Kreis Germersheim „Beim Oskar wäre das nicht passiert“
Kandel. „Ein guter Name“, „Ein Vollblut-Politiker“, „Südpfälzer und Europäer“, „Mit einem sicheren Gespür für das Machbare“ und „Jahrzehnte Gesicht von Stadt und Verbandsgemeinde geprägt“, all diese Überschriften in früheren RHEINPFALZ-Artikeln galten einem Mann der heute hundert Jahre alt geworden wäre: Kandels Ehrenbürger Oskar Böhm.
Der SPD-Politiker Böhm war einer der Männer, die sich nach dem Zusammenbruch uneigennützig zur Verfügung stellten als es galt, ein funktionierendes Gemeinwesen auf demokratischer Grundlage zu errichten. 34 Jahre lang, so lange wie keiner seiner Vorgänger, war er Bürgermeister der Stadt Kandel. Er führte , wie es an seinem 85. Geburtstag in der RHEINPFALZ zu lesen war, „Kandel aus seinem Dornröschenschlaf“ und schuf, wie ihm Landrat Joachim Stöckle (CDU) damals bestätigte „das moderne Kandel“. Sein Name steht aber auch für die vielfältigen Bemühungen in Kandel, die Völker Europas einander näher zu bringen. Die Europafahne und die Aristide-Briand-Medaille, die Kandel, 1965 und 1966 verliehen wurden, waren daher auch eine Auszeichnung für Bürgermeister Böhm. Wie wichtig für ihn das Bürgermeisteramt war zeigte sich 1975, als er auf eine erneute Kandidatur für den rheinland-pfälzischen Landtag verzichtete, um so Bürgermeister „seiner Stadt“ bleiben zu können. In der Verbandsgemeinde Kandel, die Böhm seit ihrer Gründung bis ins Jahr 1981 leitete, war sein ausgleichendes Wesen Garant dafür, dass die Gemeinden und Bürger dieser bei ihrer Gründung recht ungeliebten Verwaltungseinheit rasch zusammenwachsen konnten. Es wundert nicht, dass ein Mann wie Böhm auch außerhalb seiner Bürgermeister- und Abgeordnetentätigkeit Verantwortung übernahm. So war er in vielen öffentlichen Einrichtungen und Gremien tätig, oft sogar an führender Stelle. Verschiedene deutsche, aber auch ausländische Orden und Ehrenzeichen waren die verdiente Anerkennung für seine Leistungen. Die von Böhm am meisten geschätzte Auszeichnung war seine 1991 erfolgte Ernennung zum Ehrenbürger seiner Heimatstadt, sah er sie doch als Anerkennung dafür an, dass er, zwar immer in der SPD verwurzelt, in seinem Amt keine Parteien kannte sondern stets ein Bürgermeister für Alle war. Das haben ihm „seine Kandeler“ bis heute, nahezu 15 Jahre nach seinem Tod, nicht vergessen. Wenn sie Kritik an manchen öffentlichen Entscheidungen üben wollen, hört man auch immer noch: „Beim Oskar wäre das nicht passiert“.