Kandel
Blindenwanderungen in der Pfalz: „Blinde sind im Wald viel sicherer, als man meint“
Herr Wintergerst, wie wandern blinde Menschen? Wie muss man sich das als sehender Mensch vorstellen?
Es gibt eine begleitende Person, die führt. Das kann ein Verwandter oder Freund sein, aber auch Menschen, die das noch nie gemacht haben. Da sage ich immer, dass man keinerlei Berührungsängste haben muss. Wie das Führen auf einer Wanderung dann abläuft, ist individuell unterschiedlich. Manche können mit gesprochenen Hinweisen arbeiten, also „Rechts geht es nun hinunter“ oder „Jetzt wird der Boden wurzelig“. Anderen reicht eine Berührung, ein sanftes Klopfen oder die Verbindung über eine Schnur. Und wieder andere haben Hunde dabei und sind ein tolles Mensch-Tier-Gespann. Man darf ja nicht vergessen, dass die anderen Sinne von blinden und sehbehinderten Menschen viel schärfer sind als unsere. Es ist sehr spannend, gemeinsam unterwegs zu sein und zu erfahren, wie sie den Wald wahrnehmen.
Wie sind Sie selbst dazu gekommen, blinde Menschen auf Wanderungen zu führen?
Ich habe vor einigen Jahren den Fachwanderwart des Deutschen Wanderverbandes, Jürgen Wachowski, kennengelernt, der schon länger Blindenwanderungen anbietet. Da bin ich einfach mal mitgelaufen. Und auch mit Ralf Augspurger, der selbst blind ist und seit vielen Jahren Wander-Events für blinde und schwer sehbehinderte Menschen mit organisiert, kam ich in Kontakt. Ich selbst bin schon lange unter anderem beim Pfälzerwaldverein engagiert und finde es wichtig, die Inklusion weiter voranzubringen. Da ist meiner Meinung nach noch Luft nach oben.
Es gibt in der Pfalz barrierefreie Wanderwege, wie beispielsweise bei Kirrweiler. Und auch für ältere, nicht mehr so fitte Wanderer werden entsprechende Strecken angeboten. Was ist bei der Auswahl der Touren für Blinde zu beachten?
Eigentlich nichts. Blinde Menschen laufen alle Strecken und sind viel sicherer unterwegs, als man zunächst meinen mag. Die Touren, die ich für die Wanderwoche ausgesucht und konzipiert habe, sind nicht extra einfach oder kurz gehalten. Und genauso wie bei „normalen“ Wanderungen ist eine gemütliche Einkehr geplant – das gehört ja dazu. Ich will den Teilnehmern und Teilnehmerinnen außerdem ein bisschen was Außergewöhnliches präsentieren. Deshalb stehen beispielsweise ein Abstecher zum Hambacher Schloss und zum Deutschen Weintor auf dem Wanderplan.
Wie setzt sich der Kreis der Teilnehmer und Teilnehmerinnen denn zusammen?
Die meisten blinden Menschen kommen aus der Region. Ich rechne mit etwa 15 Personen. Als Führer und Führerinnen habe ich Freunde und Bekannte gefragt, zum Beispiel über den PWV Sondernheim. An zwei Tagen wird uns zudem eine Studierendengruppe der Uni Kaiserslautern begleiten, die in diesem Bereich forscht. Die Studierenden werden ebenfalls führen. Und politische Unterstützung hat sich auch schon angekündigt.
Das ist Ihnen ein wichtiges Anliegen.
Ja, denn nur so kann das Thema „Inklusion im Wandertourismus“ weiter in die Öffentlichkeit gerückt werden. Ich freue mich über jegliche Unterstützung und will ein funktionierendes Netzwerk schaffen. Wandern ist ja für alle da und niemand sollte ausgeschlossen sein.
Das Programm
Die Blindenwanderwoche ist vom 2. bis 9. Mai geplant. Am Samstag geht es zum Hambacher Schloss und zur Hohen Loog, am Sonntag durch den Bienwald. Montags wandert die Gruppe gemeinsam mit Rolf Übel nach Wissembourg und zum Deutschen Weintor. Die Westwall-Wanderung am Dienstag wird von Kurt Beck sowie der Studierendengruppe der Uni Kaiserslautern begleitet. Mittwochs macht die Gruppe eine Nachenfahrt auf dem Altrhein, erlebt eine Festungsführung und trifft Landrat Martin Brandl (CDU). Den Abschluss am Donnerstag bildet eine Wanderung zur Bornheimer Storchenscheune und mit Pirmin Hilsendegen geht es in die Queichwiesen, wo das Unesco-Weltkulturerbe Wiesenbewässerung erläutert wird. Dazu hat sich Dietmar Seefeldt (CDU), Landrat im Kreis Südliche Weinstraße, angekündigt und die Studierendengruppe ist erneut dabei. Weitere Informationen unter rudiwintergerst@kabelmail.de.
