Kreis Germersheim Blindgänger ohne Problem entschärft

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„Für mich ist es bereits die dritte Evakuierung“, sagt Karl Keller. Der 75-Jährige gehört zu den rund 40 Menschen, die gestern Vormittag in die Bienwaldhalle gegangen sind. Wie 950 andere Menschen musste er seine Wohnung verlassen. Im Baugebiet Abtswald musste eine Bombe entschärft werden.

Kellers erste Evakuierungen liegen gut sieben Jahrzehnte zurück. Gegen Kriegsende wurde Wörth zweimal geräumt, um die Menschen vor dem Krieg zu schützen, der immer näher an ihre Heimat heran rückte. Deshalb hat Keller auch von den beiden Bombenteppichen, die vor allem auf Maximiliansau fielen, nichts mitbekommen. „Wir Kinder haben aber die Flak gesehen, die im Abtswald stand“, erinnert er sich. Einmal sei ein Flugzeug abgeschossen worden. Der Flakstellung galt möglicherweise die Bombe, die Sprengmeister Thomas Guindeuil und sein Team gestern aus einem schlammigen Loch im Baugebiet Abtswald hievten. Zuvor mussten sie noch das Grundwasser abpumpen. Die Bombe, die dann vor ihnen lag, war relativ gut erhalten. Sie verfügte über zwei Aufschlagzünder, einer vorne, einer hinten. Beide waren intakt. Aber es braucht schon einige Wucht, damit sie die Bombe zünden. „Vielleicht ist die Bombe flach aufgeschlagen oder wurde aus zu geringer Höhe abgeworfen“, kann auch der Sprengmeister nur spekulieren, was vor etwa 70 Jahren geschah. Karl Keller hat dagegen aus diesen Tagen reale Bilder vor Augen. Bei der zweiten Evakuierung in Neupotz hat er vom Keller aus mit angesehen, wie ein deutscher Oberst sich in einem Gehöft verschanzt und einen amerikanischen Panzer in Brand geschossen hat: „Ein Feuerball, direkt vor dem Kellerfenster.“ Tief eingeprägt hat sich ihm auch der Verlust des Pferdes der Familie. Seine Mutter ging mit einem Eimer Wasser und ein Ballen Stroh unter dem Arm zum Stall, um das Pferd zu füttern. Er begleitete sie. Aber das Pferd lag tot am Boden, ein Splitter hatte ihm die Halsschlagader aufgerissen. Deshalb waren auch die Wände über und über mit Blut verspritzt. „Meiner Mutter fielen Eimer und Stroh aus den Händen, und der kleine Bub musste weinen“, erzählt Keller.

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