worte, „sicher ist eines, das geht niemals gut, wenn eine Hand nicht weiß, was die Rechte tut“, quittiert das Publikum mit lautem Johlen und tosendem Applaus. Lob gibt es für die Vereine „Wir sind Kandel“ und „Kandel aktiv“, die 2018 von der Landesregierung für ihr Engagement den Brückenpreis verliehen bekommen haben. „Leute, macht genauso weiter“, ruft Till ihnen zu. Dann ermahnt er die Kandeler: „Lasst euch nicht die Stadt versauen, das hatten wir schon einmal, das Grauen.“ Gesanglich kommentiert das Krautkopfteam die Lage: Zu den Klängen von Michael Jacksons „Thriller“ taumeln verlotterte Mumien auf die Bühne. Sie werden von Pharaonen mit Protestschildern in Schach gehalten und schließlich vertrieben. „Kann das denn noch Versammlungsfreiheit sein?“, lautet die Frage in Richtung Kreisverwaltung und „Spielt euer falsches Spiel woanders, wir Kandler sagen nein“ die Botschaft an die rechten Demonstranten, die „Scheißhausparolen“ mitbringen. Man habe klare Kante zeigen wollen, wollte aber gleichzeitig nicht politisch werden, sagt Prinz und Krautkopfteam-Sänger Volker I. alias Volker Bohlender. Denn auch das ist Kandel: Die verschiedenen Bündnisse, die zum Widerstand gegen die rechten Demos aufrufen, arbeiten erst seit Mitte Januar 2019 zusammen. Doch inzwischen ist der Schulterschluss gelungen und auch die Botschaft des Krautkopfteams an das sogenannte „Frauenbündnis Kandel“ ist eindeutig: „Wir singen euch jetzt mitten ins Gesicht: Wir sind Kandeler, ihr nicht.“ Und dann hat es noch Beppo (Dirk Werling) von den „Zwei Depp’ uff de Gass“ erwischt. Er musste feststellen, dass es 2018 eine ziemlich schlechte Idee war, samstags in einem gelben Leibchen in Kandel unterwegs zu sein. Auf dem Weg von Oberkandel zum Lidl ist er unterwegs gestrandet. „Ich stehe auf einmal in einem Pulk von Leuten, die haben gelbe T-Shirts an, da steht was von Kandel drauf – aber ich hab’ keinen gekannt, lauter fremde Leut’“, wundert er sich. Der gewissenhafte Radler trägt natürlich eine gelbe Warnweste. Als er damit die Polizeiabsperrung durchbrechen will, bekommt er Ärger. Donnernden Applaus gibt es auch für den Trinkspruch von „Depp“ Klaus Zahneißen: „Die Demos gehn uns Kandlern tierisch uff de Sack! Lassen endlich unser scheenes Städtel in Ruh’!“

Schließlich gehen sogar die Pharaonen auf die Straße und halten die verlotterten Mumien in Schach.
Schließlich gehen sogar die Pharaonen auf die Straße und halten die verlotterten Mumien in Schach.
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