Kreis Germersheim Bienwald geschont, Urwälder abgeholzt

Wörth/Hagenbach. Bis in die 1950-iger Jahre im letzten Jahrhundert setzte sich die Abhängigkeit der Bevölkerung der Bienwaldregion von den regionalen Ressourcen fort. Bis dahin war der überwiegende Teil der Erwerbstätigen im land- und forstwirtschaftlichen Bereich tätig. Die folgende Industrialisierung führte anschließend zur Aufgabe der Bewirtschaftung vieler Grenzertragsflächen.
Gleichzeitig begann ein neuer umfangreicher Flächenverbrauch für Siedlung, Industrie- und Infrastruktur. Darstellbar für Rheinland-Pfalz, nahm seit 1950 landwirtschaftliche Produktionsfläche um etwa 20 Prozent ab. In der modernen Landwirtschaft kam es zwar zu einer starken Zunahme der Hektar-Erträge (etwa Verdreifachung der Ernte bei Weizen und Kartoffeln seit dem Jahr 1900) jedoch führte der deutliche Anstieg des Fleischkonsums (etwa Vervierfachung seit dem Jahr 1900) auch wieder zu einer Relativierung des Flächenbedarfs. Obwohl sich die Bevölkerung Deutschlands seit 1850 von etwa 35 Millionen auf heute etwa 81 Millionen Einwohner mehr als verdoppelte und der Verbrauch von Nahrungsmitteln, Energie und Rohstoffen seither extrem zunahm, sind die Ressourcenprobleme der vergangenen Jahrhundert heute (scheinbar) gelöst! Aber ist die Energieversorgung heute für immer sichergestellt? – Etwa 75 Prozent unseres Endenergieverbrauchs wird heute in Form von Öl, Gas, Kohle und Uran importiert. Oder spielt der jahrhundertelange Holzmangel keine Rolle mehr? – Von 1950 bis 2013 nahmen die deutschen Importe von Holz und Rohstoffen aus Holz von etwa 3,7 Millionen Kubikmeter auf etwa 124 Millionen Kubikmeter zu. Bei einer nachhaltigen, jährlichen Holzproduktion von etwa 50 bis 60 Millionen Kubikmeter in den deutschen Wäldern, liegt der Gesamtverbrauch im Inland bei etwa 100 Millionen Kubikmeter Holz pro Jahr. Darüber hinaus wird in großem Umfang Holz, wie andere Rohstoffe auch, nach Verarbeitung und Wertschöpfung auch wieder exportiert. Auch davon profitieren Arbeitsplätze und Wohlstand in Deutschland. Etwa zwei Drittel der deutschen Holzimporte kommen heute als Papierholz und Zellstoff aus Skandinavien, Kanada und Russland. Darüber hinaus wird aus tropischen Ländern wie Brasilien in größerem Umfang Eukalyptus-Zellstoff importiert. Er sorgt für „flauschige“ Hygienepapiere und findet sich zum Beispiel in Papiertaschentüchern. Teilweise werden das importierte Holz beziehungsweise die daraus entstehenden Produkte in Deutschland unter dem gleichen Gütesiegel verkauft, wie die Produkte aus heimischem Holz. Dies, obwohl die forstlichen Standards der Lieferländer mit Großkahlschlägen, Monokulturen und Plantagenwirtschaft regelmäßig fern der im globalen Vergleich führenden deutschen Standards liegen, ganz zu schweigen vom Vergleich der sozialen Verhältnisse der Produktion. Oft genug kommt importiertes Holz beziehungsweise die daraus produzierten Rohstoffe dabei auch aus dem legalen und illegalen Einschlag von Urwäldern.