Kreis Germersheim Beobachten, aber nicht überwachen

Wörth. Wer Kinder hat, kennt die Diskussionen: Sie wollen allein ins Schwimmbad oder auf ein Konzert – oft mit dem Argument: Die Anderen dürfen das auch. Besonders knifflig wird für Eltern die Entscheidung, wenn Kinder allein ins Zeltlager oder nach Südfrankreich wollen. Elke Geiger, Sozialpädagogin bei der Erziehungs-, Ehe- und Lebensberatung der Caritas Germersheim gibt Tipps, wie Eltern damit umgehen können.
Das ist ein erster Schritt in die Unabhängigkeit, in die Autonomie und das ist etwas Elementares für ihre Entwicklung, es gehört dazu. Wenn es sich um ein altersgerechtes Angebot handelt, unterstützt der Urlaub ohne Eltern die Entwicklung des Kindes. Außerdem gibt es Eltern, die froh sind, wenn ihre Kinder ein, zwei Wochen alleine in Urlaub gehen können, weil gerade Berufstätige sechs Wochen Ferien gar nicht abdecken können. Woher weiß ich, was ich meinem Kind zutrauen kann? Am besten stellt man sich die Frage: Was schafft mein Kind im Alltag, was in der vertrauten Umgebung? Habe ich ein Kind, das scheu ist oder eines, das seine Wünsche und Bedürfnisse äußern kann? Kinder, die sich schon mit Übernachtungen bei der Verwandtschaft schwertun, sind mit Ferienmaßnahmen überfordert. Aber auch Kinder, die selbstständig sind, brauchen Vorbereitung, zum Beispiel dass eine Freundin oder ein Freund mitfährt. Das mildert auch das Heimweh. Denn wenn das Kind eine schlechte Erfahrung macht, ist später das selbstständige Wegsein möglicherweise mit vielen Ängsten besetzt. In welchem Alter sind welche Angebote sinnvoll? Wie steht es mit der Aufsichtspflicht? Für Grundschüler sind Übernachtungen manchmal noch schwierig. Da sind Ferienprogramme ein guter Einstieg, bei denen sie tagsüber unterwegs sind und abends im eigenen Bett schlafen. Für 10- bis 14-Jährige passen am besten gut organisierte und betreute, ein- oder zweiwöchige Jugendfreizeiten, zum Beispiel von den Kirchen, der Feuerwehr, den Pfadfindern oder von Sportvereinen. Jugendreisen von professionellen Anbietern gibt es schon für 14-Jährige, allerdings sollte man meiner Meinung nach, damit eher noch zwei Jahre warten. Zur Aufsichtspflicht gibt es im deutschen Recht keine gesetzlichen Vorgaben. Als Faustregel gilt: Ab etwa 14 Jahren dürfen Kinder mit Einwilligung der Eltern allein reisen, dann den eigenen Reisepass oder Personalausweis mitgeben sowie eine Reisevollmacht der Eltern und Fotokopien der Personalausweise von Vater oder Mutter zum Vergleich der Unterschrift auf der Vollmacht. Welche Vorkehrungen sollte man treffen? Wie plant man die Jugendreise am besten? Je mehr Struktur vorgegeben ist, desto mehr Sicherheit können die Eltern erwarten. Deshalb: vorher umfassend informieren. Eine Frage könnte sein: Gibt es einen vorbereitenden Elternabend? Weiß ich, wer Gruppenleiter ist, wie die Betreuer ausgebildet sind? Gibt es während des Aufenthaltes einen Ansprechpartner für die Eltern? Gerade von sogenannten Jugendreisen hört man immer wieder, dass kaum professionelle Betreuung und wenig Programm stattfinden. Überprüfen Sie vorher genau, mit welchen Personen beziehungsweise welcher Organisation das Kind fährt, wer die Kinder vor Ort betreut etc. Persönliche Gespräche mit anderen Eltern, die schon Erfahrungen haben, sind sinnvoll, Internetbewertungen reichen hier nicht. Wenn das Kind dann unterwegs ist: Welche Abmachungen beziehungsweise Absprachen sind sinnvoll? Wenn ich meinem Kind zutraue, dass es eine Woche weg sein kann, sollte ich es nicht zwingen, sich täglich zu melden. Dauernde Anrufe können beim jüngeren Kind das Heimweh verstärken oder es bekommt ein schlechtes Gewissen, wenn es das Telefonat mal vergisst. Natürlich muss man sicher sein, dass sich die Verantwortlichen melden, falls etwas passiert. Jugendliche, die eine Jugendreise, etwa ins Ausland gebucht haben, sollten sich dagegen schon zwei- bis dreimal die Woche melden und auch für die Eltern erreichbar sein. Außerdem: Themen wie Ausgehen, Alkohol oder sexuelle Kontakte unbedingt vorher ausführlich besprechen und die gesetzlichen Vorgaben zum Jugendschutz klar machen, etwa kein Alkohol unter 16 oder Ausgehen ab 16 nur bis 24 Uhr. Die Regeln des Veranstalters dazu sollte man im Voraus abfragen. Nur gute Vorbereitung verhindert, dass der Urlaub ohne Eltern ein Reinfall wird.