Kandel / Wörth
Bienwald: Ein Stück Holz für 14.000 Euro
Die Eichen wurden zu Beginn des Winters im Bienwald eingeschlagen. Sie hatten ein Alter von etwa 180 bis 250 Jahren und wurden nach Höchstgebot verkauft. Der teuerste Stamm war knapp 9 Meter lang und brachte 14.084 Euro. Das waren 2789 Euro pro Kubikmeter.
Aus dem wertvollsten Holz war ein allerdings ein anderer, kleinerer Stamm: Er brachte zwar insgesamt „nur“ 7522 Euro, war aber dem Käufer pro Kubikmeter 3009 Euro wert. „Beide Bäume liefern eine große Fläche gleichmäßiges Furnier oder gleichmäßiges Holz für Großprojekte im Innenausbau“, sagt Johannes Becker vom Forstamt Bienwald (Kandel). Beide Bäume waren 200 bis 250 Jahre alt. Die Unterschiede an den Stämmen. die zu den unterschiedlichen Preisen führen, sind für Laien kaum erkennbar.
Bäume kurz vor dem Absterben
Nur des Geldes wegen wurden die Bäume aber nicht gefällt: „Die meisten der gefällten Eichen zeigten durch Luftschadstoffe und Sommertrockenheit verursachte Kronenschäden, welche nach der örtlichen Erfahrung im Laufe der nächsten Jahre zum Absterben geführt hätten“, sagt Becker. Mit dem Einschlag wurden Wertverluste verhindert und gleichzeitig das wertvolle Holz in langlebigen Produkten wie Möbeln, Parkett, Fußbodendielen und Weinfässern bewahrt.
Zudem wurde der Einschlag von gesundem Holz entsprechend der wachsenden Zahl kranker Bäume reduziert. Gleichzeitig werde jedoch auch Sorge dafür getragen, dass durch Pflanzung, natürliche Ansamung und dauerhafte Pflege starke Eichen auch immer wieder nachwachsen, sagte Becker. So werden im Bienwald auch künftige Generationen einen möglichst hoher Anteil an alten Eichen finden.
Einschlag reduziert
Darüber hinaus werden auch im Rahmen des Biotop-, Altbaum- und Totholzkonzeptes viele Eichen gezielt bis zu ihrem natürlichen Absterben erhalten, so Becker. In Verbindung mit der im Zuge des Naturschutzgroßprojektes ausgewiesenen Naturwaldfläche von 1680 Hektar seien mittlerweile 18 bis 20 Prozent des Staatswaldes im Bienwald aus der Bewirtschaftung genommen. Entsprechend reduziert wurde auch der Eicheneinschlag.
„Seit nachweislich über 1000 Jahren werden die Eichen im Bienwald vom Menschen gezielt gefördert“, sagt Becker. Ursprünglich kam diese Baumart dort nur in geringerem Umfang vor, ergaben Pollenanalysen aus dem Lautermoor. Viele Jahrhunderte dienten die die Eicheln der Schweinemast, für die Tiere bis vor etwa 150 Jahren regelmäßig auch in den Wald getrieben wurden. Darüber hinaus lieferte die Eiche wertvolles, sehr haltbares Bau- und Gebrauchsholz, nicht nur für Fachwerkhäuser, sondern bis ins 19. Jahrhundert auch für den Schiffsbau. Dazu wurde die Eiche teilweise bis nach Holland geflößt. Davon zeugen heute noch Waldortsnamen wie „Holländerschlag und „Holländerbrück“.
Ganze alte Eichen bleiben stehen
Trotz der jahrhundertelangen Nutzung sind heute im Bienwald mehr starke Eichen anzutreffen als dies in den letzten 200 Jahren der Fall war. „Das soll aus Sicht des Forstamtes auch so bleiben“, sagt Becker. Etwa 70 Eichen weisen heute einen Durchmesser in Brusthöhe von mehr als 1,3 Meter auf. Auf den Einschlag dieser oft 250 bis 300 Jahre alten Bäume wurde schon vor langer Zeit verzichtet. „Sie sind Charakterbäume, die in ihrer Erscheinung imponieren und auch vielen Tier- und Pflanzenarten Lebensraum bieten“, so Becker.
Eichenheldbock breitet sich sehr stark aus
Allerdings seien mittlerweile etwa 70 Prozent dieser Baum-Veteranen vom Eichenheldbock besiedelt. Diese Käferart ist seit den 1990-iger Jahren geschützt und breitet sich seitdem sehr stark aus. Auch die stärkste Eiche des Bienwaldes – die „Salzleckeiche“, Durchmesser in Brusthöhe: etwa 1,80 Meter – ist mittlerweile stark vom Heldbock betroffen. „Sie wird deshalb vermutlich in den nächsten 10 Jahren absterben“, sagt Becker. Mit der starken Zunahme des Heldbocks erhöhte sich die Zahl der nicht mehr einzuschlagenden Eichen noch mal sehr nennenswert, wobei die Bäume aber schnell absterben werden.