Kandel RHEINPFALZ Plus Artikel Beim Impfen ausgebremst

Thomas Dambach beim Impfen im Impfzentrum Landau im April 2021.
Thomas Dambach beim Impfen im Impfzentrum Landau im April 2021.

Die Hausarztpraxis Thomas Dambach will diese Woche mindestens 80 Patienten gegen Covid impfen. Und gerne würde sie auch noch mehr versorgen. Doch die Politik macht ihr einen Strich durch die Rechnung. Der Arzt macht seinem Ärger Luft.

Der kleine Picks in den Oberarm ist eine der wichtigsten Waffen im Kampf gegen Corona. Davon ist Thomas Dambach überzeugt und deshalb hat er in den letzten Wochen alles dran getan, möglichst viele seiner Patienten impfen zu können.

Für eine Hausarztpraxis wie die seine ist das nicht ohne! Denn in erster Linie soll der versorgende Hausarzt ja für die Patienten da sein und nicht für die Prävention alleine. Geimpft wird bei Dambach deshalb mittwochs und – zusätzlich jetzt eingerichtet – auch samstags. „Ich habe meine Helferinnen dazu motivieren können, obwohl sie seit Wochen schon am Limit sind“, sagt Dambach. Die Helferinnen opfern also ihren Samstag, so dass sich deren Regenerationszeit auf nur einen Tag pro Woche verkürzt. Das Praxisteam hatte durchgerechnet, dass seine Patienten erst Anfang April 2022 durchgeimpft wären, würden die Impfungen wie im bisherigen Tempo weiterlaufen. „Das wäre zu spät“, sagt Dambach: „Erkältungszeit ist jetzt!“ Deshalb drückte das Praxisteam auf die Tube. Allein: Es erhielt letzte Woche einen gehörigen Dämpfer.

Denn der scheidende Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) gab bekannt, dass die Abgabe von Biontech-Impfdosen in den nächsten Wochen wohl begrenzt werden würde. Weil „schlecht kommuniziert“ worden war, stünden – relativ gesehen zum jetzigen Andrang – weniger Impfungen mit dem Covid-Impfstoff von BioNTech/Pfizer zur Verfügung. Was für ein Ärger! Dambach entschuldigte sich per Zeitungsanzeige bei seinen Patienten, dass er voraussichtlich nur BioNTech/Pfizer-Stoff für 30 Impfungen erhalten werde. Bei den übrigen Impfungen müsse er deshalb auf den Moderna-Impfstoff ausweichen. Der Hausarzt weiß, dass Moderna als Alternative prinzipiell gleichwertig ist und ebenso gut immunisiert. Er weiß allerdings auch, dass Patienten bei der Frage nach dem jeweiligen Impfstoff hochsensibel reagieren. Nicht jedermann ist ohne weiteres bereit, sich, wenn der eine nicht verfügbar, halt mit dem anderen impfen zu lassen.

Für die Hausärzte bedeutete dies letzte Woche vor allem, jedem Patienten immer wieder das gleiche zu erklären und zu argumentieren. Auch in Kandel zehrte es an Zeit und Nerven des ohnehin – wie gesagt – am Limit arbeitenden Teams. „Das Engagement aller Arztpraxen wird mit Füßen getreten“, so Dambach. Und die Kassenärztliche Vereinigung Rheinland-Pfalz (KVRLP) gibt dem Mediziner Recht: „Der scheidende Bundesgesundheitsminister Jens Spahn demonstriert mangelndes Gespür für den enormen Druck, unter dem die Vertragsärztinnen und Vertragsärzte schon seit Monaten stehen“, hieß es in einem Statement.

Diese Woche möchte Dambach mindestens 80 Patienten impfen. Wie ihm seine liefernde Apotheke in Aussicht stellte, erhält er 42 BioNTech-Impfungen. Mehr sei nicht zu bekommen, heißt es bei der Apotheke und hundertprozentig sicher seien auch diese 42 nicht. Darüber hinaus hat Dambach Moderna-Impfungen bestellt, 160 werden ihm wohl geliefert. Priorisiert werden Patienten der Praxis mit chronischen Erkrankungen und Senioren. „Aber auch jeder andere unserer Patienten, der anruft, wird sofort terminiert und diese oder nächste Woche geimpft.“ Beim Gesundheitsministerium wollte man durch begrenzte Auslieferung von BioNTech-Dosen nicht zuletzt Lagerbestände von Moderna abbauen. Eine fatale Entscheidung, die – so die Kritik der KVRLP – zu „einem steigenden, aber unberechtigten Misstrauen in der Bevölkerung gegenüber dem Impfstoff von Moderna“ führt. In diesem Sinne hofft Dambach, dass sich Patienten auch mit Moderna impfen lassen.

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