Jockgrim RHEINPFALZ Plus Artikel Bei Frühsport verletzt: Fisch fügt Schwimmer blutende Wunden zu

Die Verletzungen wurden dokumentiert.
Die Verletzungen wurden dokumentiert.

Schreck am Morgen: Ein 69-Jähriger muss nach dem Schwimmen im Baggersee im Krankenhaus versorgt werden. Die Amtsärztin klärt auf, welches Tier wohl die Wunden verursacht hat.

Zunächst hört sich das, was ein Badegast des Jockgrimer Baggersees Johanneswiesen Ende Juli erlebt hat, wie eine der typischen Sommertier-Geschichten an: Er sei beim frühmorgendlichen Schwimmen von einem großen Fisch attackiert und in den Arm gebissen worden, verbreitete er mündlich und in den sozialen Medien. Die Bisswunden mussten jedoch sogar in der Kandeler Asklepios-Klinik genäht werden, vorher wurden Beweise des tierischen Angriffes per Foto gesichert. Die RHEINPFALZ hat nachgefragt.

Das Opfer der Fischattacke, der 69-jährige Knut Maurer, erzählte zwei Wochen nach diesem für ihn schockierenden Erlebnis, was er am letzten Julitag beim Frühsport in dem beliebten Badegewässer erlebt hat. Wie fast den ganzen Sommer über ging er auch an diesem Donnerstag zum morgendlichen Schwimmen an den See unterhalb von Jockgrim. „Es war ein regnerischer, trüber Tag, als ich kurz nach neun Uhr vom Badestrand aus losschwamm.“ Da an diesem Tag kein typisches Badewetter herrschte, hätte es keine Einlasskontrollen gegeben, die Tore zum See waren offen, und er war alleine vor Ort.

Der Badesee Johanniswiesen bei Jockgrim.
Der Badesee Johanniswiesen bei Jockgrim.

Als er ungefähr auf Höhe zwischen Badestrand und DLRG-Schwimmponton seine Bahnen zog, „bekam ich von links einen richtig kräftigen Stoß am linken Arm“, erinnert sich Maurer lebhaft. „Nanu, was war das denn?“, habe er gedacht. „Will mich jemand erschrecken und kam unter Wasser herangetaucht? Oder hat mich jetzt ein großes Tier, vielleicht ein Wels, angegriffen?“ Doch da war weder Mensch noch Fisch zu sehen. Mittlerweile spürte er auch einen deutlichen Schmerz in seinem linken Arm. Also bog er erst einmal ab und erklomm das naheliegende Floß im See.

„Als ich die Leiter hochstieg, sah ich auf den Sprossen helles, frisches Blut und entdeckte mit Schrecken die Wunden an der Unterseite meines linken Oberarmes.“ Kein schöner Moment, als er sich seine Situation auf dem Ponton bewusst machte. „Ich hatte natürlich in meiner Badehose kein Handy einstecken, und weit und breit waren keine Menschen zu sehen. Aber ich musste ja wieder zurück an das sichere Ufer kommen, denn die sieben nebeneinander liegenden, blutenden Wunden mussten versorgt werden.“ Also habe er überlegt, was er tun könnte, um einer weiteren Attacke zu entgehen, stieg endlich ins Wasser und schwamm schnell und laut schreiend an den Badestrand zurück. Immerhin wusste er, dass bei einer Begegnung mit einem wilden Tier in freier Wildbahn Schreien helfen könne.

Der Arzt schickt ihn ins Krankenhaus

Nachdem er die Wunden daheim notdürftig versorgt hatte, fuhr er zuerst einmal zu seinem Hausarzt im Nachbarort. Dieser war erstaunt über das Verletzungsmuster seines Patienten, fragte nach der Ursache und dokumentierte alles mit Fotos. Das das Ganze doch recht heikel aussah, schickte er Knut Maurer weiter ins Aklepios-Krankenhaus nach Kandel. Wieder staunten die Ärzte vor Ort über die Bissspuren. Sie waren immerhin 0,7 Zentimeter tief, in ihnen fanden sich Sandkörner und kleine Steinchen, die zuerst einmal ausgespült wurden. Danach wurden die Stellen genäht und Maurer erhielt vorsorglich ein Antibiotikum, um Entzündungen zu unterbinden.

Sein nächster Weg führte ihn zum Ordnungsamt der Verbandsgemeinde, „denn ich dachte an die anderen Badegäste, die ja auch Gefahr liefen, beim Baden und Schwimmen attackiert zu werden.“ Auch den Ortsbürgermeister German Guttenbacher sprach er an. „Natürlich bin ich mit meiner Geschichte auf große Skepsis gestoßen, auch bei einem Vor-Ort-Termin mit dem Bürgermeister, dem Vorsitzenden des örtlichen Angelsportvereins Michael Fuhr und einem Wels-Spezialisten. An diesen Fisch hatte ich nämlich zuerst gedacht.“

Ein Taucher sucht den See ab

Der Ortsbürgermeister nahm Maurers Bericht ernst und bat einen Taucher, der regelmäßig in den See steigt und das bis fast 20 Meter tiefe Gewässer sehr gut kennt, in den folgenden Tagen im Bereich der Fisch-Attacke zu tauchen. Eine Woche lang suchte er nach Spuren von Welsen und den Fischen selbst. Diese sah er nicht rund um die DLRG-Plattform, dafür aber einige richtig große Hechte. Da es im See wohl mehrere Hundert Welse gibt, darunter große Exemplare von fast zwei Metern Länge, sagte Fuhr in dem Gespräch zu, in nächster Zeit mit Vereinsmitgliedern ganz gezielt „Welsangeln“ zu veranstalten.

Als nächsten, wichtigen Schritt schickte Guttenbacher das Foto mit dem verletzten Arm an das Kreisveterinäramt in Germersheim. Dort arbeitet auch Amtstierärztin Ilona Szalisznyo, die die Bisswunden begutachtete und sich als Anglerin mit Angelschein mit Fischen auskennt. Sie kam zu dem Ergebnis, dass die Bisse weder von einem Wels noch von einem Hund, was kritische Außenstehende vermuteten, stammen. „Das Verletzungsbild ist eher vereinbar mit einem Abwehr- oder Beutefangbiss eines größeren Raubfisches, insbesondere eines Hechtes (Esox lucius)“, lautet ihre Einschätzung. „Hechte verfügen über vorne größere Fangzähne und zahlreiche kleinere Zähne dazwischen, die ein halbkreisförmiges Muster hinterlassen können. Sind im Baggersee Hechte mit einer Länge von über einem Meter bekannt, könnte dies den Vorfall erklären?“

Veterinärin: Untypisches Verhalten

Die Ärztin gab aber auch zu bedenken, dass der Jockgrimer Baggersee zwar künstlich entstand, aber heute den Charakter eines Natursees habe, mit Lebensraum für Tiere am und im See. In dem eben auch große Fische leben könnten. Die Wahrscheinlichkeit, dass der Fisch erneut zubeiße, sei sehr gering, das Verhalten sei absolut untypisch und der Auslöser wohl nicht zu erklären. Maurer hätte ja auch nichts getragen, das den Fisch hätte anlocken können. Die Wunden des 69-Jährigen verheilen zum Glück gut, doch der Schreck sitzt tief. Und wenn er wieder schwimmen geht, wird sicher lange ein mulmiges Gefühl bleiben.

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