Kreis Germersheim Bildungsgang entscheidend für Klassengröße

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KREIS GERMERSHEIM. Schüler wünschen sich oftmals kleinere Klassen. Das hat Vorteile, denn so kann ihr Lehrer individuell auf jeden Einzelnen eingehen und das Lerntempo anpassen. Kein Verständnis haben Schüler, wenn ihre Klasse mangels Schülerzahl aufgelöst wird. Kurz nach den Sommerferien berichteten wir über das abrupte Ende der Berufsfachschuleklasse BF II an der Berufsbildenden Schule Germersheim/Wörth (BBS).

Zwölf Schüler mussten die Schule nach fünf Schultagen wieder verlassen und auf andere Schulen im Umkreis ausweichen, weil die vorgegebene Mindestschülerzahl von 16 nicht erreicht wurde. Laut Presseerklärung der Aufsichts- und Dienstleistungsbehörde Rheinland-Pfalz (ADD) vom 16. September 2015 hieß es damals: „Leider war eine quantitative und qualitative Beschulung in diesem Fall nicht möglich.“ Doch wer bestimmt wie viele Schüler in einer Klasse unterrichtet werden? Rechtsgrundlage ist in diesem Fall der Klassen- und Kursbildungserlass vom 18. Juni 2015 des Ministeriums für Bildung, Wissenschaft, Weiterbildung und Kultur. „Klassenbildungen sind im Rahmen der Wirtschaftlichkeit und der personellen und räumlichen Versorgung mit der Schulbehörde abzustimmen. Grundsätzlich liegt die Höchstschülerzahl bei 30 je Klasse, Kurs oder Lerngruppe“, sagt Miriam Lange von der Pressestelle der ADD. Um die Schülerzahl zu ermitteln, sind umfangreiche mathematische Berechnungen notwendig. Schüler verschiedener Schulformen, wie etwa Gymnasium oder BF II, besitzen jeweils einen anderen Messwert. „Wir erhalten für jeden Schüler in Abhängigkeit der besuchten Schulform eine pauschale Zuweisung von Lehrerwochenstunden. Gleichzeitig sind die Sollstunden laut Rahmenstundentafel je Bildungsgang zu berücksichtigen. Mit dem sogenannten PauSE-Faktor (pauschalierte Sollstundenermittlung) errechnen wir unter anderem die Klassengröße. Der PauSE-Faktor für Schüler der BF II ist 1,58. Beim Gymnasium liegt dieser bei 1,7“, erklärt Uwe Kleu, Vertreter des Schulleiters an der BBS in Germersheim. „Schulen sollten so wirtschaften, dass sie mit ihren gesamten Ist-Stunden innerhalb der Gesamtsumme der pauschalierten Sollstunden für alle Bildungsgänge liegen. Das bedeutet, dass auch kleinere Klassen gebildet werden können, jedoch nur in vertretbarem Rahmen“, heißt es in einer Presseerklärung der ADD vom 22. Oktober. Die zwölf ehemaligen Germersheimer BF II - Schüler fühlen sich noch heute „minderwertig“ und „ungerecht behandelt“. Sie können nicht verstehen, weshalb kleinere Kursgrößen in der gymnasialen Oberstufe möglich sind, aber nicht in der BF II? „Die den Bildungsgängen zuordneten PauSE Faktoren haben nichts mit der Wertigkeit der Schüler zu tun, sondern mit einer wirtschaftlichen Klassenbildung“, beteuert Miriam Lange. „Der PauSE Faktor ist im Beruflichen Gymnasium nur unwesentlich höher als in der Berufsfachschule. Kursbildungen in der gymnasialen Oberstufe sind wegen der Komplexität der Leistungs- und Grundkurse und den anzubietenden Wahlmöglichkeiten nicht vergleichbar mit der Klassenbildung in der Berufsfachschule II, in der es keine Fachrichtungen gibt“, heißt es seitens der ADD. (smoh)

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