Kreis Germersheim „Bevor es ein Massaker gibt“

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„Gehen sie rauf, bevor es ein Massaker gibt“, schrie ein junger Mann der Polizeistreife entgegen. Den Notruf am Abend des 5. Oktober 2013 abgesetzt hatte der Vater des 23-jährigen Angeklagten aus dem südlichen Landkreis Germersheim. Denn sein Sohn hatte einen Freund aus Kindertagen so geohrfeigt, dass dieser von einer zwei Meter hohen Galerie fiel. Dabei verletzte er sich an der Hand.

Doch als eine Beamtin und ihr Kollege von der Polizei Wörth die Wohnung des 23-Jährigen betraten, schlug die Stimmung um. Die beiden 22 und 23 Jahre alten durchtrainierten Männer zeigten sich nun als Brüder im Geiste. Gegen die Polizei waren sie sich einig. Das demonstrierte der 23-Jährige eindrucksvoll mit freiem Oberkörper und den eintätowierten Buchstaben A.C.A.B. (steht für „All Cops Are Bastards“ – höflich übersetzt: „Alle Polizisten sind Bastarde“). Aggressiv und mit wüsten Schimpfworten ließen sie die Polizisten gar nicht erst zu Wort kommen. Der 22-Jährige dachte nicht daran, dem Platzverweis zu folgen. Sollten doch die beiden Angeklagten getrennt werden, um die Lage zu beruhigen. Wohl bekannt waren den Beiden, die an diesem Samstag einiges getrunken und gekifft hatten, ihre Rechte. Wonach die Wohnung ein geschützter Raum sei, in den die Polizei nicht einfach eindringen dürfe. Allerdings hing die Haustür nur noch an einer Angel und die Wohnungstür war offen. Außerdem, so korrigierte der Richter, sei die Wohnung kein rechtsfreier Raum. Mittlerweile war eine zweite Polizeistreife eingetroffen. Der 22-Jährige musste aus dem engen Schlafzimmer seines Freundes gezogen werden. Dann ließ er sich fesseln. „Sie haben mir die Handschellen über das gebrochene Handgelenk angelegt, das hat wehgetan..“ Die Polizisten gaben vor Gericht an, dass sie erst auf der Wache von der Sturzverletzung erfuhren. Der 23-Jährige hatte unterdessen einige Schritte in Richtung Küche gemacht. Aus den Augenwinkeln sah ein Polizist, wie er in die Spüle griff und ein Messer herauszog. Geistesgegenwärtig warf der Polizist den Angreifer zu Boden, das Messer flog weg. Um den Mann, der nicht müde wurde, wüste Beleidigungen zu schreien, irgendwie sichern zu können, mussten zwei weitere Streifenwagen aus Germersheim anrücken. Denn der 23-Jährige verschränkte die Arme vor der Brust, konnte zunächst nicht gefesselt werden. Erst als die Beamten einen Schlagstock als Hebel einzusetzen, konnten sie die Handfesseln anlegen. „Ich bin Kickboxer, ich mach euch fertig“, rief er und strampelte wild um sich. So wurde er auch an den Füßen gefesselt. All das wäre nicht nötig gewesen, wenn die beiden jungen Männer der Polizei gesagt hätten, warum sie alarmiert wurde. Vielleicht hätten sie auch nicht die Nacht auf dem Polizeirevier verbringen müssen, wo sie lautstark weiter randalierten. Der Clou aber war, dass der 23-Jährige am Schluss fragte, welche Straftat er überhaupt begangen habe. Beleidigung mit bis zu einem Jahr Freiheitsstrafe und Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte mit bis zu drei Jahren Freiheitsstrafe, klärte der Amtsrichter mit dem Schuldspruch auf. Keine Einsicht bringt den wegen Raubtaten Vorbestraften und Bewährungsbrecher nun für weitere fünf Monate ins Gefängnis. Der 22-Jährige erhielt eine Geldstrafe von 90 Tagessätzen zu 10 Euro. (mlhd)

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